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Es brauchte einen Thurgauer und einen Solothurner, um die Geschichte der Basler Pop Kultur zu erzählen. Marc Krebs und der Coautor Andreas Schneitter haben sich des Themas angenommen und ein Buch veröffentlicht, das von Andreas Hidbe gestaltet und mit Fotos von Matthias Willi illustriert worden ist. Das Buch wird vom Rockförderverein der Region Basel herausgegeben und ist im Christoph Merian Verlag, Basel erschienen. Die Erstausgabe gelangte Ende November 2009 in den Verkauf, gerade richtig zur Weihnachtszeit.

Auf nicht ganz 300 Seiten werden jeweils zwei Vertreter der verschiedenen Musikstile portraitiert. Das schliesst Rock, Blues, Country, Punk, Rap, Reggae Hip-Hop und Techno ein. Dabei werden nicht nur die musikalischen Aspekte berücksichtigt. Das gesellschaftliche Umfeld wird ebenso beleuchtet, wie die kommerziellen Aspekte, die Reaktionen der Öffentichkeit und die Auswirkungen auf die aktuelle Musikszene. Eine CD mit typischen Beispielen rundet das Buch ab. Ein Stück weit ist es auch ein Who is Who der (Nordwest)Schweizer Popszene.

Das Vorwort von Max Küng bringt einen Aspekt gleich auf den Punkt, der sich auch durch das ganze Buch zieht. Es bestand kaum Absicht, eine Subkultur zu schaffen. Vielmehr wollte die Nachkriegsjugend das, was junge Menschen immer wollen, nur nennt man es immer anders: Cool sein, anders sein und keine Langeweile haben. Die damals am Horizont erscheinende amerikanische Musik war dafür ein geeignetes Vehikel. Endlich gab es eine Alternative zur Mischung aus klassischer Musik der Bildungsbürger und Schlagern, beides im Grunde rückwärtsgewandte Formen, die so gar nicht in die Aufbruchsstimmung der fünfziger und sechziger Jahre passten.

Das Buch ist sorgfältig recherchiert und schildert ausführlich die Entwicklung der Popmusik in der Schweiz, die in Basel begann. Es beginnt mit dem Erscheinen des Rock ‚n‘ Roll, der Mitte der fünfziger Jahre nahezu die gesamte Jugend fesselte und sich gegen heftige Widerstände der durchsetzen musste.

Die Musikszene war noch nicht in verschiedene Stilarten aufgeschlüsselt, man fasste die neue Musik unter dem Titel Beat zusammen. Es gab ja natürlich noch keine entsprechenden Formationen, die erste Rock ‚n‘ Roll Scheibe, die je in der Schweiz veröffentlicht worden ist hiess The Chimpanzee Rock  von den Hula Hawaiians, einer Unterhaltungsband, die Schlager und Hawaiititel spielte und immerhin eine positive Erwähnung in der amerikanischen Fachpresse fand. Das Quintett kehrte allerdings danach zu seinen Wurzeln zurück und blieb der Hawaii Musik treu.

Die frühen Protagonisten hatten auch zunächst keine grossen künstlerischen Ambitionen, man imitierte musikalisch und auch äusserlich die Vorbilder: Bill Haley, Elvis Presley, die Beatles, die Rolling Stones und überall begannen Bands aus dem Boden zu schiessen, die sich im Grunde alle schon äusserlich ähnlich waren. Primäres Motiv war der Spass an der Freude. Schon gar nicht verstanden die ersten Vertreter der Popmusik ihr Schaffen als gesellschaftlichen Protest. Das wurde erst im Laufe der Zeit so. Immerhin muss man sich vorstellen, dass damals ein junger Mann mit Gefängnis rechnen musste, wenn er sich weigerte, die modischen langen Haare für die Rekrutenschule kurz zu schneiden.

Nicht, dass man kommerziellen Erfolg nicht in Kauf genommen oder sogar gesucht hätte und bestimmt haben sich viele auch eine Karriere als Star erträumt. Dies ist aber nur wenigen gelungen und wenn, dann eher den späteren Gruppen, als den Pionieren. Dies wird auch in den Interviews deutlich. Die Autoren stellen allen Interviewpartnern die gleichen sechs Fragen, eine davon bezieht sich auf die Gagen und es zeigt sich, dass vor allem in den früheren Jahren keine Blumentöpfe zu gewinnen waren. Im Gegenteil, die Gagen konnten im besten Fall die Unkosten knapp decken, ganz abgesehen davon, dass die Musikindustrie leichtes Spiel mit den Erwartungen und der Unerfahrenheit hatten und die Bands gerne leer ausgingen.

