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Bücher

Kulturgeschichte einer Leidenschaft

SteveWaksmanInstrumentsofDesireBuchCoverDas Buch Instruments of Desire : The Electric Guitar and the Shaping of Musical Experience von Steve Waksman ist zwar bereits vor der Jahrtausendwende entstanden, aber da es sich mit historischen Ereignissen befasst, ist das wenig problematisch. Das Buch ist eine Kulturgeschichte der elektrischen Gitarre, wie es natürlich bereits viele gibt, aber dies hier ist wirklich bemerkenswert. Das Narrativ, das Steve Waksman hier vorbringt, unterscheidet sich grundlegend von denen anderer Darstellungen der elektrischen Gitarre, weil es die Genregrenzen ausser Acht lässt und sich nur auf das durch die Gitarristen und ihre Instrumente transportierten Lebensgefühle konzentriert. Dadurch gelingt es Waksman, so unterschiedliche Musiker wie Les Paul und Jimi Hendrix zusammenzubringen. Er analysiert deren Anliegen als identisch und das eröffnet neue Betrachtungsweisen. Dies wird stets gepaart mit der technischen Entwicklung und dem Festhalten der technischen Möglichkeiten, die den Musikern zur Verfügung standen. Was die Geschichte des Blues angeht, so stellt Waksman den historisch bedeutenden Umbruch in den Vordergrund, den Muddy Waters einleitete mit seinen ersten Aufnahmen in Chicago. Muddy Water, seine Band und der Chicago-Blues werden hier als entscheidende Schwelle verstanden, nach der die Musik nicht mehr dieselbe war. Laut Waksman hat die Populäre Musik dem Blues vor allem eines zu verdanken: emotionale Authentizität.

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Ein ganz dünnes Brettchen

GardnerSOnHOuseBuchCoverDer Blues-Enthusiast Richard Shade Gardner hat ein in Buchform erschienenen Bericht über seine Suche nach dem legendären Bluesman Son House vorgelegt. Diesen zu lesen kann man sich allerdings ruhig sparen, denn das Buch besteht aus mehreren Kapiteln, in den der Autor eigentlich immer dasselbe schreibet: nämlich dass er zu spät gekommen ist. Schade, aber so ist der Lauf der Zeit. Der Besuch war im Jahr 1981, das Buch erschien im Jahr 2015 und man fragt sich schon: versucht da jemand um jeden Preis Geld zu machen, selbst wenn es sich bei dem «Buch» um 79 Seiten gross gedruckt und üppig bebildertes Nichts handelt? Schade.

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Kurzbiographien der Blues-Urgeschichte

JasObrechtEarlyBLuesCoverDer Journalist Jas Obrecht ist ein Kenner der Szene und ein erfahrener Autor: ein langjähriger Musikjournalist mit Veröffentlichungen in zahlreichen Fachmagazinen und mehrfacher Buchautor. Sein Schwerpunkt sind Blues-Gitarre und Blues-Gitarristen, und er ist ein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet. Mit seinem jüngsten Buchprojekt aber verlässt er seine Komfortzone, sein wohl bearbeitetes Feld und betritt Neuland: Die frühen Blues-Gitarristen der 1920er und 1930er Jahre interessieren ihr diesmal. Er erforscht deren Umfeld, leuchtet Produktionsbedingungen aus und gibt entsprechend der Materiallage relativ ausführliche Biographien von neun der frühen Stars der Blues-Gitarre. Diese waren die Vorbilder der ersten elektrischen Gitarristen wie B.B. King oder T-Bone Walker und diese Wiederum wurden zu Vorbildern für die moderne Blues- und Rockgitarre. Obrecht reicht mit seinen Recherchen drei bis vier Generationen zurück und erzählt erstaunliche und fesselnd zu lesende Geschichten über eine Zeit, als die Vaudeville-Sängerinnen und die grossen Orchester nicht mehr rentierten und die primitive Aufnahmetechnik neue Stars hervorbrachte: Blues-Solisten, deren Gitarre sich besser aufnehmen liess als die Banjos vergangener Jahrzehnte.

