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Herz und Fuss

Am Blues Festival Basel gab es die Möglichkeit, den ersten mit dem «Lifetime Achievement Blues Awards» Geehrten zu treffen, den Gründer und seit 50 Jahren Leiter des Jazz Festivals Montreux, Claude Nobs. Im Interview zeigt sich der so Ausgezeichnete als Traditionalist, aber auch als Visionär. Musik kann auch Schellack-Platten daherkommen oder als HD-Digitalisat, was bleibt, das ist, was die Musik dem Herzen gibt – und dem Fuss. Das Bluesnews-Interview mit Claude Nobs.

Bluesnews: Herr Nobs, was bedeutet Ihnen der Lifetime Achievement Award?

Claude Nobs: Der Award bedeutet mir sehr viel, denn ich habe das Montreux Jazz Festival eigentlich eher als Bluesfan denn als Jazzfan angefangen. Für mich ist Blues als Musik einfacher als etwa Bebop oder New Orleans Jazz. Der Blues ist stets der Blues. Und was interessant ist, das ist dass Blues zwar immer dasselbe ist, aber doch immer etwas anderes. Ich habe meine ersten Konzerte vor genau 50 Jahren gemacht, und das war John Lee Hooker. John Lee Hooker kriegte damals von mir 500 Dollar Gage, das war damals schwierig, und als er später ein weiteres Mal kam, kriegte er 50‘000 Dollar.

Bluesnews: Wie würden Sie den Unterschied zwischen Blues und Jazz beschreiben? Wo ziehen Sie für sich die Trennlinie?

Claude Nobs: Es wird immer ein Durcheinander gemacht, die Leute sagen Blues-Festival, aber man könnte auch Jazz-Festival sagen, da ist Blues dabei und auch Gospel, Rock’n‘Roll, Avantgarde, whatever. Und für mich ist Blues einfach das, was dem Herzen etwas gibt und was dem Fuss etwas gibt (tappt dabei einen Rhythmus), es muss auf beiden Ebenen etwas geben. Und Jazz ist stets etwas komplizierter. Ich war damals mit 17 für meine Konditorausbildung in Basel und habe jeden Abend zum Abwasch im Radio die Sendung Pour ceux qui aime le jazz gehört, und eigentlich habe ich zwei Lehren gemacht, eine Kochlehre und eine Jazzlehre. Und bei dieser Sendung war auch Blues dabei und auch etwas R’n’B. Und ich lernte all dies kennen und der Blues war dabei stets zentral.

Denn auch beim Jazz geht es darum, dass etwas Swing habe, und was heisst Swing? Eine gute Definition, die mir mal ein Franzose sagte, lautet: Swing ist,  ist, wenn etwas nicht genau einen Meter lang ist, sondern 98 oder 102 Zentimeter. Aber ob Jazz oder Blues, meine Richtschnur beim Festival war stets quality.

Bluesnews: wenn Sie selbst eine CD hören, welche Musik wählen Sie immer wieder und bevorzugt?

Claude Nobs: Nicht CD? LP! Ich höre noch LP. Ich habe über 48‘000 LP und noch sehr viele 78er Schallplatten. Das ist etwas physisches, das kann man anfassen. Und man kann auf dem LP-Cover etwas lesen. Ich weiss, das ist total daneben, aber ich höre mit grossen Lautsprechern und grossen Verstärkern, die einen schönen und warmen Ton haben. Ich habe sogar noch 15 Juke-Boxen zuhause für meine 78er, und wenn man Muddy Waters auf einer 78er-Schallplatte anhört, ist das immer noch besser als LP. Die Wärme des Tons. Natürlich muss die Schallplatte unverkratzt sein. Direct Recording! Die Räumlichkeit der Aufnahme ist sehr deutlich, man hört die Positionen der Musiker einer Band.

Natürlich habe ich auch sehr viele CDs und in jüngerer Zeit viel Musik auf dem Ipod oder Ipad, aber es fehlt etwas: das Herausnehmen des Albumcovers, das Lesen, das fehlt. Und deshalb werden wir ab diesem Jahr für das Festival auch wieder Vinyl-LPs publizieren.Und es gibt auch wieder ein Publikum, das die analoge Aufnahme sucht.

