Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
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Royal Southern Brotherhood mit Damenbegleitung
Die junge Dame will keine Lady sein. Samantha Fish , die mit Black Wind Howlin‘ ihre zweite Veröffentlichung dem Label «Ruf Records» vorlegt, bemüht sich mit jeder Note, die sie auf ihrer Gitarre spielt sowie mit jedem gesungenen Ton um ein Image als Bad Girl, als Troublemaker. Die wirkt aufsässig und frech, eine Blues-Bitch, die selbstbewusst und stolz auftritt. Black Wind Howlin‘,ihr nach ausgiebigem Touren aufgenommenes Album, bringt alles mit, was ein gutes Album hierzu braucht. Fetziger, rockiger Blues von einer gut eingespielten Band. Hier geht die Post ab. Samantha Fish hat die Unterstützung der Royal Southern Brotherhood zu Hilfe genommen. 12 Titel wurden eingespielt, davon ein Cover, und der Rest von Fish selbst geschriebene Songs. Die Musik ist harter Bluesrock, durchsetzt mit eher akustischen Passagen und einem Slow Blues. Alle Titel sind gut eingespielt und so ist die Musik durchgehend stimmig und ansprechend. Und sie hat jede Menge «Dräck».

Nach der Veröffentlichung von Runaway 2011 liegt nun das zweite Album vor. Auch dieses wurde von Mike Zito produziert, bekannt als Gründer der Royal Southern Brotherhood. Tatsächlich ist bis auf Cyrill Neville auch die gesamte Brotherhood auf dem Album versammelt: Yonrico Scott am Schlagzeug und Charlie Wooton am Bass, und auch Mike Zito (Back-up-Gitarre und Vocals) legt selbst Hand an. An der Harmonika wurde Johnny Sansone verpflichtet, der begeisternd spielt. Bo Thomas spielt Geige auf Last September und Paul Thorn unterstützt den Gesang auf dem Duett Go To Hell. Samantha Fish selbst spielt verschiedene Gitarren, so ist auch eine National Dobro zu hören (auf Let’s Have Some Fun), aber meistens ist sie an ihrer modifizierten Tele zu hören, mit der sie auch auf dem Cover abgebildet ist. Hier ist mal ein Fisch auf eine Gitarre geklebt, ohne es als religiöses Symbol zu meinen.

Das Cover ist Howlin‘ Wolfs Who’s Been Talking («My Baby took a train / left me all alone»), und die Band kriegt den hypnotisierenden Rhythmus des Songs perfekt hin. Fish zeigt ein einfaches Solo, bei dem die Pyrotechnik zurückbleibt und so Hubert Sumlin zurückhaltende Art der Meisterschaft anklingt. Ein grossartiges Stück und ein Höhepunkt des Albums. Der fünfte Titel Over You ist die obligate Blues-Ballade, und hier wandelt sie auf den Spuren von Bonnie Raitts Too Soon to Tell, packt sie das Slide aus. Die aus Kansas City stammende Gitarristin lässt sich durchaus mit Bonnie Raitt vergleichen, zumindest im Gesang blitzen manchmal Ähnlichkeiten auf.

Dies Titel haben insgesamt einen tiefen bluesigen Groove auf den harte Riffs und gelegentlich die Harmonika gelegt werden. Beispielsweise Sucker Born bringt als schreiendes Harmonica-Stück einen harten Chicago-Groove ins Spiel. Lay it Down ist zu rockig für ein Bluestitel, aber ein gut gespielter Bluesrock ist nie ein Grund zur Klage. Interessanterweise versteht man hier den Gesang besser als auf anderen Titeln. Let’s Have Some Fun ist ein Solostück auf der akustischen Slide-Gitarre, wo Fish zeigt, dass sie auch ohne Unterstützung Bluesstimmung zu erzeugen vermag. Eine schöne Abwechslung auf der CD und ein mutiger Schritt, denn der Titel ist sperrig. Der fröhliche Titel und die melancholische Musik scheinen ein Gegensatz zu sein, der den Song interessant macht. Ihr Gesang ist leider nicht immer deutlich zu verstehen, weshalb die eigentlich interessanten Texte Gefahr laufen, verloren zu gehen.

Heartbreaker ist ein weiteres Slide-Stück im bereits typischen Stil des Albums. Imposant gespielter harter Blues bis Bluesrock. Die CD endet mit dem Titelsong, der nochmal einen tollen Chicago-Rhythmus zelebriert. Die Gitarre kann hier ein letztes Mal zeigen, was sie drauf hat. Hier klingt sie genügend nach Jimmy Dawkins, dass Gänsehaut nicht ausgeschlossen ist. Der Titel ist ein weiterer Höhepunkt des Albums. Als Ausklang gibt es dann noch Last September, ein ziemlich unpassender Country-Titel, auf dem die Fiddle zum Einsatz gelangt, und der nach Black Wind Howlin‘ ein Schlag ins Gesicht ist und eine kalte Dusche. Nichts gegen einen guten Country-Titel, aber an dieser Stelle diesen Song, das ist ein Missgriff. Von Black Wind zu Last September ist wie ein Sprung von Joe Bonamassa zu Garth Brooks.

Abgesehen von diesem Ausrutscher ist Black Wind Howlin' ein ausgesprochen gelungenes Werk aus einem Guss, das Reife und eine tiefe Durchtränkung mit dem Blues-Groove dokumentiert. Zu keinem Zeitpunkt klingt es, als sei Fish die schön anzusehende Frontfrau der Brotherhood, sondern dies sind ihre Songs, das ist ihre Musik. Und so ist Samantha Fish eben doch eine Lady, eben eine Blues Lady.

 
Samantha Fish Black Wind Howlin' (2013)
Samantha Fish Gitarren, Vocals
Mike Zito Gitarre, Vocals, Produzent
Yonrico Scott Schlagzeug
Charlie Wooton Bass
Johnny Sansone Harmonika
Bo Thomas Fiddle
Paul Thorn Vocals
 
1. Miles To Go 2:45
2. Kick Around 4:27
3. Go To Hell 4:04
4. Sucker Born 4:56
5. Over You 4:20
6. Who's Been Talking 3:23
7. Lay It Down 4:44
8. Let's Have Some Fun 4:29
9. Heartbreaker 5:36
10.Foolin' Me 4:29
11.Black Wind Howlin' 6:57
12.Last September 4:11
13.
 

 

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