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Stimmungsvoll und abwechslungsreich

Little Chevy ist das Alter Ego der Basler Sängerin und Gesangslehrerin Evelyne Péquignot. Eine Frau aus den späten Fünfziger-, frühen Sechzigerjahren, irgendwo zwischen Landpomeranze und Diva, die mit abgewetztem Lederkoffer und wechselndem, auffälligen Äussern, oft mit Petticoat, zusammen mit Ihrer Entourage Markus Werner (git, voc), Roland Koeppel (p, Hammond), Christoph Schwaninger (p), Rainer Schudel (b) und Andy Lang (dr) seit 2010 rund zweihundert Mal in den Konzertsälen und Bluesclubs aufgetaucht ist.

Nun hat die Gruppe ihr erstes Album vorgestellt: Sweet Home. Produziert und publiziert hat es die Band. Aufgenommen wurde es im Studio ww6 in Frenkendorf. Am 20. November 2014 war die CD Taufe im Sudhaus in Basel. Auch hier spielte die Band, bis schliesslich Little Chevy mit ihrem unvermeidlichen Koffer von irgendwo her kam und den Weg zur Bühne fand. Dann wurden in erster Linie die Songs des CD Erstlings vorgestellt. Etwa nach dem dritten Stück brachten zwei «Matrosen» einen  riesigen Schrankkoffer, den sie auf die Rampe stellten und öffneten. Darin befand sich im Deckel eine Art Käsperlitheatervorhang mit einer kleinen Discokugel, darunter die neuen CDs. Es hatte also gerade noch gereicht, die Silberscheiben rechtzeitig zu liefern. Hübscher Einfall!

14 Titel enthält die CD, alle geschrieben von Evelyne Péquignot und Andy Lang. Die Songs sind abwechslungsreich und voller Stimmung. Alle sind gradlinig und ohne Firlefanz eingespielt. Little Chevy trifft die Gefühlslange jedes einzelnen Titels sehr gut und weiss ihre glasklare Stimme perfekt einzusetzen. Die Band unterstützt sie formidabel. Stilistisch ist das Album breit gefächert, bedient sich der diversen Schattierungen des Blues, nimmt auch eine Prise Pop mit auf, kurz gesagt: moderner Blues ohne Berührungsängste. Sie wird auch weniger bluesaffinen Musikfreunden gefallen, ohne dass zu viele Kompromisse Richtung Mainstream gemacht wurden. Vor allem sind die Songs unverkennbar, allein durch Little Chevys charakteristischen Gesang. Eine CD, die einen auch nach vielfachem Hören nicht verleidet.

You’re Fired, ein Tango-Blues eröffnet das Album und handelt vom rechtzeitigen Beenden einer Beziehung, wie auch Don’t Wait Too Long, der als klassischer Zwölftakter daher kommt. Ebenfalls um das älteste Thema der Welt - Mann und Frau – geht es im temperamentvollen Shuffle Honey mit Roland Koeppels feinem Pianospiel. Funky wird es in What A Shame, einem Titel über das verlassen werden. Das gleiche Thema behandelt auch die herrlich schmachtende, Country inspirierte Ballade Broken Heart. Dafür findet Sally schliesslich ihren Mister Right und es ist erst noch Liebe auf den ersten Blick.

Vom Ausbrechen aus seiner Rolle gegen alle guten Ratschläge handelt das jazzig gewürzte Rolling Stone, das wohl eigene Erfahrungen beschreibt. Wunderbar veträumt erzählt Watching Over Me von der Erinnerung an einen geliebten Menschen, vermutlich des Grossvaters. Little Chevys Gesang bringt die ganze Sentimentalität dieses Gefühls auf den Punkt und lässt einen ebenfalls in ähnlichen, eigenen Erinnerungen schwelgen.

Etwas rockiger geht es, passend zum Titel, in Rocking Chair zu. Der Song erzählt vom «nach Hause kommen». Ebenfalls von der Sehnsucht nach einem Ort der Sicherheit und der Ruhe - eben nach einem Zuhause - handelt das titelgebende Sweet Home und auch hier trifft sie exakt den Punkt, vermeidet jeden Hauch von Schmalz. Unterstützt wird sie von Roland Koeppels subtilen Hammond Spiel.

Im Reggae inspirierten Riverside schwärmt Little Chevy von der wunderbaren Wirkung des Flussufers. Da es in Rolling Stone heisst: «Never been to the Mississippi» nehmen wir an, es sei das Rheinufer. . .

Homeless Man erzählt die traurige Geschichte eines Ausgestossenen oder sonstwie Gescheiterten, man weiss es nicht genau, weil sich niemand um ihn kümmert, weil er alleine gelassen wird, weil es noch nicht einmal bemerkt wird, wenn er eines Tages nicht mehr da sein wird. Als fröhlicher Kontrapunkt folgt That’s Me. Wie in Rolling Stone lässt sich Little Chevy  erneut ein wenig in ihr Herz schauen.

Im Stil der Klagelieder der schwarzen Bevölkerung zur Zeit der übelsten Unterdrückung endet das Album mit Same Old Story  nachdenklich. Es handelt von der Gier und der Macht des weissen Mannes, der Unterdrückung der Andersartigen und deren Verzweiflung.


Website Little Chevy

Little Chevy – Sweet Home (2014)


Little Chevy (voc)
Markus Werner (git, voc)
Roland Koeppel (p, Hammond)
Christoph Schwaninger (p)
Rainer Schudel (b)
Andy Lang (dr)

1   You’re Fired 3:52
2   Honey 3:10
3   Rocking Chair 3:10
4   What A Shame 3:12
5   Broken Heart 3:05
6   Rolling Stone 1:53
7   Sally 3:43
8   Watching Over Me 4:54
9   Riverside 2:36
10   Homeless Man 4:48
11   That’s Me 2:44
12   Don’t Wait Too Long 3:28
13   Sweet Home 3:53
14   Same Old Story 4:16

 

 
 

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