Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
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Nicht ganz so frei
Paul Kossoff (1950–1976) war der Gitarrist der Britischen Bluesrockband Free, und leider wurde er nur 25 Jahre alt. Trotzdem bleibt Free bis heute ein wichtiger — wenn auch zu wenig geschätzter — Bestandteil der Geschichte des Bluesrocks von der Insel. Paul Kossoff war wie Eric Clapton ein echter und treuer Verehrer des Blues und sein Beitrag zur Entwicklung der Bluesgitarre ist schwer zu bestreiten, nicht zuletzt weil Joe Bonamassa als eines seiner Vorbilder Paul Kossoff nennt. Doch Free war weit mehr als nur Paul Kossoff. Die Band, die leider nur von 1968 bis 1972 bestand, steht für grossartigen 70er Jahre Bluesrock. Ihr frühes Ende und der Tod von Leadgitarrist Kossoff sind tragische Kapitel in der Geschichte des Britischen Blues.
 
Als sich Paul Kossoff im Jahr 1968 eine neue Band suchte, hatte er trotz seines jungen Alters schon Erfahrungen als Gitarrist gesammelt. Gemeinsam mit Schlagzeuger Simon Kirke hatte er die Band Black Cat Bone gegründet und die zwei hatten in seiner Tournee-Band den grossartigen «Champion» Jack Dupree auf einer Tour durch Grossbritannien und auf dessen Veröffentlichung When You Feel The Feeling You Was Feeling begleitet. Black Cat Bone hatte auch für Fleetwood Mac eröffnet und wie Peter Green spielte auch Kossoff vorzugsweise eine 1959er Les Paul Standard.

 

 

1968 kam das Ende der Jugendband mit dem Zusammenschluss mit Bassist Andy Fraser und Sänger Paul Rodgers. Gemeinsam mit Kossoff und Kirke bildeten sie das Quartett Free, das von Beginn weg eine sehr intensive Touring-Aktivität an den Tag legte und zunächst dennoch ohne nennenswerte Erfolge durch England tingelte.
Ihren ersten Auftritt hatte die Band am selben Tag wie die erste Bandprobe, nämlich am 19. April 1968. Alle Bandmitglieder waren bemerkenswert jung: Kossoff, Kirke und Rodgers waren 18 Jahre alt, Fraser wurde erst drei Monate später 16 Jahre alt. Der Sound von Free wurde auf der Bühne weiter entwickelt, wobei er sich auszeichnet durch eine sehr starke Rhythm Section, auf deren Grundlage Gesang und Kossoffs Gitarre ihre lyrischen Höhenflüge machten. Die Arrangements der Band zeichnen sich durch sehr transparente Sounds aus, bei der die drei Instrumente stets klar zu hören sind, insbesondere Frasers Bassläufe sind grosse Klasse.
 
Kossoffs Gitarrensoli zeichnen sich weniger durch endlose und oft selbstverliebe Instrumentalspaziergänge aus. Vielmehr sind seine Soli kurz und dem Song dienlich, und sein ausgezeichnete Vibratospiel rückt ihn in die oberste Liga der Bluesrock-Gitarristen, wenn ihm auch die Anerkennung verweht blieb. Dies hat sicherlich mit seinem allzu frühen drogenbedingten Tod zu tun, aber auch mit der Tatsache, dass Free nur sehr kurz existierten.
 
Im Jahr 1970 wurde nämlich der von Fraser geschriebene Titel All right now zu einem enormen Erfolg und die Band explodierte zu Superstar-Status mit Tourneen in Europa und Japan. Der Erfolg war leider gleichzeitig der Anfang vom Ende. 1970 wurde neben Fire and Water (mit All right now) auch das Album Highway veröffentlicht, doch der Druck wurde zu gross und die Band löste sich auf.
Während Rodgers und Fraser sich an Soloprojekten versuchten, kamen Kossoff und Kirke mit dem US-Keyboarder John «Rabbit» Bundrick und dem japanischen Bassisten Tetsu Yamauchi zusammen undsie veröffentlichten 1971 das Album Kossoff, Kirke, Tetsu and Rabbit. 1972 gab es ein neuerliches kurzes Lebenszeichen von Free, aber Fraser verliess nach nur einer Veröffentlichung (dem Album Free at Last) die Band und formte die Gruppe Sharks.
 
Die vier Musiker verfolgten danach unterschiedliche Karrieren, Rodgers und Kirke schlossen sich zusammen und gründeten die erfolgreiche Band Bad Company, und Paul Rodgers sollte dann von 2004 bis 2009 Freddie Mercurys Platz bei Queen einnehmen (Mercury war stets ein grosser Bewunderer von Rodgers gewesen). Fraser versuchte seine Band Sharks am Laufen zu halten und formte später die Andy Fraser Band. In jüngerer Zeit schrieb er eine Autobiographie und hatte sein Coming-Out.
 
Einzig Paul Kossoff war keine weitere Karriere beschieden. Er gründete zwar noch die Band Back Street Crawlers, aber seine Abhängigkeit von der Droge Mandrax beeinträchtigten sein Schaffen und schliesslich starb er am 19. März 1976 auf einem Flug von Los Angeles nach New York an Herzversagen. Andy Fraser bekannte in einem Interview dass er versucht habe, Kossoff von den Drogen wegzubringen und dass er dessen Konsum als einen langsamen Selbstmord interpretierte.
 
Paul Kossoffs Gitarre, eine 1959er Les Paul mit schöner Riegelahorn-Decke wurde verwahrt, und Joe Bonamassa sorgte dafür, dass die richtigen Leute sie in die Hände erhielten, so dass 2013 der Gibson Custom Shop im Rahmen seiner Historic Series eine Nachbildung der Gitarre veröffentlicht.

 

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