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Claptons zweite Verneigung

Nach dem Album Me and Mr. Johnson von 2003 hat Eric Clapton mitThe Breeze : An Prececiation of J. J. Cale zum zweiten Mal ein Tribut-Album herausgebracht. Damit hat er seine beiden wichtigsten musikalischen Einflüsse Robert Johnson und J. J. Cale gewürdigt und sich öffentlich vor seinen Heroen verneigt. Schön für ihn. Aber wie sieht es für uns aus, die wir die Musik hören sollen? Das lange angekündigte Warten ist um, nun kann man den eigenen Ohren die Urteilsfindung überlassen. Bluesnews.ch hat sich das neue Album angehört und eines kann man sicherlich sagen: Es ist völlig anders als Me and Mr. Johnson.

Während als Grundlage von Eric Claptons Verneigung vor Robert Johnson der Versuch stand, die Titel neu zu interpretieren, also eine Neufassung bekannter Songs einzuspielen, steht hier der konservatorische Gedanke im Vordergrund: J. J. Cale ist, was er ist und genauso wie der Meister sind die Songs auch auf diesem neuen Album einzuspielen. Entsprechend zeigt das neue Album wenig Mut und Experimentierlust als vielmehr eine konservative Grundhaltung. Das Album bringt originalgetreue Coverversionen einiger der bekannten oder weniger bekannten Titel von J. J. Cale (1938-2013). Cale, der am 26. Juli 2013 starb, wird nun am ersten Todestag mit einem Tribute-Album geehrt, auf dem neben Eric Clapton weitere namhafte Musiker mitspielen, namentlich Willie Nelson, Mark Knopfler, Tom Petty, Don White und John Mayer. Neben diesen Herren ist auf einem Song mit Clapton noch Christine Lakeland vertreten, die zweite Gitarre hinter J. J. Cale und ehemaliges Mitglied seiner Band. Die verschiedenen Protagonisten covern berühmte Titel wie Cajun Moon, Sensitive Kind, Lies oder den Titelsong Call Me The Breeze. Daneben gibt es einige Titel, die selten gesungen wurden, manche sind sogar von Cale selbst zu Lebzeiten nie veröffentlicht worden. Alle Covers sind mit grosser Sorgfalt gespielt und gesungen und drücken die Verehrung für den so geehrten Songwriter aus.

Ob einem das Album gefällt oder nicht, dürfte nicht nur damit zu tun haben, ob man die 1970er Phase von Eric Clapton schätzt oder nicht, jene Zeit, in welcher der ehemalige «Gitarrengott» sich als Songwriter präsentierte, der nicht nur als Gitarrist wahrgenommen werden wollte. Vor allem dürfte viel vom Appeal dieser CD davon abhängen, wie vertraut man mit dem Oeuvre von Cale selbst ist. Denn die Versionen, die auf The Breeze zu hören sind, unterscheiden sich in der der Regel nicht oder kaum vom Vorbild und Original. Daraus folgt: wer mit den Cale-Titeln sehr vertraut ist, für den wird dieses neue Album wenig Substantielles bieten. Wer sich mit J. J. Cale und seiner Musik nicht gut auskennt, dem wird hier eine Türe zum Singer-Songwritertum der 1970er Jahre geöffnet und zu den sparsamen, mitunter spärlich instrumentierten Post-Country-Americana J. J. Cales.

Für Eric Clapton war J. J. Cale eine Offenbarung, denn in seiner Phase in den frühen 1970er Jahren, als er seinen Weg vom Gitarrenolymp suchte, orientierte sich Clapton an The Band oder Delaney & Bonnie und weiteren kurzlebigen Formationen, bei denen er aber selbst nicht mehr richtig hineinpasste. Die unaufgeregten und entspannten Songs J. J. Cales boten ihm den Raum, sich als Sänger und Bandleader zu entwickeln, und bekanntlich hatte er mit Cocaine und After Midnight zwei grosse Hits. Beide Titel stammen aus Cales Feder. Die beiden Herren verbandein gemeinsames Verständnis von Musik und ihre Kooperation und Freundschaft manifestierte sich hörbar im Album Road to Escondido, das die zwei unter ihrer beiden Namen als Kooperation publizierten.