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Der Komplette Kurs

RichardKoechliDieEtwasAndereGitarrenschuleCoverWenn er auch in erster Linie als Bluesmusiker wahrgenommen wird, so sprengt das musikalische Schaffen von Richard Koechli doch jegliche Genregrenzen. Und somit ist es folgerichtig, dass das neueste Gitarrenlehrbuch nun nicht mehr ein Sparten-Lehrbuch ist wie seine zuvor publizierten Werke Masters of Blues Guitar (2010), Best in the West – Nashville Guitar (2000) oder Slide Guitar Styles von 1997. Mit seiner im November 2015 erschienenen Buch Die etwas andere Gitarrenschule (vollständige Angaben am Schluss des Artikels) legt der Schweizer Gitarrist ein Werk vor, das sogar mehr ist als ein Gitarrenlehrkurs, es ist ein niederschwellig zugängliches Lehrbuch über Musik, denn man lernt aus dem Buch viel mehr als Akkorde und Tonleitern: man lernt Musik. Der Inhalt umfasst auch die Grundlagen der Notation, eine Rhythmusschule und eine Einführung in die neurologischen Prozesse, die mit dem Erlernen eines Instruments einhergehen. Das Buch ist zudem nur ein kleiner Teil, mit dem Lehrgang erwirbt man den Zugang zu umfangreichem Multimedia-Material, das sich einfach runterladen lässt, und das gegenüber dem traditionellen Musiklehrer einen gewaltigen Vorteil hat: unendliche Geduld.

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Schön anzuschauen

DeepSouth-TitelseiteEin Buch für drei der fünf Sinne – zum hören, sehen und verstehen. So lässt sich das Publikations-Konzept des Verlags «ear books» aus Hamburg beschreiben, der seine Produktpallette selbst beschreibt als «anspruchsvolle Coffee Table Books mit Musik». In dieser Reihe von schön anzusehenden Büchern gibt es bereits über 100 Titel, und nun liegt mit Deep South: The Story Of The Blues eine dem Blues gewidmete Publikation vor. Diese bietet in einem ansprechend gestalteten Fotoband mit informativen, aber doch nicht allzu leselastigen Begleittexten von Peter Bölke einen Einblick in die Geschichte des Blues, und dazu werden auf vier thematisch unterschiedlichen CDs musikalische Spielarten der Bluesmusik von Vaudeville bis zu Rock’n’Roll angeboten. An sich ein rundes Konzept und sehr zu begrüssen, aber zwei Aspekte sind es, die dennoch Stirnrunzeln hervorrufen.

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So many roads, so many names

DinuLogozJohnMayallBioTitelDas war aber wirklich überfällig. Eine reich mit Anhängen ausgestattete Biographie von John Mayall. Der Schweizer Bluesmusiker Dinu Logoz hat seine langjährige Leidenschaft für den britischen Bandleader John Mayall zum Anlass genommen, diesem Übervater des Britischen Blues ein Denkmal in Form einer englischsprachigen Biographie zu errichten. Logoz beschreibt den beruflichen Werdegang und seine Arbeit als Bandleader faktisch und minuziös. Was das Biographische angeht, so gibt es dennoch auch Kritik an diesem Buch, das neben der vorbildlichen Diskographie eine protokollarische Aufzählung aller Bandformationen und eine detaillierte Diskussion der Instrumente Mayalls bietet, aber den Wissensdurst nach der Person John Mayalls nicht immer umfänglich zu stillen vermag. Dinu Logoz‘ Leistung gebührt höchstes Lob, aber dennoch hat man nach der Lektüre der Biographie bei essentiellen Themen mehr Fragen als davor. Womit sich einmal mehr die Frage stellt, für wen man eine solche Biographie überhaupt schreibt. Und vollkommen unverständlich bleibt die Entscheidung, das Buch ohne Index zu publizieren.

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