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Der Bluesman aus Oldenburg
BlindLemonRecordsLogoSänger und Gitarrist Thomas Schleiken spielt akustische Gitarrenmusik aus dem Bereich Rootsmusic seit vielen Jahren, wie man sofort erkennt, wenn man seine Musik hört. Nun aber hat er den nächsten Schritt gemacht, und ein eigenes Label gegründet, wo er erlesene akustische Musik verlegt, darunter seine eigene. Sein Label heisst «Blind Lemon Records», ein Hinweis auf die Verwehrung von Texas Bluesman «Blind» Lemon Jefferson (1893-1929). Nun liegen uns die ersten vier Werke seines Katalogs vor, und die Aufnahmen zeigen, dass Schleiken nicht nur eine Ahnung von der Musik hat, sondern auch ein geübtes Ohr für Andere, und deshalb sind seine ersten Veröffentlichungen allesamt ungewöhnlich gute Aufnahmen von hoher Virtuosität im Gitarrenspiel und ansprechendem Gesang. Die CDs enthalten teilweise grossartige und mitreissende Aufnahmen, sprühend vor Kreativität und Spielfreude, in denen die vier Künstler David Evans, Tom Shaka und Alwin Schönberger sehr unterschiedliche Aspekte des akustischen Blues zeigen. Schliesslich gibt es noch Thomas Schleikens eigene Veröffentlichung Beech Mountain Hill. Hier zeigt er sich als wahrer und getreulicher Schüler Mississippi John Hurts, in dessen Stil er schlicht perfekt Gitarre spielt.

Die vier CDs enthalten insgesamt 57 Titel, und sie zählen mit zum Besten, was ich im Bereich akustischem Blues in den letzten Jahren gehört habe. Eigentlich sollte man sich als Bluesfan diese Aufnahmen alle anschaffen, denn jeder dieser Musiker hat seine eigene und unverwechselbare Ausdrucksweise, jede CD feiert für sich die Lebendigkeit der Amerikanischen Musiktradition und es wird wieder einmal offenkundig, wie elektrisierend der Blues über Zeit und Raum hinweg ist. Thomas Schleiken, David Evans, Tom Shaka und Alwin Schönberger spielen die Musik ihres Herzens, indem sie Titel des 20. Jahrhunderts interpretieren oder Eigenkompositionen und die Aufnahmen bestechen durch die Intimität der Aufnahme, was insbesondere für die beiden Live-Aufnahmen bemerkenswert ist. Die Aufnahmen sind auf allen Alben bestechend gut, klar und detailreich. David Evans und Tom Shaka sind amerikanische Blues-Veteranen, die eine beachtliche Erfahrung vorweisen, und hier dennoch mit neuer Frische spielen. Alwin Schönberger ist ein österreichischer Fingerpicker aus Wien, Thomas Schleiken stammt aus Norddeutschland und lebt heute in Oldenburg am nördlichen Ende der Lüneburger Heide.

/images/stories/STU/ThomasSchleikenBeechMountainHillCover.jpgSchleiken selbst ist dabei der stilistisch vielseitigste, er spielt Countrytitel (Further On Up the Road), Gospel (Will the Circle Be Unbroken, Blessed Be The Name, Praying On The Old Camp Ground) und Blues (From Four Till Late). Sein Gitarrenspiel emuliert in der Tat den grossen Mississippi John Hurt, von dem Schleiken nicht nur das Picking übernommen hat, sondern auch die Freude an spirituellen Titeln. Wie Hurt hat auch der Bluesman aus Oldenburg keine Berührungsängste mit dem christlich-spirituellen Liedgut, jedoch bleibt der Song im Vordergrund und die Botschaft schwingt höchstens mit. Und doch ist eindeutig, dass es ihm auch um die Schönheit der Liedtexte geht. So ist seine Fassung von When the Saints Go Marching In (zu dem er im CD Booklet nur schreibt: «No further explanation needed») eine sehr persönlich Neuinterpretation. Berührend ist auch der selbst verfasste Titel Deepwater Horizon, in dem die Ölkatastrophe in Golf thematisiert wird.


