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Carsten Nilles hat den Musiker in Köln getroffen

Der Originalbeitrag erschien auf bluesfeeling.com

Robben, du bist kürzlich zu einem der 100 besten Gitarristen auf der Welt gekürt worden und hast eine lange erfolgreiche Karriere. Was ist Deine Inspiration, um so gut Musik zu machen?

Robben Ford: Nun ich BIN Musiker, ich bin immer Musiker gewesen und ich brauche nicht viel dazu, um inspiriert zu sein, Musik zu machen. Das ist ganz natürlich für mich – es ist das konstante Verlangen etwas durch die Musik auszudrücken.

Es ist eine Sache des Herzens?
Oh ja, das glaube ich! Es ist eine Leidenschaft...

Was sind Deine Idole von denen Du hauptsächlich beeinflusst bist? Und wann bist Du das erste Mal mit dem Blues in Kontakt gekommen?

Oh, das war ein sehr entscheidender und prägender Moment für mich: Meine erste Schallplatte war von der „Paul Butterfield Blues Band“ und Mike Bloomfield war der Gitarrist dieser Band. Und es war das erste Mal – das dachte nicht nur ich, sondern jeder, der ihn hörte – keiner spielte die E-Gitarre so wie er. Zuvor hatten wir mit den Rolling Stones und den Beatles ähnliche Musik gehört. Die waren okay – die spielten laute elektrische Bluesgitarre. Dies war ein Moment zum Innehalten, der mir eine grundsätzliche Richtung für mein eigenes Gitarrespiel gab. Mike Bloomfield war derjenige, der mich zum Gitarrespielen inspirierte.

Weitere Inspirationen?

Die nächste Persönlichkeit, die mich wirklich beeindruckte, war Eric Clapton auf seiner ersten Platte, die er zusammen mit John Mayall and The Bluesbreakers aufgenommen hatte. Dann begann ich auch B.B. King, Albert Collins und Albert King zu hören. Die habe ich live in San Francisco spielen gesehen. Und natürlich kam Hendrix daher, der mal so eben eine ganz neue Welt auf die Gitarre gezaubert hat.

Robben, Du hast einen ganz speziellen jazzigen Bluesstil und eine unnachahmliche Stimme. Wie würdest Du deine Musik beschreiben?

Mein Stil ist eine Kombination von Bluesgitarristen, die ich bewundere und von Jazzern und Saxophonisten. Ich denke, dass es wirklich wichtig ist, einen eigenen Stil zu entwickeln. Aber man muss sich die unterschiedlichsten Instrumentalisten anhören. Weil Du letztlich danach klingst, was Du Dir anhörst. So ist es eine schlimme Sache, wenn Du ein Gitarrist bist und Du Dir ausschließlich Gitarristen anhörst. – Das darfst Du keinesfalls, das ist eine ganz schlechte Idee (lacht).

Was rätst Du?

Ich persönlich habe eine große Vorliebe für Jazz und meine Ohren sind speziell auf Saxophonisten eingestellt. Und zudem auf Miles Davies’ Trompete – ich liebe Miles Davies! Allerdings ist für mich die Trompete nicht das attraktivste Instrument beim Jazz – ich bevorzuge eher den Ton eines Saxophones oder sogar auch eines Pianos. In den meisten Fällen war auch Jazz-Gitarre für mich etwas langweilig – große Gitarristen, aber zu monoton für mich, tonal immer nur ein Klang. Das hat mich eher nicht angesprochen und «kalt» gelassen. Dagegen haben die Bluesgitarristen all diese unterschiedlichen Klangbilder und all diese unterschiedlichen Arten den Blues zu spielen. Ich habe in meinem Spiel Saxophon und Bluesgitarre zusammengeführt – und so ist eine spezielle Mischung entstanden.

Du hat bereits an die 30 Alben herausgebracht. . .

. . .Wirklich? Whoow!

. . .bei Deinem aktuellen Album "Bringing It Back Home", was war da eigentlich die dahinterstehende Absicht? Wenn ich Dein Gitarrenspiel zusammen mit der Posaune höre, großartig!

