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Bluesrock der klassischen Sorte

Ben Poole ist der Name eines jungen Blues-Rock Musikers aus England, der dabei ist, sich einen Namen zu machen. Als er die Chance erhielt, In für die Paul Jones Show auf BBC Radio 2 im Rahmen des «Bluesfest 2013» der Royal Albert Hall zu spielen, nahm er dieses Album auf, das eine Live-Atmosphäre einfängt. Dazu gibt es einen Bonus Studio-Track. Seine Musik ist im Blues verwurzelter Rock, den der 25-jährige Gitarrist und Sänger mit einer dreiköpfigen Begleitband spielt. Die Aufnahmen wurden zum Schluss einer grossen Tournee gemacht und man merkt die Vertrautheit der Band. Für Blues-Puristen ist dieses Album zu wenig, die meisten Titel sind fetziger Bluesrock à la den Britischen Klassikern oder Joe Bonamassa in seinen Rock-Titeln. Wer es gerne auch mal kacheln lässt, für den ist dies das rechte Album. Der studierte Musiker Ben Poole bietet Mengen eine Musik, welche die Klassiker alle in sich aufgenommen hat und die mühelos Genres mischt und vertauscht, stets auf der Suche nach dem Groove.

Die Royal Albert Hall hat in den letzten Jahrzehnten für sich den Ruf eines exquisiten Musik-Tempels errichtet, mit Auftritten von Cream, B.B. King, Led Zeppelin oder Joe Bonamassa, abgesehen von den jährlichen Eric Clapton «Festspielen». Hier wird diese Bühne Ben Poole angeboten, der auf dieser Aufnahmen den Eindruck macht, er geniesse diese grosse Bühne. Spielfreude ist bei aller verständlichen Routine mit der Tourband immer wieder auszumachen.

Es gibt leider etwas wenig Musik, vielleicht war der Auftritt einfach nicht länger? Auf jeden Fall gibt es hier nur gerade 53 Minuten mit 9 Titeln auf der CD, davon ein Intro von 50 Sekunden, Have You Ever Loved a Woman mit 11 Minuten das längste, Mit (I Know) I’m Losing You gibt es ein weiteres Stück von fast 10 Minuten. Die Band besteht neben Ben Poole (Gitarre, Gesang), Craig Bacon (Schlagzeug), Mat Beable (Bass), Sam Mason (Keyb.) und Amy Eftekhari (backup vocals). Die Tastenarbeit von Mason ist herausragend, er kann der deutlich in den Vordergrund gerückten Gitarre die Balance eines weiteren Melodieinstruments geben Schöne Soli wie auf It Doesn't Have To Be That Way kommen hinzu. Die Rhythm Section klang unauffällig und stets songdienlich, allerdings spielen sie kaum Blues. Der Gesang ist sehr gut, erinnerte deutlich an Johnny Langs junge, aber dennoch rauchige Stimme. Kraftvoll gesungen ist der Gesang wirklich eine der Stärken der CD.

Ben Poole spielt in erster Linie Gitarrenmusik – auf seiner Website gibt es eine vollständige Liste der verwendeten Geräte des Gitarristen – und er kümmert sich sicherlich nicht so sehr um Genres, die Aufnahmen hier atmen den Geist der Rockmusik, zu gleichförmig sind die Beats, zu stark wird die 12-Takt-Form verlassen, als dass man von Blues sprechen könnte. Im Gegensatz zum anderen jungen Engländer Todd Sharpville, dessen Erstlings-CD ihn eindeutig als Bluesman ausweist, schert sich Ben Poole nicht um diese Fragen und er bringt jeden Song zu einem Over-the-Top Rock-Höhepunkt. Bezeichnend nichtssagend hierbei seine eigene Charakterisierung der Musik: «There are obviously lots of blues and rock elements, but also some soul, funk, gospel and country influences going on.» Also Jazz, Oper oder persische Sufi-Musik sind nicht zu erwarten?

Seine musikalischen Vorbilder hat Poole zu einem Grad verarbeitet und in seinen Sound integriert, dass – wie auch bei Bonamassa – kein einzelner Musiker heraussticht. Sein Sound ist ein Substrat des klassischen Blues-Rock-Repertoires, Otis Redding ebenso wie Eric Clapton oder The Allman Brothers. Insbesondere bei längeren Soli wie in Love Nobody No More erinnert der Sound an den ausgiebigen Einsatz der Dur-Pentatonik à la Warren Haynes‘. Insgesamt klingt Ben Poole enorm nach zeitlosem «Classic Rock» und somit fehlt etwas die persönliche Note, das Individuum Ben Poole. Richie Kotzen, mit dem Poole schon die Bühne teilte, sagte zutreffenderweise «It’s very refreshing to hear someone in today’s time who reminds me of the guys who inspired me when I was young.» (offizielle Website)

Angefangen beim kurzen Funk-Rock Let’s Go Upstairs kommt einer Reihe von Eigenkompositionen und Covers, darunter (I Know) I'm Losing You von den Temptations und Freddie Kings Have You Ever Loved a Woman, das bei Poole allerdings nach einem einminütigen Solo-Intro mit einer beliebigen Bluesbegleitung gespielt wird und nichts mit den bekannten Versionen zu tun hat ( spielt er denselben Titel an der «European Blues Challenge 2012»). Nur noch der Text stimmt mit Kings Original überein. Von Otis Redding/Steve Cropper stammt Mr. Pitiful, ein auch von Taj Mahal oder den Commitments gecoverter Song. Die Eigenkompositionen sind gute Musik, aber wenn in Poole ein begnadeter Songwriterschlummert, dann noch tief und fest. Love Nobody No More ist eine Rockballade, aber das Gitarrensolo ist deutlich Blues. Hier sind die Wurzeln zu spüren. Die als Studio-Aufnahme hinzugefügte Funk-Nummer Starting All Over Again ist wohl dabei, weil sonst die CD nochmal 3:50 kürzer gewesen wäre. Dieser radiotaugliche Song wurde mit einer anderen Band eingespielt. Wayne Proctor am Schlagzeug und Bob Fridzema an den Tasten, die beide hervorragend Poole unterstützen.

Insgesamt eine CD, die Spass macht, die grossen Bluesrock bietet, mitunter etwas zurückhaltender als Joe Bonamassa, aber sicher auch in dieser Preislage, bietet Live at Royal Albert Hall eine gute Möglichkeit, einen jungen Gitarristen und Sänger kennen zu lernen, der in den kommenden Jahren auf vielen Festivals zu sehen sein wird, denn er macht gute Stimmung und er kann hervorragend Gitarre spielen.

 
Ben Poole Live at The Royal Albert Hall (2014)

1. Intro 0:50
2. Let's Go Upstairs 3:54
3. Love Nobody No More 6:19
4.  (I Know) I'm Losing You 9:48
5. Mr. Pitiful 5:23
6. It Doesn't Have To Be That Way 7:49
7. Leave It On 5:06
8. Have You Ever Loved A Woman? 11:00
9. Starting All Over Again 3:49

 
 

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