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Der Bart ist ab

Hugh Laurie, der englische Schauspieler, der in der Serie «House» acht Staffeln lang Dr. Gregory House verkörperte, ist nicht nur Schauspieler, er ist auch Musiker. Der Mann spielt beeindruckend gut Klavier, und nach seiner ersten Veröffentlichung Let Them Talk folgt nun mit Didn’t it Rain eine weitere Sammlung von Old Time Klassikern, Musik aus der Jazz und Blues Tradition, also Roots Music im besten Sinne. Ob Hugh Laurie mit dieser zweiten Karriere versucht, sich neu zu erfinden oder ob er eine tiefere philosophische Botschaft damit bezweckt, vor allem scheint er vorzuhaben, Spass zu haben mit Songs, die sein ihn Leben lang begleiten. Bewirkte die erste CD bereits ein Aufhorchen, so ist die zweite noch einen Tick besser, selbstbewusster und stilsicherer. So sehr, dass sich die Frage aufdrängt, ob es sich bei dem Engländer Laurie nicht eigentlich primär um einen Musiker handelt, der zufällig auch der wichtigste Serienschauspieler einer gewissen Ära war. Der Bart ist ab, denn hier zeigt Hugh Laurie endgültig sein wahres Gesicht – das des Bluesman.

Auf Let Them Talk war es ein Anliegen, sich als Pianist zu beweisen, zu zeigen, dass er der misanthrope Grummler Gregory House ist. Laurie spielte tolles Blues- und New Orleans-Piano mit Titeln wie Professor Longhairs Tipitina oder Robert Johnsons They’re Red Hot, und der Gesang war leidenschaftlich und schön. Aber auf dem Cover zeigte er sein bekanntes Gesicht - mit Bart. Auf dem neuen Album geht er einen Schritt weiter und tritt als visionärer Musiker und Bandleader auf, der mit unterschiedlichsten Instrumentierungen und einer Spitzencrew von Sidemen, die unter dem Namen The Copper Bottom Band antreten, eine musikalische Zeitreise unternehmen. Jazz, Blues, Gospel und eine Prise Tango sind die Ingredienzien für sein musikalisches Gumbo, auf dem er ausgereifte Interpretationen selbst von so abgenudelten Nummern wie Careless Love zum Besten gibt.

Laurie hat auch verstanden, dass man nicht selbst singen muss, wenn es Bessere dafür gibt (obwohl sein Gesang beachtlich ist), und so konnte er die aus Guatemala stammende Singer-Songwriterin Gaby Moreno und den Soul-Sänger Jean McClain für sich gewinnen. Auf Little Brother Montgomerys Vicksburg Blues singt Taj Mahal. Laurie selbst spielt zurückhaltend Klavier, wenig Soli, und er lässt die gesamte Band die Stücke tragen. Er nimmt sich zurück, und wenn es bei den Instrumenten heisst, er spiele den Hammer eines Richters, so ist das nicht übertrieben, seine Instrumentierung beschränkt sich in Send Me To The ‘Lectric Chair zunächst auf den Hammer, aber dieser gibt den Rhythmus des Songs vor.

Die eigentlichen Stars nämlich sind die Instrumentalmusiker, Slide-Gitarrist Greg Leisz beispielsweise, dessen Intro zu St. Louis Blues wieder und wieder für Gänsehaut sorgt. Aber auch die abwechslungsreiche Instrumentierung gilt es zu erwähnen (vgl. die Liste der Musiker unten). Die Mandolinenpassagen, die sanften Saxophon-Klangteppiche, vor allem aber der Groove, der die ganze CD durchzieht, ist als sensationell zu bezeichnen. Wenn etwas an der CD auszusetzen ist, dann die Liner Notes im CD Booklet. Neben den konstanten und etwas penetranten Hinweisen darauf, dass die Band während der Aufnahmen bedröhnt war (oder was sollen «aromatic tobaccos» sonst sein, die bei den Beiträgen der Musiker verzeichnet sind? Auch die beiden Titel Weed Smoker's Dream und Junker's Blues sind als Zeichen zu lesen). Die Passagen zur Musik und dem persönlichen Anliegen sind poetisch-philosophisch bis geschwätzig, dort schreibt der ehemalige Dr. House, dass nur das Authentische wichtig sei in dieser zeitgenössischen Welt des raschen Wandels, denn das Authentische ist das nächste zum Wahren. Schöne Gedanken, aber vor allem spielt er die Musik, die den Anspruch untermauern kann.

Das Netz bietet eine breite Palette an Möglichkeiten, die Titel zu hören und Infos zur CD zu erhalten, so Lauries eigener Youtube-Channel (wo es eine schöne Version von Stagger Lee zu hören gibt, das auf der CD nicht enthalten ist) oder die bereits eingerichtete Wikipedia-Seite zum Album, deshalb mag es hier reichen, die CD wärmstens zu empfehlen, das sind grossartige Interpretationen von grossartigen Songs. Gleichwohl sind auch seltene Titel dabei, Send Me To The ‘Lectric Chair oder das wunderbare Junker’s Blues sind selten gespielte Juwelen im Blues Songbook.

 
Hugh Laurie Didn't It Rain (2013)
The Copper Bottom Band
Hugh Laurie (Klavier, Wurlizer, akustische Gitarre, Gesang, Richterhammer, Trillerpfeife)
Jay Bellerose (Schlagzeug, Perkussion)
Kevin Breit (Akustische und Elektrische Gitarre, Lap Steel Gitarre, Mandoline, Mandola, Mandocello, Tenor Banjo, Backing Vocals)
Vincent Henry (Sopran-, Tenor, Baritonsaxophon, Klarinette, Bassklarinette, Mundarmonika, Vocals)
Greg Leisz (Mandoline, Mandola, Slide-Gitarren, Lap Steel, Gitarren)
Robby Marshall (Alt-, Tenorsaxophon, Klarinette und Bassklarinette)
David Piltch (E-Bass, Stehbass)
Patrick Warren (Akkordeon, Hammond B3, Harmonium, Schlüssel)
Elizabeth Lea (Posaune)
Larry Goldings (Hammond B3)
Gaby Moreno (Leadgesang auf 3., 5., 9)
Jean McClain (Leadgesang auf 7., 9., 12. )
Taj Mahal (Leadgesang auf 4.)
 
1.    The St. Louis Blues (Rudy Stevenson)                                          4:21
2.    Junkers Blues (William-Jack Dupree)                                            2:56
3.    Kiss Of Fire (Lester Allen/Arroyo y Villodo/Robert Hill)              3:27   
4.    Vicksburg Blues (Little Brother Montgomery)                               4:29
5.    The Weed Smoker's Dream (Joe McCoy)                                       4:11
6.    Wild Honey (Robert Charles Guildry/Malcolm John Rebennack) 4:21
7.    Send Me To The 'Lectric Chair (George Brooks)                            5:27               
8.    Evenin' (Harry White/Mitchell Parish)                                            3:03   
9.    Didn't It Rain (Traditional/Robert SH Martin)                                  2:52               
10. Careless Love (W.C. Handy/Traditional/Spencer)                        5:21
11. One For My Baby (Harold Arlen/Johnny Mercer)                         4:00               
12. I Hate A Man Like You (Joseph Ferdinand Morton)                     4:18               
13. Changes (Alan Price)                                                                     3:58
 


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