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Geschichtenerzähler

LightninHopkinsFilmbildFarbeDer Texaner Sam «Lightnin’» Hopkins (1912–1982) war ein wunderbarer Bluesman, dessen Songs man allzu selten hört und spielt. Dabei nimmt der Mann in vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung ein. Er ist als elektrischer Gitarrist und Sänger aus Houston das Bindeglied zwischen dem texanischen Blues der ersten Stunde wie Blind Lemon Jefferson und dem hoch-energetischen Texas-Blues späterer Jahre, wie ihn Hopkins Cousin Albert Collins spielte. Lightnin’ Hopkins ist somit ein stilbildender Musiker, der den hoch rhythmischen Blues des Lone Star States entscheidend definierte. Daneben ist er auch ein Erzähler, der Geschichten erfindet, während der die Titel singt. Er hat ein riesiges Oeuvre von Aufnahmen hinterlassen und es lohnt sich wirklich, den Herrn mal wieder hervorzukramen, und sich einlullen zu lassen von diesen Geschichten — solange man sie denn versteht, denn Lightnin’ Hopkins ist eine harte Nuss: sein genuschelter Houston-Accent gepaart mit manchmal wilder Grammatik ist oftmals schwer zu verstehen. Glücklicherweise gibt es das Internet, und so kann man viele seiner erratischen Gedichte nachlesen und stellt fest: das ist ebenso Slam-Poetry wie Muhammed Alis Stanzen.

Wer Lightnin‘ Hopkins nicht kennen sollte: der Mann klingt vereinfacht gesagt wie John Lee Hooker mit einem Nuscheln. Wie Hooker war auch Hopkins ein elektrischer Bluesman der ersten Stunde, der in den Zeiten des Folk Revival wieder vermehrt akustisch spielte, weil es das Publikum verlangte. Ob akustisch oder elektrisch, sein Repertoire umfasste manche sogenannte «Talking Blues»-Titel, in denen der Küntler eine Geschichte erzählt. Beide Grossmeister sind übrigens auf dem Hopkins‘ Album It’s a Sin to Be Rich zu hören, auf dem sie gemeinsam Katie Mae einspielen (hier gibt’s das vollständige Lineup des Albums, auf dem neben John Lee Hooker auch andere bekannte Namen zu hören sind). Hopkins ist es gewohnt, alleine zu spielen, er hält sich wenig an die Form und zieht auch mal Songlinien über einen Takt zu weit. Und genau hierin liegt sein Genie. Wie Hooker ist Hopkins sofort als echter und origineller Bluesman zu erkennen. Seine Titel rollen dahin mit der Selbstverständlichkeit eines selbstsicheren und erfahrenen Meisters.

Doch wer schon im Alter von acht Jahren mit Blind Lemon Jefferson spielte (d.h. weniger diesen begleitete als abwechslungsweise mit ihm als Strassenjunge spielte), der kann sich wohl erfahren nennen. Nach ersten Erfahrung als Strasenmusiker etablierte sich Hopkins als lokale Grösse in Houston und nahm so Einfluss auf praktisch die gesamte Generation jüngerer Musiker wie Joe «Guitar» Hughes, Freddie King oder Albert Collins. Am deutlichsten ist die Vorbildfunktion meinen Ohren folgend in der Musik von Frankie Lee Sims (einem weiteren Cousin) auszumachen, der Hopkins stilistisch am nächsten kommt.

LightninHopkinsS-WDie jedoch nur musikalisch. Das Genie Lightnin‘ Hopkins erstreckt sich nämlich nicht nur auf die Musik, sondern erstreckt sich ebenso auf seine Texte, die er frei ausschmückte, und in denen er echte Geschichten erzählt. Unten ist der Text des eindrücklichen Songs Tim Moore’s Farm wiedergegeben, in dem Hopkins die Unterdrückung eines Schwarzen Farmarbeiters anklagt, dem sein weisser Farmbesitzer (oder Vorarbeiter) verbietet, sich um seine tote Frau zu kümmern. Sein Stil beschränkte sich übrigens nicht nur auf seine Musik und Texte, auch sein Auftreten war stets ausgesucht: praktisch auf jedem Bild hat er seine dunkle Sonnebrille uf, und seine Haare sind dem Stil der Zeit entsprechend geglättet und mit Mengen von Brilliantine zurückgekämmt.

