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Die ewige Rose

Vor 40 Jahren starb mit Janis Joplin die ultimative weisse Bluessängerin und der Archetyp der Hippiefrau. Sie wurde zur Ikone der Gegenbewegung wie eine Marilyn Monroe der Woodstock-Zeit und sie begeistert bis heute mit ihrer Gewaltsstimme. Doch ihr Einfluss reichte über den Blues hinaus. Joplin wurde zugleich zur Wegbereiterin des Gesangstyps «Rockröhre» und damit scheint es legitim zu behaupten, ohne Janis Joplin hätte es keine Gianna Nannini gegeben, keine Bonnie Tyler und keine Suzie Quatro, keine Courtney Love oder Joan Jet. Leider eiferte sie ihrem Vorbild Bessie Smith zu sehr nach, und starb wie diese einen zu frühen Tod.

Janis Lyn Joplin (19.1.1943–4.10.1970) entstammte einer Familie eines texanischen Ölarbeiters. Sie wurde in Texas geboren und wuchs dort als älteste Tochter einer Sekretärin auf, die selbst eine Gesangsaubildung abgebrochen hatte. Sie begann als Kind zu singen und entdeckte schon früh den Blues für sich. Mit 15 Jahren hatte sie ihren ersten Auftritt. Für die weitere Biographie der «Rose» verweisen wir auf die ausgezeichnete Website von Dieter Wunderlich, um uns hier auf den musikalischen Einfluss zu konzentrieren. Was macht es aus, dass Janis Joplin bis heute unvergessen ist, wenn auch natürlich nicht in dem Masse wie Elvis Presley, Hendrix oder die Beatles.

Das Besondere an Janis Joplin ist vielleicht, dass ihre Aufnahmen bis heute nichts von der erdigen Urmutter-Kraft verloren haben. Ihre Songs gehen jedes Mal direkt ins Herz. Kommt hinzu, dass sie im Gegensatz zu älteren Bluessängerinnen wie Ma Rainey, Bessie Smith oder Billie Holiday in Stereo und mit gutem Equipment aufgenommen wurde, und dass sie sich so auch aufgrund der besseren Vermittlung immer wieder neuen Hörerinnen und Hörern erschliesst. Wer immer Piece of My Heart hört, kann sich dieser mächtigen Stimme nicht entziehen. 

Joplin machte alles, was eine Hippiefrau zu tun hatte: Trip nach Kathmandu, selbst bemaltes Auto, unzählige Bilder erzählen von ihrer Modevorliebe für farbige Brillen, Bänder und Reifen, und wenn diese vielleicht auch anderes überdecken sollten wie die Einstichnarben der Heroinspritze oder rote Augäpfel, Joplin war stilbildend für den Typus der Hippiefrau. Bei all dieser Stärke, der kräftigen Stimme und der ausschweifenden Bühnenshow schien sie stets verletzlich, zart und unsicher, und weil ihre Stärke so grenznah an der Verzweiflung zu sein schien, war Joplin auch ein ideales Sexsymbol für die Zeit. 

Sie war auch ein Model für ungezügelten Drogenkonsum. Fast ironisch mutet ein Satz an, der in Joplin Biographie in der Wikipedia zu lesen steht: «Um von ihrer Sucht nach Alkohol, Aufputschmitteln und anderen Drogen loszukommen, plante Joplin einen Urlaub in Südamerika und reiste zum Karneval nach Rio de Janeiro.» Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass das vielleicht nicht die erfolgversprechendste Methode ist, sich an den Karneval von Rio zu verkrümeln, aber 1970 scheint das ein Plan gewesen zu sein. 

Aus der Sicht eines Blues-Liebhabers gesehen war Joplin gemeinsam mit Jimi Hendrix die Person, die in den USA dem alten Blues neue Popularität verschaffte. Wie die jungen englischen Musiker der «British Invasion» hörte Joplin sich die alten Aufnahmen von Bessie Smith an und all der anderen Frauen, aber auch den elektrischen Blues, der aus Chicago kam. Damit lenkte die Aufmerksamkeit auf die Frauen des Blues wie eben Smith oder Big Mama Thornton (der Autorin von Ball and Chain)oder Erma Franklin (Piece of My Heart) 

Und während die College-Musikszene den Blues als die hübsche, aber letzten Endes harmlose Musik von Mississippi John Hurt und Reverend Gary Davis rezipierte, zeigten Hendrix und Janis Joplin, die dem Blues Idiom treuer blieb, dass der Blues zuerst Blut und Schweiss und Tränen bedeutet, und erst in zweiter Linie die himmlische Vergebung in Avalon. 

Und neben all dem anderen ist aus den Texten immer wieder offensichtlich, dass Janis Joplin eine Frau mit viel Humor war: Mercedes Benz ist ein zeitloses Stossgebet für alle, die arm sind, und die gerne einmal auftrumpfen würden und den dicken Max raushängen wollen. Ihr Blues ist zumeist kein verzweifeltes Klagen (Ball and Chain als Ausnahme), es ist eine lustvolle Feier des Ausschweifenden, des Entgrenzten, und damit bleibt Janis Joplin auch heute wichtig, 40 Jahre nach ihrem absurd frühen Drogentod mit 27 Jahren, weil sie dem rationalen Kopf den brüllenden Bauch der Bluessängerin entgegenhielt, weil sie gezeigt hat, dass, um es aktuell auszudrücken, gute Mädchen vielleicht in den Himmel kommen, die bösen aber überall hin.

 

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