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Mr Jazz Festival

Wie wir bereits berichtet hatten, gab es gesundheitliche Probleme bei Claude Nobs in Folge einer Operation am Universitätskrankenhaus Lausanne. Als Folge eines Skiunfalls an Heiligabend musste Nobs operiert werden. Der Gründer des «Montreux Jazz Festivals» ist in ein Koma gerutscht und wie nun bekannt wurde, ist Claude Nobs inzwischen verstorben.Ein Rückblick auf sein ereignisreiches Leben.

Claude Nobs wird in den Annalen der Schweiz einen speziellen Platz einnehmen, denn er hat sich um die Musik des 20. Jahrhunderts in einer Art und Weise verdient gemacht, die auf ihre Weise nachhaltiger und tiefergehend ist als die von Schweizer Musikern, selbst von grossen Namen wie Teddy Stauffer oder Hazy Osterwald. Claude Nobs hat durch die Organisation von Tausenden von Konzerten Blues, Rock und Jazzmusik in der Schweiz bekannt gemacht, er hat die Schweiz auf die Landkarte gesetzt und gleichzeitig den Schweizern diese Musik näher gebracht, die er so liebte. Claude Nobs war zudem ein technischer Pionier, der am Festival mit Aufnahmen in HD-Qualität arbeitete, als dieses Wort noch kaum jemandem bekannt war.

Claude Nobs (4. Februar 1936 – 10. Januar 2013) machte zunächst eine Ausbildung als Koch, wechselte dann aber bald ins Fremdenverkehrsbüro der Stadt Montreux, in dem er arbeitete und zu dessen stellvertretendem Direktor er aufstieg. Auf einer Geschäftsreise nach New York besucht er auf eigene Faust Ahmet Ertegün, den Präsidenten des angesagtesten Plattenlabels «Atlantic Records». 1964 organisierte er das erste ausländische Konzert einer Band aus England mit dem Namen The Rolling Stones. Undauch seine Schöpfung des Jazz Festivals ist wohl im Kontext seiner Arbeit als Tourismus-Promoter für das obere Genferseeufer zu sehen. In dieser Eigenschaft nämlich rief er schliesslich 1967 das Festival ins Leben.

Diese erlaubte es ihm, seine Liebe zur Musik zur Hauptbeschäftigung zu machen und das Schweizer Volk mit Musik zu beglücken – und gleichzeitig Montreux von einem schönen Städtchen an der Genfersee - Riviera in ein Mekka für Jazz- und Bluesfans zu verwandeln. Primäres Vehikel hierfür war natürlich das von ihm ins Leben gerufene und während Jahrzehnten geleitete Jazz Festival in Montreux, heute das grösste Festival in Europa und nach demjenigen von Montreal (das es allerdings erst seit 1980 gibt) die Nummer zwei auf der Welt. Das Montreux Jazz Festival dauerte in der ersten Ausgabe gerade mal drei Tage. Heute sind es 16 Tage, die man im Kalender anstreichen muss, wenn man alles sehen will, und in der grössten Dauer 1977 waren es sogar 23 Tage. Die Jubiläumsausgabe zum 25jährigen dauerte 1991 auch noch 20 Tage.

Es ergibt keinen Sinn, hier die Geschichte des Festivals mit allen Einzelheiten aufzuzählen, dafür gibt es schöne andere Adressen im Netz, etwa die ausgezeichnete Website des Festivals, die einen hübschen historischen Überblick mit Abbildungen aller Poster gibt (auch auf englisch). Wer lieber einen kürzeren Abriss liest, und zudem eine sehr reiche Liste der Musiker sucht, die dort spielten, sollte sich die liebevoll gemachte Seite des Schlosses Chillon nicht entgehen lassen.

Am Jazz Festival spielten schlicht alle namhaften Musiker der Rock-, Pop-, Blues und Jazzwelt, eine nicht vollständige Liste gibt es auf dieser nacherzählt wird, wo bekanntlich auch Claude Nobs persönlich namentlich wird. 1975 wurde das neue Kasino eröffnet und seit 1993 findet das Festival auch in Tagungszentrum statt mit den beiden Bühnen «Stravinsky Auditorium» und «Miles Davis Hall». Seit 2007 sind dies die Hauptbühnen dieses einzigartigen Festivals und eines Schweizer Kulturanlasses allererster Güte.

Zu einer Zeitpunkt, da das Schweizer Fernsehen noch Aufnahmebänder sparte, indem sie Aufnahmen des Jazz Festivals wieder löschte, war Nobs bereits klar, welch unermesslicher Schatz da in seinen Archiven ruhte, also liess er die Aufnahmen zurückkaufen und kümmerte sich zukünftig selbst um die Video- und Audio-Aufnahmen des Festivals. Waren die Veröffentlichung von Langspielplatten mit Live-Mitschnitten schon lange erfolgreich (Monty Alexanders Live in Montreux beispielsweise war ein riesiger Erfolg), so sind es inzwischen auch die Videoaufnahmen. Heute gibt Youtube 41‘000 Treffer, wenn man «Live in Montreux» als Suchbegriff eingibt. Selbst «live at montreux full concert» ergibt noch knapp 1000 Hits! Und weil er konsequent auf die beste Technik gesetzt hat, ist das Festival im Besitz von hunderten von Stunden Konzertmaterial, das in bester Qualität aufgenommen wurde und einen Wert darstellt, welcher den finanziellen Fortbestand des Montreux Jazz Festival noch über Jahrzehnte sichern wird.

Nobs schaffte es durch sein Charisma und seine einnehmende Persönlichkeit, über Jahrzehnte gute Beziehungen zu Musikern unterhalten, die deshalb auch sehr gerne nach Montreux kommen. B. B. King, der in der Stadt eine eigene Büste hat, war bereits 19 Mal hier, Nobs Freundschaft zu Quincy Jones ist legendär. Er schaffte es, alles an diesem Konzert hip, aktuell und relevant zu machen, was sich auch in den jährlichen Postern ausdrückt, die von Künstlern wie Nikki de Saint-Phalle oder Keith Hering gestaltet wurden.

Trotz Nobs' Tod ist die Ausgabe 2013 nicht gefährdet, denn der Gründer gab bereits 2010 die operative Leitung ab und beschränkte sich auf die strategischen Belange. Dieses Jahr wird das Festival sicher von der Trauer über den Gründervater geprägt sein.

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