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Die kleinen feinen Dinge

Gitarrenvirtuose Greg Koch dürfte inzwischen relativ bekannt sein in der Subkultur der Gitarristen, insbesondere der Bluesgitarristen. Der 48jährige Amerikaner aus Milwaukee hat sich im Internet eine starke Präsenz aufgebaut, und wer sich mit der Bluesgitarre, Instrumente wie Techniken beschäftigt, trifft auf Youtube früher oder später auf Greg Koch, den exzentrisch wirkenden Mann mit wechselndem Kinnbart, stets in ein besticktes Country-Shirt gekleidet. Greg Koch spricht schnell, elaboriert und witzig, durchaus selbstverliebt, aber sein Narzissmus fusst auf Kompetenz. Kochs Renommee stammt von seiner Virtuosität auf der elektrischen Gitarre, wo er im Bereich zwischen Blues, Rock, Funk und Country  eine manchmal schier unglaubliche Fähigkeiten an den Tag legt. Nicht nur sind sein Läufe rasant schnell, seine Musik zeichnet sich ausserdem durch eine beeindruckende Phrasierung und Dynamik aus. Genau diese kleinen Kniffe und Tricks, welche das Gitarrenspiel weiter entwickeln und personalisieren, gibt Koch im Lehrbuch Guitar Clues Operation Pentatonic weiter.

 
Greg Koch ist ein bunter Hund. Sein Freude am Gitarrenspiel sprudelt nur so aus ihm raus, und als exzentrischer Showman kann er Begeisterung vermitteln. Daneben ist Koch wirklich atemberaubend virtuos und vielseitig auf der Gitarre. Fingerpicking, hybrid picking und flatpicking jederzeit gemischt, stets auf der gleichen Höhe des Könnens, mit oder ohne Slide, eingestreute Flegeoleeläufe. Dieses Spiel zeigt er unabhängig vom Gitarrentyp, Greg Koch steht für ein lebendiges und abwechslungsreiches Spiel auf allerhöchstem technischen Niveau. Mit diesen Fähigkeiten hat Koch das Interesse von Firmen auf sich gezogen, die sich seiner Künste bedienen. Allen voran Fender, für welche er Master Workshops durchführt, als auch der Händler von Edelgitarren «Wildwood Cuitars», für die er auf Youtube und auf der Firmenwebsite einen grossen Teil der Gitarren in kurzen Solotests anspielt und auf seine an einen Marktschreier erinnernde Art und Weise anpreist. Auch «Fishman» hat für die an der Frankfurter Musikmesse angekündigten aber seither noch nicht lieferbaren «Fluence»-Pickups Kochs Marketing-Fähigkeiten gebucht.

Was Greg Kochs Gitarrenspiel besonders macht, das sind die kleinen Fingerfertigkeiten, die er beherrscht. Koch ist nicht der Gitarrist, der mit seltenen Voicings und verblüffenden Inversionen die Akkordwelt neu erfindet, wie es Ted Greene tat. Koch ist der Mann der Phrasierung: winziges Notenziehen, in die Akkorde Sliden, mit der Dynamik spiele, das sind seine Fähigkeiten und das macht seinen Stil aus. Er scheint gleichermassen begeistert und beeinflusst von Jimi Hendrix wie von Chet Atkins, und in entsprechend grossen diesem Spannungsfeld bewegt sich Koch musikalisch.

Das ist natürlich zunächst attraktiv auch für nicht professionelle Gitarristen, weil er weitgehend in den bekannten Schemata der Moll- und Dur-Pentatonik verbleibt, aber diese Noten mit der Phrasierung «würzt». In seinem 2007 erschienenen Lehrbuch Guitar Clues : Operation Pentatonic : Tasty Licks, Tricks and Techniques stellt er genau diese Dinge systematisch und gut verständlich vor. Das Lehrbuch wurde von «Hal Leonard» gestaltet und es bietet für Autodidakten oder Gitarristen, die an ihrer Technik feilen wollen, wunderbare Lehrstücke, die anspruchsvoll sind, wenn man sie genau nachspielen möchte, die aber auch als Quelle für einzelne Licks dienen können.

Die Kapitel thematisieren systematisch Aspekte der Harmonie (Sekunden, Terzen, Quarten, Quinten, Sexten, Septinem und Oktaven werden einzeln behandelt) und der Technik (Bends, Vibrato, Pinch Harmonics, Whammy Bar, Chicken Pickin‘ Travis Picking, Volume Swells, Pedal Steel Effect, Conga Effect). Scales, also Tonleitern werden nur kurz besprochen. Das Buch beginnt mit einem Kapitel zur Moll-Pentatonik und zum Schluss folgt eines zur Dur-Penatonik sowie zur Dur-Penatonik mit zusätzlich einer verminderten Terz, mithin eine Moll/Dur Misch-Penatonik. Die Kirchentonarten (modes) werden gar nicht erörtert, weil es diese im Blues und den daraus hervorgegangene  Musikstilen nicht benötigt.

Zu jedem Abschnitt gibt es eine kleine und sehr simple Übung sowie ein speziell auf das im Kapitel besprochene Thema konzentriertes Stück, meistens 24 Takte, also 2 Blueskehren. Diese Stücke sind natürlich das didaktische Zentrum des Buches und sie sind hochgradig anwendbar, die einzelnen Licks fliessen fast automatisch ins Gitarrenspiel ein, wenn man sie einübt, denn sie bauen stets auf der Grundlage auf, welche jeder kennt, der sich mit der Gitarre beschäftigt: der Moll-Pentatonik.

Alle Stücke werden mit Solo- und Rhythmus-Part notiert, in Noten und Tabulatur. Dazu gibt es natürlich eine Audio-CD mit 65 Titeln, so dass jeder Aspekt gut vertont wurde. Wo das Buch keine Noten hat, also im erzählenden und beschreibenden Teil kommt Greg Kochs Person im Text deutlich durch, er schreibt hier so sehr wie er spricht, dass anzunehmen ist, dass ein Diktiergerät dieses Buch aufgezeichnet hat. Auf Seite 6 beschreibt er zudem sein Setup ausführlich.

Das Lehrbuch ist ein intensiver Lehrgang, der Konzentration und eine Menge Übung verlangt, der aber die Fähigkeiten in einer Weise weiter zu entwickeln hilft, dass jeder und jede davon profitieren kann, denn auch wenn man ein schönes Vibrato hat oder sich gut mit Power-chords auskennt, sind Whammy-Bar und Sextakkorde dennoch eine Bereicherung. Für nicht einmal 14 Euro bei Thomann und nicht mal16 Euro bei Amazon ist das Buch eine des besten Investitionen, die man machen kann, wenn man auch die Zeit investieren kann, es zu lernen und zu üben.

Greg Koch Guitar Clues : Operation Pentatonic : Tasty Licks, Tricks and Techniques (2007) - . 77 S., 31 cm, 1 Audio-CD - . Milwaukee: Hal Leonard, 2007 - . ISBN 978-0-634-07414-8.
 

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