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Bester Chicago Blues

Einer der zahlreichen «unsung heroes» des Blues ist der Chicago-Bluesman John Brim, dem hier endlich mal ein Kränzchen gewunden werden soll. Seine einzige Veröffentlichung im CD-Format ist The Ice Cream Man aus dem Jahr 1994, daneben gibt es nur vereinzelte Aufnahmen auf Samplern, etwa auf der Chess Blues Box. Dass es nur diese eine CD von dem Mann gibt, ist eine Tragödie für sich, aber so war die Blueswelt eben leider damals: obwohl Chicago über eine reiche Szene verfügte, haben es Plattenlabels versäumt oder nicht geschafft, die Bluesmusiker systematischer und breiter aufzubauen, weshalb John Brim ein wenig bekannter Name geblieben ist. Dies hat aber in keiner Weise etwas mit seinen musikalischen Fähigkeiten zu tun. Wenn es auch nur diese eine CD gibt, so ist darauf allerdings die Lebensweisheit und musikalische Erfahrung eines erfahrenen Bluesman festgehalten und entsprechend ist das Album reines Gold und definitiv die Anschaffung wert.


John Brim (1922-2003) war von 1947 bis kurz vor seinem Tod ein Mitglied der Bluesszene Chicagos mit allen bekannten und in Duzenden anderen Biographien bereits erzählten Versatzstücken. Brim war ein Autodidakt an Gitarre und Harmonica, kam zum Blues über Aufnahmen von Big Bill Broonzy und Tampa Red, die er nachspielte. Der in Kentucky geborene Brim zog in den 1940er Jahren nordwärts, und kam so auch 1947 nach Chicago. Dort nahm er 1953 für «Chess» Titel auf, über deren Veröffentlichung er sich aber mit dem Label zerstritt. Zwischenzeitlich arbeitet er in einer chiemischen Reinigung. Seit den 1990er Jahren trat er regelmässig am «Chicago Blues Festival» auf. Die auf The Ice Cream Man zu hörende seine Musik entspricht jeder Vorstellung von Chicagoblues: Schlagzeug, Bass, Piano, 2 Gitarren und hier noch ein Saxophon, bzw. in einem Titel sogar zwei davon. Der letzte Titel Goin‘ Down Slow ist dann ein akustisch instrumentierter Blues.

Was dieses Album magisch macht ist die Perfektion, der Groove, das was auf diesen Seiten immer wieder beschworen wird, weil man es so schlecht mit Worten beschreiben kann. Der Blues ist hier tief und warm und einfach genau so, wie guter Chicago Blues zu sein hat. John Brim hat sich für die Aufnahme mit Leuten zusammen getan, deren Fähigkeiten er kannte, die grössten Namen darunter sind Jerry Portnoy und Bob Margolin, aber jeder einzelne Musiker ist ein erfahrener Meister seines Instruments und zutiefst im Blues zuhause. Alle harmonieren wie ein bestens eingespieltes Team, alle kennen die Regeln, wie ein Kollektiv gute Musik erzeugt.

Hinzu kommt als unterscheidender Faktor der meisterliche Gesang John Brim. Von Natur aus scheint Brim bereits mit einer tollen Stimme gesegnet: sonor, etwas heiser, einfach die perfekte Bluesstimme. Am meisten erinnert sein Gesang vielleicht an Jimmy Rogers odervielleicht sogarBobby «Blue» Bland. Wie dieser hat Brim ein kleines Tremolo bei gewissen Vokalen. Beim Blues klingt das Wort «ba-a-a-a-d» eben besonders gut, aber auch «everything is going wro-o-o-ng». Wie gesagt, meisterlich. Eine tolle Stimme, eine perfekte Band, kurze und prägnante Soli, besser kann
Das Album wurde für einen «W.C. Handy Award» in der Sparte Traditional Blues nominiert, hat den Titel aber nicht gewonnen.

Und John Brims Titel Ice Cream Man wurde auf ihrem 10 Album von Van Halen aufgenommen in einer sehr schönen Fassung, die akustisch beginnt und dann erwartungsgemäss explodiert (vgl. ). Vom Geld, das er durch das Cover erhielt, denn es war sein Song, öffnete John Brim einen Nachtklub in der Windy City.

 

John Brim The Ice Cream Man(1994)

John Brim Gesang, Gitarre
Bob MargolinGitarre
Tom «Mookie» Brill Bass, Harmonica auf 4. & 12
Wes JohnsonSchlagzeug
Jerry PortnoyHarmonica
T. David Cunningham Tenor Saxophon
Michael «Mudcat» WardBass auf 8
«Sax» Gordon BeadleTenor Sax auf 3.
Tino BarkerBariton Sax auf 3.
 
1. Ice Cream Man 3:03
2. Jump With Me 4:06
3. Lonesome Man Blues 3:44
4. Tough Times 3:12
5. Wake Up America 3:36
6. This Old Hangover 2:47
7. Old Time Boogie 3:09
8. Be Carefull 3:12
9. Standin' Around Cryin' 4:17
10. Messin' Around 3:53
11. Can't Hold Out Much Longer 3:24
12. I Wonder Why 3:48
13. Goin' Down Slow 4:52
                      

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