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Seit 1982 lebt er in den USA, seit über 30 Jahren hat er sich dem Blues verschrieben, Walter Liniger ist der Schweizerisch-amerikanische Bluesman schlechthin, ein Gitarrist, Harmonikaspieler und Sänger, der seine eigenen Songs schreibt und der sich nun mit einem Trio als Begleitung zurückmeldet in der Schweiz. Mit Sessions liegt nach einer sieben Jahre dauernden Publikationspause das neueste Album vor. Dieses ist eine musikalische Synthese, welche man als akademische Behandlung des Stoffes «Blues» sehen kann, denn Liniger gibt sich bunt und vielseitig und zeigt unterschiedlichste Facetten des Blues mit grosser Kompetenz und Überzeugungskraft auf, wenn auch insgesamt etwas museal. Aber mit Sessions ist ein Album entstanden, dass beeindruckt, wenn es auch nicht immer zu begeistern vermochte. Begleitet von einer phantastischen Band gibt es eine Tour d’Horizon durch amerikanische Musikstile, aber stets auf der Grundlage des Chicago-Blues.

 

Der Bluesprofessor, der Liniger als Mitarbeiter der University of South Carolina ist, beschäftigt sich auch akademisch mit dem Blues. Er zeigt auf Sessions, wieviele Aspekte des Blues es gibt, wobei Wale Liniger nur alte Stile zeigt, also keinen modernen Power-Blues à la Joe Louis Walker. Hier geht es strikt um Chicago-Blues und um stärker Fingerpicking-betonte Country-Blues-Nummern. Daneben gibt es Exkursionen ins Gebiet der Country-Musik zu bestaunen. Und sogar einen kleinen Trip nach Südamerika. Sessions ist das achte Album von Wale Liniger, die CD-Taufe war Ende Februar im «Haberhaus» in Schaffhausen. Auf Linigers Homepage gibt es weitere Infos zur Person wie die bisherige Diskographie oder auch die aussergewöhnliche Biographie dieses Schweizers, der den Blues suchte und fand.

Stets bemüht Liniger sich um Authentizität, was beispielsweise in den Gesangspassagen deutlich wird: «Tell Nobody where we was last night» oder «Crazy about you baby, ain’t nuthin‘ I can do» sind bewusste Slang-Einsprengsel und Konzessionen an die Dialekte der alten Bluesmen. Die Texte sind inhaltlich überwiegend eine Ansammlung von Bluesklischees, manche Texte wirken wie mit dem Satzbaukasten konstruiert und bei sehr vielen Zeilen kann man schon die nächste vorausahnen.

Als Begleitung hat sich Liniger miteinem Trio aus Schaffhausen zusammen getan, die sich für dieses Projekt The Alligators nennen und das besteht aus Gitarrist Chrigel Burkhard, Bassist Beat Bossart und Schlagzeuger Bernie Ruch. Alle drei sind in der wunderbar transparenten Aufnahme stets klar zu hören und das Zusammenspiel klappt perfekt.

Die einzelnen Songs haben überwiegend gut gefallen, denn sie erschaffen etwa bei den Chicago-Titeln ein Gefühl wie auf einem Strassenmarkt der 50er Jahre, wo an der Ecke eine Band spielt. Irgendwo zwischen Back Porch und Maxwell Street Market klingen viele der Titel.

Manchmal gibt es unvermittelt musikalisch Stilbrüche, die zwar gelingen, aber nicht immer plausibel erschienen. Das Harmonica-Solo auf Intersections ist ein solcher musikalischer Ausbruch, das eingewobene Mussi denn, mussi denn zum Städtele hinaus ist irgendwo amüsant, aber auch befremdlich. Darauf folgt unmittelbar ein Slow Blues mit dem Titel In The Evening, ein auf Five Long Years angelehnter Titel. Hier wird die Stimmung reichlich durcheinander gerüttelt.

Shadows In My Mind ist dann wieder Carolina Picking. Liniger ist mit der wunderbaren Etta Baker befreundet, einer Guitar Pickerin der Carolina Tradition, und Shadows ist in diesem Stil gehalten. Wie beim musikalisch ähnlichen «Mississippi» John Hurt erklingen auch in diesem Song stärker religiös eingefärbte Textzeilen als die üblichen Bluesthemen. Etta’s Dance steht auch in dieser Tradition.

Der bemerkenswerteste Titel ist dann Casablanca Tango. Wie der Titel schon sagt, ist dies kein Blues, sondern ein Instrumentalstück, das als Tango-lastiges Gitarrensolo beginnt und dann ein musikalisches Potpourri bietet, in dem das Intro zu Stairways to Heaven ebenso vorkommt wie Country-klänge und sogar La Paloma. Das alles ist sehr virtuos gespielt, man muss sich einfach auf einen Stilmix einstellen, der sämtliche Genregrenzen niederreisst. Bass und Schlagzeug bieten ungerührt ein wunderbar verbindendes Element zwischen der musikalischen Tour d’Horizon. Solche Titel kennt man vielleicht beispielsweise auch von Bugs Henderson, aber Liniger bleibt im Vergleich zu diesem distanzierter, er spielt einen Titel nach dem anderen ab, eher als dass er sie zu einem Ganzen verschmilzt.

Mit Broken Hearted Blues sind wir dann für einen Song wieder zurück beim elektrischen Slow-Blues. Good-Bye Booze ist ein Trinker-Country-Titel, bei dem das Schlagzeug neue Saiten aufzieht und mit leicht jazziger Snare-Drum, wunderbar fetzig den Song treibt. Kompliment an Bernie Ruch für diesen perfekten Drumpart.

Insgesamt mehr eine Sammlung von Einzeltiteln, ohne einen grösseren musikalischen Zusammenhang, aber jedes Stück für sich ist ein Kleinod, minutiöse den authentischen Sound vergangener Tage erschaffend und äusserst fachkundig.

 
Wale Liniger and The Alligators Sessions (2014)
Wale Liniger – Gesang, Gitarre und Mundharmonika
Chrigel Burkhard - Gitarre und Gesang
Beat Bossart - Bass
Bernie Ruch - Schlagzeug
 
1. I Wanna Know 4:53
2. Bad Luck Man 4:22
3. Quicksand 5:04
4. Mind Your Own Business 3:59
5. Intersections 2:27
6. In The Evening 6:55
7. Shadows In My Mind 3:59
8. Move Across The Deep Blue Sea 5:30
9. Etta's Dance 2:25
10.Things Have Changed 5:03
11.Casablanca Tango 6:40
12.Broken Hearted Blues 6:17
13.Good-Bye Booze 3:03
14.Below Zero / Walk All Night Long 5:52

 

 

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Kürzlich angehört

MarcoMarchiStandupCDCover
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Meisterlich old fashioned

Mit Marco Marchi und seinen Mojo Workers liegt man immer richtig. Live sowieso, aber auch…

YoungFastRunningManYoungBirdCDCover
Comments0
Attraktiv vielseitig

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Erscheinen seines Debutalbums Young Fast Running Man

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