Bluesfestival Sierre 2015
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Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
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Präzise und berührende Biographie

thumb DerVergesseneKoenigDesBluesBuchCoverEine leider etwas aus der Mode gekommene Zaubershow zeigt einen Magier, der die Bühne mit einem Koffer betritt, aus dem er nach und nach üppige Blumensträusse, Topfpflanzen, sogar kleine Bäume auspackt. Immer, wenn man glaubt, nun sei der Koffer aber bestimmt leer, zaubert er noch ein riesiges Bouquet, noch einen Gummibaum, noch eine Yukkapalme hervor, bis schliesslich die ganze Bühne unter einem Blumenmeer verschwindet. Daran erinnert Richard Koechlis neuster Roman «Der vergessene König des Blues – Tampa Red». 

Blues als Rebellion gegen den Zeitgeist

AlCookKeinPlatzFuerJohnnyBGoodeCover«Die sensationellste und schillerndste Musikerbiographie des Jahrzehnts. Bewegend, ergreifend, kontroversiell und streckenweise sarkastisch provokant. Kompromisslos und polarisierend wie er selbst. Die gesellschaftskritische Abrechnung eines unbequemen Individualisten mit dem Zeitgeist.»

So beginnt der Werbetext für die kürzlich erschienene Biographie des Doyens der österreichischen Bluesszene, Al Cook. Es ist mit fast 800 Seiten ein grosses Werk geworden, etwa vom gleichen Kaliber, wie die Biographie von Keith Richards. Wo diese sich aber zu einem viel zu grossen Teil in Eigenlob und Prahlereien über exzessiven Drogenkonsum und Sex, pubertären Schwanzvergleichen und Beschimpfungen erschöpft und spätestens nach einem Drittel langweilt, zeichnet Cook ein abwechslungsreiches Bild seines Lebens, mit all seinen Hoffnungen und Enttäuschungen, Siegen und Niederlagen und schildert darüber hinaus sehr farbig die gesellschaftliche Entwicklung im Allgemeinen und der österreichischen im Besonderen. Damit bleibt die Biographie bis zur letzten Seite interessant und spannend.

Kulturgeschichte einer Leidenschaft

SteveWaksmanInstrumentsofDesireBuchCoverDas Buch Instruments of Desire : The Electric Guitar and the Shaping of Musical Experience von Steve Waksman ist zwar bereits vor der Jahrtausendwende entstanden, aber da es sich mit historischen Ereignissen befasst, ist das wenig problematisch. Das Buch ist eine Kulturgeschichte der elektrischen Gitarre, wie es natürlich bereits viele gibt, aber dies hier ist wirklich bemerkenswert. Das Narrativ, das Steve Waksman hier vorbringt, unterscheidet sich grundlegend von denen anderer Darstellungen der elektrischen Gitarre, weil es die Genregrenzen ausser Acht lässt und sich nur auf das durch die Gitarristen und ihre Instrumente transportierten Lebensgefühle konzentriert. Dadurch gelingt es Waksman, so unterschiedliche Musiker wie Les Paul und Jimi Hendrix zusammenzubringen. Er analysiert deren Anliegen als identisch und das eröffnet neue Betrachtungsweisen. Dies wird stets gepaart mit der technischen Entwicklung und dem Festhalten der technischen Möglichkeiten, die den Musikern zur Verfügung standen. Was die Geschichte des Blues angeht, so stellt Waksman den historisch bedeutenden Umbruch in den Vordergrund, den Muddy Waters einleitete mit seinen ersten Aufnahmen in Chicago. Muddy Water, seine Band und der Chicago-Blues werden hier als entscheidende Schwelle verstanden, nach der die Musik nicht mehr dieselbe war. Laut Waksman hat die Populäre Musik dem Blues vor allem eines zu verdanken: emotionale Authentizität.

Ein ganz dünnes Brettchen

GardnerSOnHOuseBuchCoverDer Blues-Enthusiast Richard Shade Gardner hat ein in Buchform erschienenen Bericht über seine Suche nach dem legendären Bluesman Son House vorgelegt. Diesen zu lesen kann man sich allerdings ruhig sparen, denn das Buch besteht aus mehreren Kapiteln, in den der Autor eigentlich immer dasselbe schreibet: nämlich dass er zu spät gekommen ist. Schade, aber so ist der Lauf der Zeit. Der Besuch war im Jahr 1981, das Buch erschien im Jahr 2015 und man fragt sich schon: versucht da jemand um jeden Preis Geld zu machen, selbst wenn es sich bei dem «Buch» um 79 Seiten gross gedruckt und üppig bebildertes Nichts handelt? Schade.

Kurzbiographien der Blues-Urgeschichte

JasObrechtEarlyBLuesCoverDer Journalist Jas Obrecht ist ein Kenner der Szene und ein erfahrener Autor: ein langjähriger Musikjournalist mit Veröffentlichungen in zahlreichen Fachmagazinen und mehrfacher Buchautor. Sein Schwerpunkt sind Blues-Gitarre und Blues-Gitarristen, und er ist ein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet. Mit seinem jüngsten Buchprojekt aber verlässt er seine Komfortzone, sein wohl bearbeitetes Feld und betritt Neuland: Die frühen Blues-Gitarristen der 1920er und 1930er Jahre interessieren ihr diesmal. Er erforscht deren Umfeld, leuchtet Produktionsbedingungen aus und gibt entsprechend der Materiallage relativ ausführliche Biographien von neun der frühen Stars der Blues-Gitarre. Diese waren die Vorbilder der ersten elektrischen Gitarristen wie B.B. King oder T-Bone Walker und diese Wiederum wurden zu Vorbildern für die moderne Blues- und Rockgitarre. Obrecht reicht mit seinen Recherchen drei bis vier Generationen zurück und erzählt erstaunliche und fesselnd zu lesende Geschichten über eine Zeit, als die Vaudeville-Sängerinnen und die grossen Orchester nicht mehr rentierten und die primitive Aufnahmetechnik neue Stars hervorbrachte: Blues-Solisten, deren Gitarre sich besser aufnehmen liess als die Banjos vergangener Jahrzehnte.

Der Komplette Kurs

RichardKoechliDieEtwasAndereGitarrenschuleCoverWenn er auch in erster Linie als Bluesmusiker wahrgenommen wird, so sprengt das musikalische Schaffen von Richard Koechli doch jegliche Genregrenzen. Und somit ist es folgerichtig, dass das neueste Gitarrenlehrbuch nun nicht mehr ein Sparten-Lehrbuch ist wie seine zuvor publizierten Werke Masters of Blues Guitar (2010), Best in the West – Nashville Guitar (2000) oder Slide Guitar Styles von 1997. Mit seiner im November 2015 erschienenen Buch Die etwas andere Gitarrenschule (vollständige Angaben am Schluss des Artikels) legt der Schweizer Gitarrist ein Werk vor, das sogar mehr ist als ein Gitarrenlehrkurs, es ist ein niederschwellig zugängliches Lehrbuch über Musik, denn man lernt aus dem Buch viel mehr als Akkorde und Tonleitern: man lernt Musik. Der Inhalt umfasst auch die Grundlagen der Notation, eine Rhythmusschule und eine Einführung in die neurologischen Prozesse, die mit dem Erlernen eines Instruments einhergehen. Das Buch ist zudem nur ein kleiner Teil, mit dem Lehrgang erwirbt man den Zugang zu umfangreichem Multimedia-Material, das sich einfach runterladen lässt, und das gegenüber dem traditionellen Musiklehrer einen gewaltigen Vorteil hat: unendliche Geduld.

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