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Der Untote

Er hat nur drei Alben bis zu seinem vorzeitigen Tod im Alter von 27 aufgenommen, aber vor einem halben Jahr war seine jüngste Veröffentlichung auf  Platz 2 der US-Rock Charts und 4 der Billboard Charts. Er wird als Pionier und psychedelischer Rockmusiker verehrt, aber seine Musik wurzelt tief im Blues. Jimi Hendrix ist die ultimative Ikone der Rockmusik: seine Klamotten und Bühnenshow, sein Gitarrenmodell, die verwendeten Effektgeräte, sein Repertoire, aber vor allem sein Sound wurden stilprägend für das Genre. Aber hinter all der Heldenverehrung vergisst man zu oft, dass Hendrix ein scheuer Mann war, der wohl viel lieber in seinem Studio an neuen Aufnahmen gearbeitet hätte als seine Gitarre mit Benzin zu übergiessen und anzuzünden.

Jimi Hendrix’ Todestag jährt sich am 18. September zum vierzigsten Mal. Es war 1970, als Hendrix nach einer zu reichlich bemessenen Dosis des Beruhigungsmittels Verperax in London in seinem Schlaf erbrechen musste und daran dann erstickte. Hendrix war Haschisch, LSD und auch Heroin nicht abgeneigt, aber sein Tod kam nicht von einer Überdosis einer verbotenen Substanz. Er war trotzdem der erste Drogentote der Rockmusik, und kurz darauf starb Janis Joplin (4. Oktober 1970). Am 3. Juli 1971 kam dann noch Doors-Sänger Jim Morrison dazu. Manche sagen, mit dem Tod Hendrix’ endeten auch die 60er Jahre.

Hendrix, der mit vollem Namen James Marshall Hendrix hiess, wurde am 27.11.1942 in Seattle geboren. Er galt – und gilt – als der wichtigste und einflussreichste Gitarrist der Rockgeschichte, ein Platz dem ihm höchstens Eric Clapton streitig machen könnte, der grosse Überlebende. Hendrix war die Grundlage für Jimmy Page und den Sound von Led Zeppelin, seine Musik war die Grundlage von Stevie Ray Vaughans Explorationen in den Blues. Sein Einfluss bezieht sich wie oben angetönt, nicht nur auf seinen Sound: Marshall-Verstärker (ob er den wohl wegen seinem mittleren Namen gewählt hat?) und Fender Stratocaster sowie starker Einsatz des Wah-Wah-Pedal waren die technischen Komponenten, aber was Hendrix ausmacht ist, dass er die elektrische Gitarre als das «erfunden» hat, was sie seither ist: das auffälligste Instrument der Rockmusik. Während Charlie Christian erstmals den Ton elektrisch abnahm und Les Paul die Solidbody-Gitarre erfand, hat Jimi Hendrix gezeigt, wozu man das Instrument auch noch brauchen kann. In seinen Händen begann die Strat zu singen, zu quietschen und zu stöhnen. Sie wurde zum Werkzeug, mit dem Hendrix sein Herz und seine Seele nach aussen kehrte. Denn der Rockmusiker macht keine Performance, er lebt was er spielt und fühlt was er singt, das ist der Mythos.

Diese Haltung, die den Sängern der 50er Jahre wie Nat «King» Cole und Frank Sinatra ebenso fern war wie den Jazz-Grössen Duke Ellington oder Count Basie findet sich aber auch im Blues. Bekanntlich wird bis heute von manchen Leuten die Mär aufrecht erhalten, dass man zum Bluesspielen auf den Baumwollfeldern gearbeitet haben muss, und so besteht der Anspruch der Authentizität an den Bluesman stärker als an Musiker anderer Genres, sei es Oper, Schlager oder Jazz. Jimi Hendrix war vertraut mit der Bluestradition, wie er nicht nur in seinen Coverversionen von Bluesklassikern zeigt (etwa auf der wunderbaren CD Blues), sondern auch in einer bekannten Eigenkomposition: Red House Blues. Und Hendrix brachte die Haltung des Bluesman ein: Fühle, was Du spielst!

Freilich gab er dieser Haltung eine neue Richtung, denn sein so zum Ausdruck gebrachtes Gefühl war nun nicht mehr jenes des traurigen Blues eines lebenslang Geknechteten. Hendrix spiegelte in seiner Musik die gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit: Vietnam-Krieg, Bürgerrechts-Bewegung, Sexuelle Revolution statt Lynchjustiz, Sharecropper-Existenz und die notorische Untreue. Damit half er entscheidend mit, die Rock-Musik und ihren zugehörigen Lebensstil zu definieren. Er inszenierte sich auf der Bühne als Genie-und-Wahnsinn, und deshalb schuldete er die brennende Gitarre und die Hippie-Klamotten seinem Image.

Aber hinter den Schlag-Hosen, hinter den farbigen Tüchern und den Fransen, sozusagen hinter der Ikone Jimi Hendrix ist es manchmal schwer, den technisch herausragenden Gitarristen mit den langen schlanken Fingern zu sehen, den scheuen Tontüftler, der sich zum Schluss seines Lebens den Traum erfüllt hatte, ein eigenes Studio zu besitzen. Hendrix hatte sich in Manhattan das Studio «Electric Lady» gekauft und eingerichtet, und hier sollte neue Musik entstehen. Hendrix sagte 1969 in einem Interview mit Rolling Stone: «I don’t want to be a clown anymore, I don’t want to be a Rock’n’Roll Star». Das Schicksal wollte es anders. . .

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