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PhrasePig ist ein Sextett aus deutschen Amateurmusikern, die nach Feierabend Blues spielen. Das schöne daran: Sie spielen tollen und mitreissenden Blues, und zudem singen sie diesen jetzt auch noch auf Dialekt. Die CD Uff dr Gass bringt 13 selbst verfasste Songs, zumeist ziemlich bluesige Titel, sämtliche Songtexte sind in schwäbischem Dialekt gehalten. Nach Jahren als Band mit einem Repertoire aus Covertiteln trauen sich die sechs Mitglieder von PhrasePig jetzt Schwäbischen Blues zu oder, wie die Band selbst schreibt, «Schwobablus». Die Musik ist fetzig, und die schwäbischen Texte sorgen für einen witzigen Effekt – wenn man sie denn versteht. Die Band weiss offensichtlich was sie tut, und sie hat viel Spass dabei.

 

Zuerst ist es etwas vielleicht ungewohnt, PhrasePig zuzuhören, aber nach zwei Strophen ist man drin, und dann macht es viel Spass, Schwabenblues zu hören. Verständnisprobleme kamen eigentlich keine auf, die Sprache ist Schweizern doch sehr vertraut. Leider ist seit dem vorzeitigen Tod von «Schwoberocker» Wolfgang «Wolle» Kriwanek (1949-2003) die schwäbischsprachige Bluesszene höchstens noch lokal bekannt. PhrasePig, deren Beeinflussung durch Kriwanek unüberhörbar scheint machen dort weiter, wo dieser aufgehört hat. Und so sind wieder Titel zu hören wie Schees Mädle oder Zviel gsoffa, und das ist gut. Wer sagt denn dass nur die Kölner in Dialekt abrocken können. Da die Schwaben bekanntlich ausser Hochdeutsch alles können, gehen sie hier frisch und fähig ans Werk.
 
Musikalisch bietet das Sextett druckvollen Rhythm & Blues bis Bluesrock, der in jedem Festzelt die Stimmung hebt. Um die Kernband aus Gitarre (Peter Liebert), Schlagzeug (Ulrich Götz), Bass (Gunnar Bremer) und Bluesharp (Christian Vogt) gesellen sich gelegentlich Tasten und Saxophon. Besonders hervorzuheben sind die Gitarren-Fill-Ins von Peter Liebert, der auch mit grosser Virtuosität Clapton-artige Melodiebögen in seinen Soli bringt. Und Gunnar am Bass: wenn der Mann am Tieftöner schon heisst wie ein Bass-Lick, kann nichts mehr schief gehen. Es werden viele Shuffles gespielt, manchmal etwas bluesiger, manchmal etwas rockiger, aber Stimmungsmusik auf jeden Fall.
 
Der schwäbische Dialekt passt also gut zum Blues, und der Gesang von Hartmut «Ryno» Rhinow ist jener eines gestandenen Bluesman, der aus seiner Lebenserfahrung zitiert. Ob ihm die Frau weggelaufen ist (Heit Morga) oder ob er seinen Hangover beklagt (Zviel gsoffa), ob er über das Leben philosophiert (Koi Schlotzer) oder davon träumt, nicht mehr abwaschen zu müssen (Spielmaschenenblues), stets findet der Sänger den richtigen Ton.
 
Jeder Titel hat seine eigene Spezialität, seinen eigenen Charme. Schees Mädle bringt einen Gastauftritt von Myra Pienaar und sogar eine Scat-Passage (Hier ist nicht das norddeutsche Kartenspiel Skat gemeint, sondern Scat-Gesang). S’isch klar trumpft mit einem süssen Zitat aus Riders On the Storm in der Keyboard-passage auf. Im Refrain zu Koi Schlotzer mit der Zeile «Das Läbe isch koi Schlotzer, es lacht Dir fräch ins G‘sicht» zeigt der Text den spielerischen Umgang mit dem Dialekt und die Freude daran, hier den Dialektausdruck für «Bonbon» zu wählen. Auf dem längsten Titel, dem Slowblues Schaffe Schaffe dringt die Vergangenheit als Coverband durch: das Lick klingt allzu deutlich nach ZZ Tops Blue Jean Blues. Aber erneut ist es der Text, der einen gefangenhält. Hier kommt auch eine durchaus etwas derbes Sprachregister zur Anwendung: die Zeile «Wenn mr’s Arschloch zuschnappt», war wohl noch nicht oft in Bluestiteln zu hören.
 
Etwas aus der Rolle fällt der letzte Titel Gang mr ausm Weg, die Hymne eines Autobahndränglers, der eben seinen Ausweis abgeben musste, weil er sich grundsätzlich wie ein Idiot auf der Strasse benimmt. Er drängelt eben ein bisschen, er fährt eben sehr engagiert, aber die anderen Automobilisten (Der kleine Italiener!!!) sind immer schuld. Auch sind manche Reime hier etwas forciert: «Jetzt stoht mei schener Daimler, dohoim in der Garasch / I dorf nemme fahre, des isch mir e Blamasch» ist kein Ruhmesblatt. Falls der Raser-Titel mit Augenzwinkern gemeint war, dann war die ironische Brechung leider nicht zu hören, und so ist es ein etwas stossender Abschluss für eine sonst rundherum gelungene CD. Immerhin kann man dem Titel zugute halten: Hier ist erneut die Verbindung zu Wolle Kriwanek spürbar: auch der fuhr bekanntlich Daimler, aber das erwartet man ja von einem richtigen Schwaben.
Phrase Pig Uff Dr Gass (2013)
Website der Band
Musiker:
Hartmut «Ryno» Rhinow (Gesang)
Peter Liebert (Gitarre)
Ulrich Götz (Schlagzeug)
Gunnar Bremer (Bass)
Christian Vogt (Harp)
Gastauftritte:
Myra Pienaar (Gesang)
Martin Kiemes (Saxophon)
Ulrich Frank (Keyboard)
 
Tracks
Link zu Hörproben:

1. Immer wieder schee 4:10

2. Spielmaschenenblues 3:25

3. Uff dr Gass 4:15

4. Schees Mädle 4:57

5. Heit Morga 3:56

6. S’isch klar 5:43

7. Koi Schlotzer 4:27

8. Zviel gsoffa 4:28

9. Schaffe Schaffe 7:27

10.Liabe macht blind 4:05

11.Verrückt 2:58

12.Fleckahex 4:18

13.Gang mr ausm Weg 4:36

 
 

 

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