Ebenso virtuos Gitarre zu spielen wie der einzigartige Mississippi John Hurt ist das eine, aber wie steht es mit dessen unverwechselbarem Gesang? Der lässt sich nicht kopieren, aber das ist auch nicht nötig. Schleikens Gesang ist mit hörbarem deutschen Akzent, besticht aber durch emotionale Tiefe, den Titeln sehr dienlich. Thomas Schleiken hat eine rauhe Stimme, tief und mit dem lieblichen Fingerpicking scheinbar im Widerspruch stehend, aber gerade deshalb so gut zusammenpassend.




 

Tom Shaka ist ein Schüler von Louisiana Red und er tourte wiederholt mit David «Honeyboy» Edwards. Entsprechend bewegend ist, wie er im Titel Mighty Powerful Wisdom seine Freundschaft zu David «Honeyboy» Edwards besingt. Shaka lebt mittlerweile in Deutschland und zeigt hier mit grosser Sicherheit, was er in den Jahrzehnten so gelernt hat: Delta Blues in der rauen Fassung eines Mississippi Fred McDowell oder Bukka White, R.L. Burnside klingt auch immer wieder durch. Seine 20 Songs beinhalten viele selbst geschriebene Titel, darunter das bemerkenswerten Instrumental Ukulele Breakdown. Wann hat man sonst schonmal ein Ukulelensolo, und dann noch so toll gespielt. Goin‘ Down The River ist eine seiner Eigenkomposition, sehr rau und wild, Louisiana Red wäre stolz auf ihn. Neben der Ukulele spielt Shaka normalerweise aber eine Resonatorgitarre, die er mit einem der bei Vintage-Liebhabern so populären Blade Pickups (im Stil von Charlie Christian) ausgestattet hat. Dazu spielt er dieses raue Slide, ursprünglich und bauchig. Tom Shakas Stimme passt, die Bühnenerfahrung und die Jahre haben ihre Patina auf die Stimme gelegt und sie veredelt. Shaka legt Wert darauf, dass dies «Field Recordings» seien, keine perfekte Studioarbeit, aber der Real Deal. Diesen Anspruch legt er in jede Note.

 

David Evans ist da viel intellektueller. Seine Auffassung vom Real Deal sind die Klassiker, und so spielt Evans ebenfalls reinsten traditionellen Delta-Blues, aber mit dem Anspruch, nur Titel der 1920er und 30er Jahre zu spielen. Sein Begleitung baut seltener auf Slide-Spiel als bei Tom Shaka, sondern wie Robert Johnson, Big Bill Boonzy oder Robert Lockwood Jr. ist sein Blues zumeist die akustische Gitarre mit rhythmischer Anschlagstechnik und vielschichtigen Riffs. Thommy Johnson Lonesome Home Blues ist ein wunderbares Beispiel hiervon. Seine Slide-Titel wie Long Distance Call sind reiner Robert Johnson. Einfach nur wunderschön. David Evans braucht sich nicht vor dem Vergleich mit Peter Green zu scheuen, wenn auch seine Versionen insgesamt musealer sind. Er spielt in überzeugender Weise Fassungen von Klassikern wie Ramblin’ On My Mind oder Good Morning Little Schoolgirl. Nach über 50 Jahren Bühnenerfahrung spielte er dieses Album 2012 in der «Alten Post» im Norddeutschen Sandhatten ein, und vielleicht wurde dies das perfekte Konzert. Eine erstaunliche Aufnahme, die dieses Delta-Feeling verbreitet.


 

Der Wiener Alwin Schönberger spielt wie David Evans alle Titel solo, hier aufgenommen anlässlich eines Auftritts im «ORF Kulturcafé» im Jahr 2011. Sein Blues ist ganz akustische Wärme einer Dreadnaught-Gitarre, vergleichbar Buddy Guys akustischen Aufnahmen, Brownie McGhee oder Eric Claptons Unplugged-Titeln. Schönberger spielt ebenso virtuos wie Schleiken, aber nicht diesen lieblichen Fingerstyle, sondern konventionellere Bluespatterns mit Daumenbegleitung. An einer Stelle sagt er selbst, man solle diese Titel nicht zu kompliziert spielen. An den Aufnahmen sticht so auch der Groove heraus, denn die Arrangements bleiben trotz Soloauftritt sparsam, die Betonung gilt dem Rhythmus. Schönbergers Gesang ist durchaus noch ausbaufähig, in seinen Songs gilt der Gitarre die hauptsächliche Beachtung. Seine Titel sind mit einer Ausnahme (When I First Met The Blues) allesamt Traditionals wie Deep River Blues, Railroad Bill oder Stagolee. Seine Fassung dieses Titels und auch Fishin‘ Blues sind deutliche Hinweise, dass Schönberger auch Taj Mahals Stil sehr gut wiedergibt. Ein vielseitiger und berückend virtuoser Musiker.