Dass aus dieser Szene respektable Bands und Musiker wachsen würden, hatten sich die Protagonisten zum Teil selbst kaum vorstellen können, natürlich noch weniger die Elterngeneration und der etablierte Kulturbetrieb.

Es gelingt den Autoren, die Atmosphäre der Anfänge lebhaft zu schildern. Das Buch ist aber keineswegs ein nostalgisches Schwärmen der Gründerzeit, sondern beschreibt die Basler Popszene bis in die Gegenwart, wobei Bezüge zur Entwicklung der Popmusik in der übrigen Deutschschweiz vorhanden sind. Auch die im Grunde erst spät einsetzende Beachtung der neuen Musik im Schweizer Radio, die Einflüsse der neuen Medien und die sich verändernde Form des Musikkaufs und ihre Rückwirkungen auf die Musikentwicklung werden transparent, genauso die diversen Querverbindungen der Musiker in den verschiedenen Schweizer Formationen damals und heute.

Ein wichtiger Aspekt für die Entwicklung waren immer auch die Veranstaltungsorte und damit die Veranstalter. Deutlich haben die Autoren herausgearbeitet, wie wichtig Freiräume sind, die das Entstehen alternativer Musikformen überhaupt ermöglichen. indem sie ein Podium zur Verfügung stellen. So finden im Buch auch Menschen ihren Platz, die durch ihr Wirken ein Podium zur Verfügung stellen, wie zum Beispiel Paul und Kurt Seiler mit ihrem Atlantis, Simon Lutz und Stefanie Klär, welche die Kuppel betreiben und Matthias Müller und Beatrice Stirnimann, die sich mit der aus der Rheinknie Session hervorgegangenen AVO Session Basel internationaler Beachtung erarbeiten konnten.

Auf der anderen Seite das nt Areal, eine Zone im Niemandsland der Stadtplanung, das von Jeanny Messerli und Phillippe Cabane zunächst illegal bespielt wurde, bevor es sich etablierte und während zehn Jahren eine wichtige Rolle spielte, bis ein Masterplan für den Umbau des Areals den kulturellen Aktivitäten ein Ende setzte.

Die beiliegende CD bietet mit 19 Titeln einen repräsentativen Querschnitt und ist vor allem für junge Musikfreunde ein Leckerbissen, da viele der Titel nur noch schwer erhältlich sind. Allein diese CD ist schon den Preis des Buches wert.

Alles in allem ein wichtiges Buch für alle Musikfreunde, die sich für die Entstehung und Verbreitung der zeitgenössischen Musik in der Schweiz interessieren. Sehr empfehlenswert!

Die wichtigsten Links zum Buch (Stand Dezember 2009):

http://diemagazin.ch/2009/11/16/pop-basel

http://www.popbasel.ch/

http://www.rfv.ch/cms/front_content.php?client=1⟨=1&idcat=6&idart=550

http://www.merianverlag.ch/_actions/document_viewer.cfm?ObjectID=E2B34F94-1422-0CEF-B47BA4A4B2FB6879

Pop Basel: Musik und Subkultur; Marc Krebs/ Andreas Schneitter.
ca. 300 S. : 80 meist farbige Abbildungen ; 240 mm x 170 mm
ISBN 978-3-85616-477-5

  1. Hula Hawaiians: The Chimpanzee Rock (1957)
  2. The Dynamites: Too Late (1965)
  3. The Sevens: Be My Loving Baby (1965)
  4. Brainticket: Black Sand (1971)
  5. Circus: The Bandsman (1977)
  6. Lazy Poker Blues Band: Paranoia Lover (1980)
  7. Bo Katzman Gang: I'm In Love With My Typewriter (1980)
  8. Dominique & The Wondertoys: Irene (1988)
  9. Schaltkreis Wassermann: Zeit und Raum (1982)
  10. Touch El Arab: Muhammar (1987)
  11. Rondeau: Early Plane (1988)
  12. Popmonster: I Am The Dew (2000)
  13. Les Reines Prochaines: Aline, j'ai crié (1994)
  14. Bettina Schelker: Polarstern (2007)
  15. Lovebugs: Everybody Knows I Love You (2004)
  16. The Bianca Story: Paper Piano (2006)
  17. P27 feat. Black Tiger: Murder By Dialect (2007)
  18. TAFS feat. The Scrucialists: Zit für Chli Etschgen (2004)
  19. Navel: Frozen Souls (2007)

 

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