Seine Texte waren nicht nur traurige Country Blues Titel, sie nahmen durchaus auch aktuelle Themen auf und klingen oft lebenslustig, etwa sein bekannter Titel Big Black Cadillac Blues, in dem er ein ganz anderes Lebensgefühl besingt, nämlich ein Hochgefühl, in seinem schwarzen Cadillac mit den weisswandigen Pneus herumzufahren. Er singt wenig Covers, etwa Tampa Reds Let Me Play With Your Poodle oder grosse Hits wie Baby Please Don’t Go, sondern er erfindet jederzeit seine eigenen Lieder. Speziell seine lyrische Qualität, gepaart mit der oftmals minimalistischen Darbietung von Gitarre und Gesang haben diese hypnotische Kraft, die der Blues entwickeln kann.

Wie andere Musiker auch hatte er relativen Erfolg auf dem Schwarzen Musikmarkt in den 1950er Jahren, ehe dann Rock’n’Roll kam und niemand mehr die alten Bluesmen hören wollte. Erst mit dem Folk Revival ging es wieder aufwärts. 1959 machte sich der Historiker Sam Charters auf, Hopkins zu finden, und in den 1960er Jahren feierte er Erfolge, die zuvor unmöglich gewesen waren. Herausragend hier vielleicht sein Auftritt in der Carnegie Hall am 14. Oktober 1960 neben Joan Baez und Pete Seeger (bezeichnenderseie spielte er aber keinen Blues sondern das Gospel-Stück Mary Don’t You Weep).

1967 gab es einen Kurzfilm von Les Blank mit dem Titel The Blues According to Lightnin‘ Hopkins, der sonderbarerweise auf Folkstreams nicht verfügbar ist, aber in diesem Youtube Video . Darin erzählt er im Verlauf einer halben Stunde über seine Sicht zum Leben und zum Blues. Wie viele andere Bluesmen wurde Lightnin‘ Hopkins das Rauchen und Trinken zum Verhängnis, er starb vor seinem 70sten Geburtstag an Lungenkrebs, hinterlässt aber ein reiches Oeuvre an Aufnahmen, von denen Lightnin‘ Stikes als akustisches Remake-Album zu empfehlen ist und It’s a Sin to Be Rich als Session-Aufnahme. Einen guten Überblick gibt auch das Sampler-Album Jackstropper Blues, auf dem leider viele Aufnahmen audiophile Wünsche unerfüllt lassen.

 

 

 

 

Tim Moore’s Farm

Yeah, you know it ain't but the one thing, you know
This black man done was wrong
Yeah, you know it ain't but the one thing, you know
This black man done was wrong
Yes, you know I moved my wife and family down
On Mr.Tim Moore's farm
 
Yeah, you know Mr.Tim Moore's a man
He don't never stand and grin
He just said, "Keep out of the graveyard, I'll save you from the pen" 
You know, soon in the morning, he'll give you scrambled eggs
Yes, but he's liable to call you so soon
You'll catch a mule by his hind legs
 
Yes, you know I got a telegram this morning, boy
It read, it say, "Your wife is dead"
I show it to Mr.Moore, he said, "Go ahead, nigger
You know you got to plow old Red"
 
That white man says, "It's been raining, yes, and I'm way behind
I may let you bury that woman, one of these old dinner times"
I told him, "No, Mr.Moore, somebody's got to go"
He says, "If you ain't able to plow, Sam
Stay up there and grab your hoe"

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