Bluesnews: Und wessen Tonträger ziehen Sie dann etwas häufiger hervor, wen hören Sie dann?

Claude Nobs: Es kann sein, dass ich von einem Musiker sehr viele Alben herausnehme. Nehmen wir B.B. King. Ich habe über 50 Vinyl-Schallplatten von ihm, und darunter sind auch Aufnahmen, die ich in Chicago und Nashville selbst gefunden habe, und diese haben mitunter auch einen schönen Ton, der besser als CD ist.

Bluesnews: Wen hätten Sie gerne noch von den Bluesmusikern für das Jazz-Festival Montreux gehabt? Sie hatten jeden auf der Bühne, der im Blues einen Namen hat: Waters, Hooker, King, Vaughan, Wells etc. Gibt es jemanden, den Sie gerne hätten oder gehabt hätten, ausser wahrscheinlich Robert Johnson?

Claude Nobs: Nunja, dieses Jahr kommt zum Jazz-Festival extra Buddy Guy zum Konzert angereist, dem einzigen in Europa kommt er extra zum Jazz-Festival.

Bluesnews: Herr Nobs, Sie sind ja ein Pionier der Digitalisierung und Archivierung, haben die Bänder der Bildaufnahmen der frühen Jazz-Festival-Auftritte vom Schweizer Fernsehen zurückgekauft etc. Als ein Visionär der Medien von Musik und Bild: Wie sehen Sie die Zukunft des Musikmarktes?

Claude Nobs: Natürlich kann man denken, dass LP und CD aussterben werden, aber es wird immer etwas bleiben davon, viele Leute wollen, wenn Sie etwas kaufen, einfach ein Objekt in der Hand haben und das verstehe ich auch gut. Aber wir haben ein grosses Projekt in Montreux, wir haben eine Anschubfinanzierung von 5 Millionen Franken von der Uhrenmarke Audemars Piquet erhalten, um die Aufnahmen der Jazz-Festivals in Montreux zu digitalisieren, insgesamt über 5000 Stunden. Und jede Stunde Digitalisierung braucht drei Arbeitsstunden: eine zur Vorbereitung, einer zum Überspielen und eine Stunde zur Nachbereitung, also insgesamt 15‘000 Stunden Arbeit. Aber wir arbeiten jetzt mit der EPFL in Lausanne zusammen und mit Hewlett Packard in Amerika, damit diese Inhalte übers Internet verfügbar gemacht werden können. Zusätzlich gibt es eine Suchfunktion und die Möglichkeit zum Download. Und dieses riesige Archiv könnte die grösste Datenbank zu Jazz und Blues werden.

Ausserdem gibt es auch Partner-Veranstaltungen wie Montreux-Detroit, Monteur-Singapur, Montreux-New York, Montreux-Tokio, Montreux-Atlanta oder Montreux-Sao Paolo. So wurde der Namen Montreux in der Welt bekannt. Und so habe ich mir gesagt, wieso nicht eine Kette von Montreux Jazz Cafés eröffnen. Jüngst wurde eine Niederlassung im Flughafen Zürich-Kloten eröffnet und eine in Genf. München folgt demnächst, nächstes Jahr auch der Gare de Lyon mit dem Train bleu. Und dort sollen die Inhalte aus diesem Archiv gezeigt werden, dadurch wird der Name Montreux in der Welt bekannt, aber auch die Waadt und die Schweiz insgesamt, weil dann so 365 Tage im Jahr Jazz Festival ist (lacht).

Bluesnews: Sie sind tatsächlich ein Visionär:

Claude Nobs: 1991 wollte ich beginnen, diese Digitalisate in HD-Qualität zu machen, und damals wussten die meisten noch nicht, was das ist, aber jetzt kommt das Schweizer Fernsehen zu mir und sucht Inhalte in HD und es hätte gerne diese Inhalte in dieser Qualität, denn ich habe über 1000 Stunden in HD-Qualität. Da könnte man fast einen eigenen Kanal draus machen.

Die lebenslange Orientierung an den grossen Vorbildern: George Gruntz und Claude Nobs und eine Einspielung von Buddy Guy.

 

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