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 Blaublüter-Blues

Aus Wales kommt ein neuer Stern am Britischen Blues-Gitarristenhimmel: Todd Sharpville meldet sich nach längerer Abstinenz aus dem Geschäft mit einer neuen CD wieder zurück. Und das Doppelalbum Porchlight lässt aufhorchen, denn Todd Sharpville ist ganz grosse Klasse: Eine Stimme wie Chris Rea und ein sehr erfahrenes feines Händchen an der Gitarre. Todd Sharpville hat das Potential, in die oberste Liga europäischer Blues-Gitarristen aufzusteigen. Hoffentlich ist Sharpville bald auch in der Schweiz zu hören.

Der Waliser Todd Sharpville ist adliger Abstammung. Sein Bruder Rhodri Philipps ist laut Wikipedia der vierte Viscount St Davids (ein Viscount ist ein «Burggraf» und steht zwischen Baron und Graf) und im Moment ist Sharpville der einzige Thronfolger. Ebenfalls erbberechtigt ist er für vier weitere Adelstitel, die zwar erfunden klingen, sich aber bestätigen liessen: Baron Strange Of Knockin, Baron Hungerford, Baron de Moleyns, und der Baronenschaft von Picton Castle.

Trotz seiner Abstammung kennt er aber den Blues, wie er der Zeitschrift Gitarre & Bass in der Januar-Ausgabe verriet: seine Abwesenheit aus dem Musikgeschäft seit dem letzten Album, The Meaning Of Life im Jahr 2001 begründet Sharpville freimütig mit dem Tod seines Vaters und einer «melodramatischen» Scheidung. Aber auch davor liess er sich jeweils Zeit: Sein erstes Album Touch Of Your Love stammt von 1994. Das Album wurde damals bereits als «Best Album» des Jahres mit dem British Blues Connection Award ausgezeichnet. 2006 erschien seine jüngste Arbeit, die Produktion und Gitarrenparts auf Albert Hammonds Revolution Of The Heart.

Das neue Album Porchlight verarbeitet viele dieser Erfahrungen: 14 selbst geschriebene Stücke, ein sehr ungewöhnliches Cover (If that Ain’t Love What Is? Von Shel Silverstein, einem genialen Komponist der 70er Jahre mit Hits für Dr. Hook und andere) sind die clevere Auswahl auf dem Doppelalbum, das allerdings Vinyl-Doppellänge hat: gute 80 Minuten für zwei CDs. Die Musik darauf variiert von Shuffle- und Harmonika-Blues über blues-basierte Balladen bis zu Rockstücken. Seine Musik kann man einordnen zwischen Eric Clapton (der 80er und 80er Jahre) und Chris Rea.Wie dieser hat Todd Sharpville eine Wahnsinnsstimme, rauchig, aber dort zart, für Schmuseballaden wie für rockige Kracher geeignet.

Und so legt Sharpville hier ein wirklich in sich geschlossenes und stimmiges Album vor (Hörbeispiele gibt es auf seiner Myspace-Seite) wo seine eigenen gut gereiften Songs mit engagierten Texten den Blues der modernen Zeit besingen. In mehreren Stücken etwa thematisiert er die Ängste und Verzweiflung eines Mannes, der sich bei der Trennung damit konfrontiert sieht, seine Kinder nur noch sehr selten sehen zu können. Ein Thema, das ja auch Schweizer Männer unlängst wieder im Justizdepartement vorgebracht haben. Auch die anderen Stücke haben gute Texte, moderner Blues im Vintage-Kleid zeitloser Musik.

Todd wird auf Porchlight unterstützt von Joe Louis Walker und Duke Robillard sowie dem Harp-Spieler Kim Wilson, die für einen oder mehrere Song ihre Künste beitragen, ansonsten spielt Sharpville in der Quartett-Formation Bass (Jessie Williams), Schlagzeug/Perkussion (Mark Teixeira) und Piano/Orgel (Bruce Bears). Auf Busted in Pieces kommt noch ein Saxophon hinzu. Er selbst spielt auf praktisch allen Stücken eine 1957er Stratocaster, die er einst Eric Johnson abkaufte. Neben einem akustischen Song (Legacy of Greed) ist er auf noch mit einer 1972er Telecaster Thinline mit Humbuckern zu hören.

Auch seine Verstärker sind von Fender, und weil der Mann auf Effekte verzichtet dürfte sein Gitarrenklang hinreichend bekannt sein: Magic Sam, Joe Louis Walker, Chris Rea sind hier die Vorbilder: viele Licks beginnen mit einem von oben oder unten her geschobenem Akkord und einigen perlenden Einzelnoten. Das ist der zeitlose Strat-Bluessound, perfekt ausgeführt. Der Mann kennt die grossen Vorbilder B.B. King, Albert King, Albert Collins, T-Bone Walker, Lightnin’ Hopkins, wenn er auch nicht in deren Stil spielt, so doch mit ihrer Intensität (der Titel Misery etwa).

Todd hat schon mit allem im Blues-Adel gespielt, was Rang und Namen hat: Robbie Williams, Van Morrison, Peter Green, George Michael, Taj Mahal, Albert Collins, Georgie Fame, Kim Wilson, Joe Louis Walker, Tommy Castro, Brian May, und sogar den wieder erstandenen Yardbirds. Er hat die Kontakte, er hat die Stimme und den Gitarrensound, er hat die Erfahrung und als Britischer Adliger möglicherweise eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit, da gibt es eigentlich keinen Grund, weshalb man in Zukunft nicht mehr von Todd Sharpville hören sollte. Zu begrüssen wäre es auf jeden Fall, da ist richtig Potenzial vorhanden, wie Porchlight schon mal eindrücklich zeigt. Für zukünftige Konzertdaten solle man seine Homepage im Auge behalten, aber fürs erst ist die CD ein wahrer Genuss.

 

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