Die vier Alben, die Thomas Schleiken aufgenommen und verlegt hat, zeigen die Spielarten des akustischen Blues wie ein Kaleidoskop, die CDs selbst sind schön hergestellt, im Stil einer alten Single-Schellack-Platte, die Booklets sind informativ und enthalten wirkliche Informationen. Die Liebe zum Detail, die Schleiken in seiner Musik anklingen lässt, hat ihn auch als Verleger von akustischem Blues in Deutschland sofort zu einer ersten Adresse werden lassen. Im Oktober wird «Blind Lemon Records» als Veranstalter auftreten und den «Akustik-Blues-Herbst» ausrichten. Dazu veranstalten sie auch die Reihe «Blues am Meer». Weitere Aktivitäten sind in Vorbereitung. Vielleicht ist einer der Musiker auch einmal in Süddeutschland oder der Schweiz live zu sehen.

Hoffen wir, dass «Blind Lemon Records» ein prosperierendes Label werden wird. Angekündigt sind auf der Website schon Alben vom Trevor Hansbury Duo und Peter Funk. In Zeiten des Musikdownloads ein solches Label zu gründen bezeugt Mut und die Überzeugung, dass Qualität sich durchsetzen wird. Und diese vier Veröffentlichungen zeigen, wieso es sich lohnt, Thomas Schleikens Traum vom Blueslabel zu unterstützen. Die Alben sind für den ausgesprochen günstigen Preis von €15.- pro Stück direkt auf der Website des Verlags zu bestellen.

Thomas Schleiken Beech Mountain Hill (2012)
Thomas Schleiken Gitarre, Gesang
Thomas Freund Harmonica
 1. Praying On The Old Camp Ground
 2. Beech Mountain Hill
 3. There’s A Table Sittin’ In Heaven
 4. From Four Until Late
 5. Deepwater Horizon
 6. When The Saints Go Marching In
 7. Blessed Be The Name
 8. Sliding Delta
 9. Northwest
10. Will The Circle Be Unbroken
11. Further On Up The Road 
           
 
Tom Shaka Delta Thunder (2012)
Tom Shaka Gesang, Gitarren
David Evans Gitarre (Tracks 10, 11, 20)
Keith Dunn Harmonica (Track 14)
1. Tom’s Barrelhouse Boogie
 2. Gamblin’ Man
 3. Babyface
 4. Lemon Squeezer Blues
 5. Ramblin’ On My Mind
 6. Goin’ Down To The River
 7. Delta Thunder
 8. Mighty Powerful Wisdom
 9. Tough Times
10. M & O Blues
11. Young And Wild Blues
12. Walk Right In
13. Ukulele Breakdown
14. He Came From Behind The Sun
15. Country Boy
16. Malaguena
17. They Don’t Understand These Blues
18. 61 Highway Blues
19. New World Order Blues
20. Drinkin’ & Stinkin’
           
           
David Evans Live At Alte Post (2013)
 1. One Dime Blues
 2. Match Box Blues
 3. Highway 51
 4. Candy Man
 5. State Of Arkansas Blues
 6. Good Morning Little Schoolgirl
 7. Kind Hearted Woman Blues
 8. Long Distance Call
 9. Big Road Blues
10. Poor Boy Long Way From Home
11. Hard Workin’ Man
12. Mellow Peaches
13. Lonesome Home Blues (Bonustrack)
           
           
Alwin Schönberger The Fingerstyle File (2013)
 1. Saturday Night Shuffle
 2. Hesitation Blues
 3. Wine spo-dee o-dee
 4. Railroad Bill
 5. My starter won’t start
 6. Fishin’ Blues
 7. Bad Boy
 8. Deep River Blues
 9. Sugar Mama Blues
10. Stagolee
11. Low down dirty shame
12. When I first met the Blues
13. My Creole Belle/Ain’t nobody’s business
 
 

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