Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
Jazz 'n' More
Basler Veranstaltungskalender
Groove Now
Blues made in Italy

Die italienische Gruppe Morblus ist gerade dabei, nördlich der Alpen Terrain zu erobern. Für das nächste Jahr sind Auftritte in der Schweiz geplant, einige davon sind bereits gebucht. Wir werden darüber berichten. Die Band gehört zu den besten Bluesbands, die in Italien spielen und konnten bisher bei allen Auftritten überzeugen. Roberto hat ausserdem ein Festival in Italien auf die Beine gestellt: Mazzurega in Blues. Es wird seit 2001 durchgeführt

Zur Veröffentlichung der neuen CD On The Way Back  hatten wir Gelegenheit, mit dem Kopf der Band, Roberto Morbioli zu sprechen. Hier sind seine Antworten auf unsere Fragen:
 

Gerade ist Deine neue CD „On the Way Back“ erschienen. Deine letzte, „You Can’t Go Wrong“ war eine Studioproduktion. Die aktuelle CD enthält Live Mitschnitte. Produzierst Du lieber im Studio oder magst Du lieber Liveaufzeichnungen?

Um die Wahrheit zu sagen, mir gefällt beides! Zur Erklärung: Im Studio mag ich besonders die Arbeit an den Arrangements der Stücke. Beweis dafür ist, dass „I Can’t Go Wrong“ in der Presse als eine der besten CDs hinsichtlich der Originalität der musikalischen Arrangements bewertet wurde. Ich habe 6 Monate im Studio verbracht und mich mit Leib und Seele der Realisierung der Kompositionen gewidmet.

Ein Live-Album aufzunehmen ist eine komplett andere Sache: Das, was Du tust, muss sofort perfekt sein, da es schwierig ist, die Liveaufnahme später nachzubessern. Aber es ist genau das, was Dich motiviert, authentisch zu sein und Dich auf das Wesentliche zu konzentrieren ohne viel nachzudenken. Zur gleichen Zeit musst Du alle Emotionen, Deine Energie und Deinen Musikstil rüberbringen! Und dabei steht auch noch das Publikum vor Dir, das Dir zuhört. Du spielst für diese Leute, nicht für Dich. Genau das ist das Geheimnis des Live-Auftritts: die Vermittlung Deiner Musik auf spontane natürliche Art, ohne Druck. Denn unterm Strich ist es der Musiker, der die Musik macht, nicht die Musik, die den Musiker macht…

Die letzte CD enthielt ausschliesslich Eigenkompositionen. Auf der aktuellen CD sind 6 „Klassiker“ eingespielt. Das ist mehr als die Hälfte. Erst auf der CD von 2001 finden sich wieder so viele Covers. Was hat diese Sympathie für die alten Songs zu bedeuten?

Natürlich habe ich in meiner Karriere als “Bluesman” immer auch Blues Cover gespielt, auf allen unserer Konzerte. Ich musste einige gute Bluesklassiker wie STORMY MONDAY oder BOOM BOOM aufnehmen um denjenigen, die uns noch nie live gesehen haben, zu zeigen, dass Morblus auch „Roots Blues“ ist! Nicht zu vergessen, dass auch die Cover arrangiert werden müssen, wie man an unserer Version von “I’ll play the blues for you” auf unserer Live DVD „Road Tracks“ hören kann sowie an vielen allen unserer Cover.

Auf Deiner Tour spielst Du viele Titel, die auch auf der CD sind. Für meine Ohren ist das Programm bluesiger geworden, näher zu den Roots, jedenfalls verglichen mit „You Can’t Go Wrong“. Hat der Titel „On The Way Back“ etwas damit zu tun? Wohin bist Du unterwegs?

Zuerst einmal muss ich sagen, dass meiner Meinung nach der Blues nicht nur einfach ein Musikgenre ist sondern eher eine Kraft, die jede Musik, mit der sie in Kontakt kommt, in Beschlag nimmt und beeinflusst. Das ist der Grund, warum ich den Blues liebe, weil er keine Grenzen kennt! Du kannst ihn auf unendlich verschiedene Arten interpretieren, mit einem Touch Funk, Soul, R&B, rock, Jazz, Swing, Latin, Rock & Roll, Pop, etc..

Es ist einfach ein so fantastisches Musikgenre, das Dich, wenn Du es beherrscht, nie enttäuschen wird!!

Der Titel „ON THE WAY BACK“ bezieht sich auf ein Vorkommnis im März letzten Jahres, als wir uns auf den Weg machten zu einer Tour in den USA. Bei der Einwanderungsinstanz am Flughafen in Toronto haben Sie uns wieder nach Hause geschickt! Wir haben 21 Konzerte in den USA verpasst, darunter große Festivals und ein Live Recording mit Diane Blue, einer großartigen Sängerin aus Boston (Anm.: Teilnehmerin der International Blues Challenge in Memphis im nächsten Jahr 2011, www.dianebluemusic.com)

Die aktuelle Band verzeichnet zwei Wechsel. Am Bass spielt nun Stefano Dallaporta und am Schlagzeug Diego Pozzan. Wird das für die nächste Zeit so bleiben, oder gilt das nur für die aktuelle Tour?

In den 20 Jahren Geschichte von MORBLUS haben viele verschiedenen Rhythmusgruppen zum Sound der Band beigetragen. Ich habe immer versucht, eine starke Rhythmusgruppe im Rücken zu haben, aber gleichzeitig brauchte ich aktive, frische Mitstreiter bei der Kompositionsarbeit.

