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Jazz, Jazz und nichts als Jazz

Der Journalist Peter Rüedi ist der Grand Seigneur des Jazz-Journalismus in der Schweiz. Und ein enorm fleissiger dazu. Rüedi hat über Jahrzehnte die Weltwoche mit seinen Jazz-Rezensionen und biographischen Kolumnen bereichert und nun sind zu seinem einundsiebzigsten Geburtstag die gesammelten Kolumnen erschienen. Der mit 1850 Gramm und 1320 Seiten Umfang monumentale Band ist unter dem Titel Stolen Moments erschienen und Bluesnews.ch hat sich das Buch angesehen. Bei aller Fachkenntnis seitens Peter Rüedis sei dennoch ein Wort der Warnung angebracht: Für Bluesfans ist hier nichts zu holen. Gar nichts. Jazz ist hier eng definiert und darin hat der Blues keinen Platz.


Das eventuelle Zusammengehen von Blues und Jazz wird in der Regel durch die Jazzseite definiert. Beim «Montreux Jazz Festival» hat Claude Nobs sehr früh  auch Bluesmusiker eingeladen, Count Basie hat seinen Big Band Sound stets mit Blues-Nummern und auch bluesigen Klangfarben angereichert, und auch die Sammlung von Tonträgern von manchen Bekannten, die sich als «Jazzer» bezeichnen würden, beinhaltet Blues-Alben.

Blues wird oftmals als der einfachere, gradlinigere Cousin des Jazz, manchmal als dessen Ursprung verstanden. Und in der evolutionsfixierten Stammbaum-Metaphorik musikalischer Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts sind Blues und Jazz grundsätzlich in einem Abstammungsverhältnis zueinander dargestellt.

Bei Peter Rüedi wird der Blues hingegen völlig aussen vor gelassen. In seinen 1522 Jazz-Kolumnen, die in Stolen Moments zwischen zwei Buchdeckel gebunden sind, finden sich nur reinrassige Jazz-Titel. Das Buch ist mit einem ausgezeichneten Index für Alben und Interpreten ausgerüstet, und bei den Alben liess sich kein Bluesalbum finden, während bei den Interpreten zwar die Namen Albert King, B.B. King, Muddy Waters oder Chuck Berry zu finden sind, aber nur als Referenzen in seinen Rezensionen.

Rüedi steht somit für einen traditionell europäischen elitären Jazz-Begriff, der den Jazz als intellektuell stimulierend versteht, als harmonisch anspruchsvoll und rhythmisch komplex, während der Blues als der einfache «Cousin» vom Land verstanden wird, als die weniger anspruchsvolle und simple Version der Afro-Amerikanischen Musiktradition. Rüedi schreibt denn auch Sätze wie «Der Blues ist die dunkle Tinte, mit der die halbe Geschichte des Jazz geschrieben ist. Er ist eine Form, wie sie in ihrer genialen Einfachheit nur die Volksmusik erfindet.» (S. 760). Abwertung durch Komplimente – eine Technik, die man als Kolumnist unbedingt beherrschen muss.

So kümmert sich Rüedi also nicht um diese «Volksmusik», sondern konzentriert sich auf eine Vielzahl schillernder Namen, mit einem Schwerpunkt bei Schweizer Jazzmusikern, und sämtliche gelesene Rezensionen sind mit Leidenschaft geschrieben und bieten interessante Einblicke.

Mit anderen Worten: wer neben dem Blues in seinen mannigfachen Formen auch den klassischen und bildungsbürgerlich akzeptierten Jazz anhört, für den wird dieses Buch eine Fundgrube sein, detailreich und voller interessanter vergleiche sind die Besprechungen der musikalischen Veröffentlichungen, mit denen Rüedi über die Jahre die Spalten der Weltwoche füllte. Nur wer Informationen zu Blues oder eher dem Blues zugerechneten Musikern sucht, wird bald erkennen, dass aus Sicht Rüedis das Album Hand Jive von John Scofield oder Ellington At Newport des Duke Ellington Orchestras so etwas das bluesigste sind, was besprochen wird.

Die NZZ Online hat ein Interview mit Rüedi geführt, das man hier nachlesen kann.

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