Nun, der Wunsch war, etwas zu machen, das eine Art Einladung sein sollte: warm, entspannt und sich gut anfühlend. Das hat dann viel damit zu tun, wie man die Gitarre spielt – ich wollte sie auf eine sehr unangestrengte Art und Weise spielen. Ich wollte, dass sich alles nach Leichtigkeit und Unangestrengtheit anhört. Ursprünglich war das Projekt mit Gitarre, Akustik-Bass und Schlagzeug geplant – also ein kleines Drum-Set und dazu noch zwei Saxophone. Es sollte mehr nach Lonny Johnson als nach «Old School»-Swingblues klingen. Aber dann wurde ich ein wenig nervös, dass ich das einzige Akkorde spielende Instrument im Aufnahmeraum sein sollte – schließlich wollte ich selbst relaxt sein. Deshalb engagierte ich Larry Goldis an der Hammond B3-Orgel. Was kann ich sagen: Großartig, er ist der beste! Dann kam noch die Idee mit der Posaune dazu, weil ich noch eine andere «Stimme» wollte.

Ich habe zwei Lieblingssongs auf Deinem neuen Album, nämlich „Fair Child“ und „Oh Virginia“. Was sind Deine Favoriten?

Nun, für mich ist das auch «Oh Virginia» – das ist einer der eigenen Songs. Ich mag auch «Traveller’s Waltz», für den meine Frau Anne die Lyrics und Mike Mc Donald, der Sänger, die Melodie geschrieben hat. Neue eigene Songs stehen für mich, ich mag sie. Aber «Oh Virginia», ebenso «Everything I Do Gonna Be Funky» und «Fool’s Paradise» sind meine drei wirklichen Top-Favoriten. Ich mag diese Art von Musik wie «Fool’s Paradise». Auf meinem «Talk To Your Daughter»-Album hatte ich «Ain’t Nothing But The Blues» drauf – ich mochte schon immer Slowblues mit einigen Chordwechseln.

Wie lange hat das Aufnehmen gedauert, in welcher Zeit hast Du das Album fertig gestellt? War das einfach für Dich und die Band?

Das war es – das war eine schöne Sache! Da war die richtige Band zusammengekommen und wir haben uns gut gefühlt, miteinander Musik zu machen. Wir haben in drei Tagen jeweils vier Songs hinbekommen, von denen dann 10 auf das aktuelle Album gekommen sind. Die Zusammenarbeit mit den Jungs war wirklich einfach. Danach musste noch etwas Extra-Zeit – etwa zwei Tage – hauptsächlich für das nochmalige Einsingen der Gesangsparts aufgewendet werden sowie noch weitere zwei Tage für Gitarren-Overdubbing.

Großartige Scheibe – da habt ihr einen tollen Job gemacht!

Danke schön! Für mich ist die neue CD ein Zirkelschlag zurück zum «Talk To Your Daughter»-Album. Die Rhythmusgitarre steht nicht so im Vordergrund. Es ist mehr im Stile von B.B. King – nicht notwendigerweise viele Chords. Eine Menge von «nur spielen und singen» – die Band erledigt ansonsten die Rhythmus-Arbeit. Das Album hat zwei eigene Songs, der Rest sind Covers. Um eine solche CD wie diese hinzubekommen, braucht man Covers – man kann heute nicht mehr derartige Songs schreiben (lacht). Solche Lieder zu finden ist schwierig, sie zu schreiben ist heutzutage unmöglich (noch mehr Lachen).

Robben, du bist schon lange im Musik-Business und Du wirst bald 61 Jahre jung. Wie schaffst Du es fit zu bleiben und dich zu entspannen, während Du auf Tour bist?

Nun ich mache Yoga und meditiere...und ich drinke (lacht laut). Diese drei Dinge, das ist eine gute Kombination.

Wann wird das deutsche Publikum Robben Ford 2013 sehen und hören können?

Wir kommen ab April rüber nach Deutschland mit meinem aktuellen Album im Gepäck und meiner neuen Band mit einem neuen Stil diese Musik zu präsentieren.

Wo und wann geht die Tour los?

Am 10. April in Bochum, dann Köln, München, Berlin und als letztes Konzert Hamburg – alles zusammen mit Eric Johnson. Zusätzlich werde ich beim Gitarrenfestival in Wegberg und auf dem Gaildorfer Bluesfestival im Juli sein.

Robben herzlichen Dank – und viel Erfolg auf Deiner Tour!

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