Besser gesagt: ich strebe immer nach einem neuen, modernen Sound, der aber sich aber dennoch auf die Wurzeln des Blues stützt. Mit Bluesveteranen ist so ein unverbrauchter Sound, wie er mir gefällt, schwierig zu erreichen. Daher habe ich mich für Stefano und Diego entschieden, die mir gemeinsam den Sound liefern, den ich gesucht habe. Gleichzeitig zolle ich jedoch den Tribut ihrer Unerfahrenheit, es wird noch eine Weile dauern um den jungen Musikern begreifbar zu machen, dass der Blues nicht nur Technik sondern viel mehr verlangt und bedeutet: Seele, Liebe, Wut, Leiden, Angst, Nostalgie und das harte Leben eines „Bluesman“, viele Kilometer auf der Straße, wenig Geld aber auch eine unglaubliche Befriedigung. Aber ich bin sehr zuversichtlich es zu schaffen, es ist meine Mission!

Du tourst den ganzen Oktober durch D, NL und B, jedenfalls nördlich der Alpen. Ist etwas anders hier als in Italien?

Ich kann sagen, dass Nordeuropa in Bezug auf die musikalischen Ressourcen reicher ist als Italien: die Kultur ist anders, die Menschen gehen abends früher aus und gehen in die Gaststätte um ein oder zwei Bier zu trinken und Musik zu hören, die nicht aus dem Radio oder TV kommt, sondern die live auf der Bühne gespielt wird. Und es sind wirklich Menschen mit einer Leidenschaft für den Blues, die solche Konzerte in Clubs, Festivals oder Theatern organisieren und damit eine Musik unterstützen, der man in den großen, traditionellen Medien sonst nicht begegnet. Dieses Engagement ist wirklich einzigartig und macht den großen Unterschied!

In Italien haben wir diese Tradition verloren oder sind gerade dabei, sie zu verlieren. Auch deshalb bemühe ich mich in meinem Umfeld, diese Kultur aufrechtzuerhalten, und habe selbst das Festival „Mazzurega in Blues“ auf die Beine gestellt. Es findet direkt vor meiner Haustür statt, in Mazzurega in 500 m Höhe mitten im Valpolicella, das weltweit für seinen Wein bekannt ist.

Seit nunmehr 10 Jahren erfreut sich das Event großer Beliebtheit! Und es ist gerade für einen Musiker eine wichtige Erfahrung zu erleben, was es bedeutet, ein solches Festival zu organisieren.

Du spielst oft eine recht betagte Telecaster. Gibt es eine Geschichte dazu?

Eine unglaubliche Geschichte. Ich war auf Hochzeitsreise in 21 Staaten der USA unterwegs, als ich zufällig in Los Angeles, genauer gesagt in Oakland landete, in einem kleinen Musikladen mit Vintage-Instrumenten. Dort sah ich SIE, angelehnt an die Wand, SIE, die ich nun „Honey Moon“ nenne! Meine 72er Telecaster, zweifarbig in Tabak-Tönen, mit einem Humbucker am Hals und einem unverwechselbaren leichten und vielseitigen Sound. Seit 1996 ist sie meine Nummer 1! Ich kann sogar sagen, dass sie meine Art des Spielens beeinflusst hat: meine energischen und aggressiven Töne tragen Ihre Handschrift genauso wie die Zartheit und Sensualität, die sie aus meinen Fingern herauszaubert!

Wer sind Deine musikalischen Vorbilder?

Ich habe nie nur ein Vorbild gehabt, sondern bewundere viele Künstler. Hier sind einige davon: T-Bone Walker, Muddy Waters, Magic Sam, Wllie Dixon, Sonny boy williamson, James Cotton Albert King, Albert Collina, Robert Cray, B. B. King, Freddie King, Elvis Presley, Ray charles, Ronnie Earl, Stenie Ray Vaughan, James Brown, Donny Hataway, etc. . .

Wie siehst Du die musikalische Entwicklung von Morblus?

Eine Sache ist sicher: ich und meine Band Morblus sind noch längst nicht am Ende angelangt! Ich habe die nächste CD bereits fertig in der Schublade, ein Projekt fürs Jahr 2011 zur Feier unserer 20 jährigen Jubiläums, das ich hier nicht noch nicht näher erläutern kann.

Ich bin überzeugt, dass Morblus bisher unterm Strich eine sehr ehrliche, kompromisslose Karriere durchlaufen hat! Jedes Ergebnis haben wir erreicht ohne jemals um etwas gebeten zu haben, weder an Journalisten noch andere Geschäftsleute, sondern durch harte Arbeit. Darauf bin ich unendlich stolz!

Zum Schluss die Frage, die ich allen stelle: wenn Du eine Band zusammen stellen könntest, wie sähe sie aus? Natürlich kannst Du für diese fiktive Band frei wählen unter lebenden und nicht mehr unter uns weilenden Musikern.

Ray “Killer” Allison – Drums
Johnny B. Gaiden – Bass
Billy Preston – Hammond B-3
Memphis Horns
Kim Wilson – harp

Roberto Morbioli, vielen Dank für das Gespräch

Bewertung insgesamt (0)

0 von 5 Sternen
Kommentar hinzufügen
  • Keine Kommentare gefunden

Facebook Button

Diese Auszeichnungen haben wir erhalten:

SwissBluesAward2014 winner 150x160px

GermanBluesAward 2015 bluensnews.ch

 

 

bluesnews ist Mitglied dieser Organisationen: