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Er brachte Frankreich den Rock’n’Roll

Johnny hallyday 2003Sein Bühnenname klang unglaublich erfunden, besonders in Frankreich und zu einer Zeit, als das Englische noch nicht jeden Winkel in Europa erobert hatte. Dabei war es Lee Hallyday, der Mann seiner Cousine, der den als Jean-Philippe Smet geborenen Künstler Johnny nannte. Später übernahm dieser auch den Nachnamen seines Schwippcousins. Erst Bürgerschreck entwickelte er sich zum nationalen Kulturgut, das man nur noch «Johnny» nannte. Am 6. Dezember 2017 ist Johnny Hallyday im Alter von 74 Jahren gestorben.

Als in den späten Fünfzigerjahren die amerikanische Rockmusik in Europa auftauchte, wurde sie von der Jugend mit Begeisterung empfangen, stiess aber in der Elterngeneration überwiegend auf Ablehnung. Die Musik wurde als simpel, vulgär und vor allem als zu laut empfunden und ihre Protagonisten als provokativ und unmoralisch eingestuft. Trotzdem gab es in allen Europäischen Ländern mutige Halbwüchsige, die den Musikstil und die äussere Erscheinung übernahmen. Meistens war es diejenige von Elvis und die Imitation beschränkte sich auf die Frisur und das Hüftwackeln. Die meisten davon hatten zuwenig musikalische Substanz und verschwanden nach mehr oder weniger kurzer Zeit in der Bedeutungslosigkeit, oder passten sich der Beliebigkeit der Musikindustrie an – oder beides. Johnny Hallyday gehörte zu den erfolgreichen, welche dieser Musik in Frankreich und damit in Europa die Tore öffnete.

Frankreich hatte mit seiner tief verwurzelten Chanson-Tradition seine eigene Popkultur, da hatten es Einflüsse von aussen besonders schwer. Johnny Hallyday gelang es jedoch, «einen Teil Amerikas in unser nationales Panthéon hinein zu bringen», wie sich der Élysée-Palast ausdrückte. Er wuchs weit über das Imitieren hinaus und vereinte Chanson und Rock’n’Roll und schuf so die Basis für eine ungewöhnlich erfolgreiche Karriere, in der er Konzerte mit bis zu 600'000 Zuschauern auf die Beine stellte.

Äusserlich blieb er dem Image als Rocker treu, mit allen Attributen: Lederjacke, Harley Davidson, Drogen und grosse Schnauze, sowie ein auffälliges Privatleben. Seine 15 Jahre dauernde Ehe mit dem damaligen weiblichen Teenageridol Sylvie Vartan förderte seine Popularität und irgendwann wurde er so etwas wie Johnny National, der über drei Generationen von allen akzeptiert und geliebt wurde. Bis zuletzt füllte er locker die grössten Hallen.

Er schrieb diverse Chansons und war auch als Komponist von Filmmusik erfolgreich. Er wirkte auch in 40 Filmen mit, zum ersten Mal als Jugendlicher in Les Diaboliques, später in diversen Spaghetti Western. 2011 wagte er sich sogar auf die Theaterbühne und spielte in einem Tennessee Williams Stück die Hauptrolle. Anfangs 2017 informierte er die Öffentlichkeit über seinen Lungenkrebs, dem er nun, am 6. Dezember 2017 erlag.

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