Als Clapton die Nachricht vom Tod Cales erhielt, begann er sich – nach eigenen Angaben – mit dem Gedanken an ein Tribute-Album zu beschäftigen und  bereits bei seiner Abdankung war der Plan gereift. Also rief Clapton einige Bekannte an, die ebenfalls Verehrung für den schweigsamen Oklahoma-Mann gezeigt hatten und verteilte Cover-Versionen. Mark Knopfler, der sich in den vergangenen 20 Jahren gewissermassen zu einem schottischen J. J. Cale gewandelt hat, nahm Someday und er spielt auf Train to Nowhere mit. Tom Petty entschied sich für The Old Mand and Me und zwei Duette mit Clapton. Der unverwüstliche Willie Nelson schliesslich übernahm Songbird und Starbound, wobei beide Titel m.E. nicht von Cale stammen. Wieso sie trotzdem auf dem Album sind? Clapton fragen!

John Mayer, der auf seiner jüngsten Veröffentlichung Paradise Valley noch den Titel Call Me The Breeze beinhaltete, covert hier Magnolia, ein zauberhaftes Liebeslied von Cales Erstling Naturally. Mit Clapton spielt er ein Duett auf Lies. Nach viermaligem Durchhören des Albums sticht noch immer Magnolia heraus, für meinen Geschmack räumt John Mayer hier den ersten Preis ab für das stimmungsvollste Lied. Don White, ein nicht allzu bekannter Liedermacher, covert Sensitive Kind, I’ll Be There und Train to Nowhere. Seine Singstimme erinnert am meisten an jene des Originals. Diese lakonische Qualität ist auch bei White rauszuhören.

Eric Clapton selbst spielt auf vielen Titeln mit und er selbst covert den Titelsong, die Hymne Call Me The Breeze, ein Titel, den schliesslich schon Lynyrd Skynyrd im Programm hatten. Clapton war also die treibende Kraft hinter diesem Album und mit dieser CD errichtet der Schmerzensmann der Rockgeschichte einem weiteren Weggefährten ein Denkmal. Cale reiht sich somit ein in die Reihe der bewunderten und befreundeten Musiker (Jimi Hendrix, Duane Allman etc. etc.), die Clapton schon zu Grabe tragen musste.

Das ist aber alles historisches oder journalistisches Drumherum. Wie ist denn die Musik auf The Breeze? Selbstverständlich und wie von solchen grossen Namen zu erwarten sind die Titel gut gespielt, die Gitarrensoli werden dem Stil des sympathischen Eremiten der Rockmusik durchaus gerecht. Den Covers ist auch die Begeisterung für die die Originale anzuhören. Dennoch: nach mehrmaligem Anhören kann ich eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen: Der nuschelige Sprechgesang von J. J. Cale wird hier von anderen begnadeten Nuschlern wie Knopfler oder White so formvollendet weitergeführt, dass die Unterschiede schwer auszumachen sind. Beim ersten Anhören hatte ich bei gewissen Titeln anfangs sogar den Verdacht, die Stimme Cales sei von einem Band hinzugezogen worden. Die Gitarrensoli Claptons erinnern an seine Platten der 1970er Jahre wie There’s One in Every Crowd oder Another Ticket, als Saitenziehen tabu war und der Nashville-Sound die Soli dominierte. Ich hätte mir etwas mehr Mut bei der Interpretation der Stücke erhofft, auch mal eine Frauenstimme oder ein Cover von jemandem, der nicht als Gitarrist Futore machte. Diese artfremden Elemente fehlen etwas und dadurch wird die CD zu sehr zu einer Cale-Platte, auf der bloss der Meister selbst fehlt.

Wer Clapton kennt, aber mit J. J. Cale nicht vertraut ist, für den gibt es hier aber viel zu entdecken an poetischen Texten, sparsamer Instrumentierung und Songs, die Luft haben, die atmen und Raum lassen. Das Genie von J. J. Cale wurde hier auf jeden Fall gut gewürdigt.

 

Eric Clapton & Friends The Breeze : An Prececiation of J. J. Cale


1. Call Me The Breeze Eric Clapton
2. Rock And Roll Records Eric Clapton & Tom Petty
3. Someday Mark Knopfler
4. Lies John Mayer & Eric Clapton
5. Sensitive Kind Don White
6. Cajun Moon Eric Clapton
7. Magnolia John Mayer
8. I Got The Same Old Blues Tom Petty & Eric Clapton
9. Songbird Willie Nelson & Eric Clapton
10. Since You Said Goodbye Eric Clapton
11. I’ll Be There (If You Ever Want Me) Don White & Eric Clapton
12. The Old Man And Me Tom Petty
13. Train To Nowhere Mark Knopfler, Don White & Eric Clapton
14. Starbound Willie Nelson
15. Don’t Wait Eric Clapton & John Mayer
16. Crying Eyes Eric Clapton & Christine Lakeland
 
 

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