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Grenzenlos

Der Gewinner des «Swiss Blues Award» 2013 verwöhnt seine Hörerschaft mit einem Solo-Doppelalbum. Richard Koechli spielt auf Searching for the Blues auf der Bühne und im Studio bekannte Titel und selbst geschriebene Filmmusik, und die ganzen 40 Titel dieser zwei CDs hindurch bleibt es ein reines und zusehends grösseres Vergnügen, Richard Koechli zuzuhören. Im Gegensatz zu anderen Alben ist er hier weitgehend Solo unterwegs und das bedeutet, dass sich vollkommen frei innerhalb seiner Musik bewegen kann. Sie wirkt dadurch grenzenlos und lässt Raum für jede erdenkliche Nuance, die Koechli natürlich auch in der Lage ist, auszudrücken. Die Covers auf der ersten Scheibe enthalten einige Leckerbissen, die von Richard Koechli auf CD bisher nicht zu hören waren. Die zweite CD ist der Soundtrack zum erfolgreichen Schweizer Film De Goali bin ig von Sabine Boss nach einer Vorlage von Pedro Lenz. Für die Filmmusik erhielt Koechli damals den «Schweizer Filmpreis».

Die beiden CDs, die Richard Koechli unter dem Titel Searching for the Blues veröffentlichte, sind unterschiedlich in ihrer Entstehung, aber einheitlich insofern, als beides Soloarbeiten des Schweizer Bluesman sind. Die erste CD enthält 15 Songs von einem Konzert im französischen «Hall Blues Club», die überwiegend Solo gespielt sind, dazu singt der Künstler mit seiner Stimme, die wenig schmetternd-kraftvoll ist, dafür emotional tief und intensiv. Sein Gesang orientiert sich am schmeichelnden und einnehmenden Genuschel eines J.J. Cale oder Mark Knopfler.

Harmonica-Unterstützung erhält Koechli beim Titel In the Spirit durch einen nicht näher bezeichneten Gregg. Schon dieser eine Titel zeigt viel. Der Instrumentaltitel In the Spirit klingt wie ein Amalgam aus It Hurts me Too oder Sitting on Top of the World. Und dass diese beiden Songs überhaupt zusammen passen, das macht die virtuose Ausführung Richard Koechlis möglich. Die Setlist jenes Abends umfasste Titel wie Mystery Train, It Hurts me Too oder Freight Train. Letzteres klingt praktisch wie das Original von Elizabeth Cotton, nur so viel besser gespielt mit einem makellosen Tempo. Den Vogel schiesst Richard Koechli dann aber ab mit Wish You Were Here, das er nicht nur covert, sondern dessen Charakter er auch neu definiert. Koechli holt Blues aus diesem Titel heraus, den man dort gar nicht vermutet hätte. Einfach ganz grosse Klasse. Aber auch die akustischen Bluestitel wie der Kokomo Arnold zugedachte Kokomo dans mes rêves sind wunderschön und mit Autorität gespielt. Der Titel, gebaut um das Riff von Muddy Waters' I Can't Be Satisfied, ist französischsprachig.

Die zweite CD enthält die angesprochene Filmmusik, die Koechli im Auftrag schrieb und die zum Erfolg des Films das ihre beigetragen haben dürfte. Diese Filmmusik ist einerseits Bluesmusik, aber auch Gitarrenmusik, die man eher in die Sparte «keltisch» einsortieren würde. Barde Taliesin für Regi beispielsweise ist ein Instrumentalstück mit etwas über 2 Minuten perfekter Schottischer Folk-Gitarre, wie es Folk-Spezialist Ian Melrose spielen würde. Stilistisch eine Erweiterung, nicht ein Bruch, der sich anschliessende Goalie Blues 2 passt so nahtlos dazu, wie ein Adagio an ein Vivace in der klassischen Musik. Dass der dann folgende Titel Verliebt kein 12-Takt-Blues ist, erscheint auch sinnvoll, aber die Musik evoziert die Verliebtheit und nimmt zugleich den Schmerz schon vorneweg. Musik ist Gefühl, und das wird hier einmal mehr deutlich.

Manche dieser Titel des Soundtracks sind gesungen und häufig hat Richard Koechli mehrere Spuren übereinander gelegt, so dass die CD sehr abwechslungsreich ist, aber stimmungsmässig einheitlich. Die Filmmusik ist ein grossartiges Vehikel, um Koechlis Gefühl für Spannung auf die Spitze zu treiben. Wie die Filmmusik zum Film Rush für Eric Clapton die Möglichkeit bot, seiner Musikalität freien Lauf zu lassen, so spielt auch Koechli auf diesem Soundtrack zu De Goali bin ig die Musik, die tief in ihm gereift ist und hier mit bewundernswerter Virtuosität zum Ausdruck kommt.

Auf beiden CD spielt Koechli mit und ohne Slide, und der Ton seiner Gitarre ist unendlich warm und freundlich, selbst wenn das Slide aufheult. Sein Gesang ist ruhig und der Musik entsprechend. Die Musik ist irgendwo im Spannungsfeld zwischen besagtem Ian Melrose, Ry Cooder, David Knopfler und J.J. Cale angesiedelt. Das Doppelalbum ist folglich laid-back und intensiv für aufmerksame Hörer, zugleich aber auch als Backgroundmusik perfekt geeignet. Richard Koechli zeigt auf diesen zwei CDs, wieso er zahlreiche Preise gewinnt. Des Mann ist ein Meister und auf diesen CDs ist er aller Grenzen beraubt, und entsprechend fliegt seine Musik zu neuen Höhen.

 
Richard Koechli Searching for the Blues (2015)
1. Gotta serve somebody 6:10
2. It hurts me too 4:18
3. Kokomo dans mes rêves 5:06
4. After Midnight 4:19
5. Blues-Police Song 2:54
6. In the spirit 4:31
7. Easy Road 4:14
8. Freight Train 3:25
9. My Slide is crying 5:20
10. Wish you were here 5:07
11. You gotta move 4:05
12. Honest I do 3:37
13. Before you accuse me 5:47
14. Mystery Train 5:56
15. Ce soir 3:03
CD 2    
1. Dem Blues auf den Fersen 5:35
2. Goalies Intro 2:07
3. Regis Kuchen 1:18
4. Goalie Blues 1 0:44
5. Panini 1:24
6. Uf der Rückfahrt 0:46
7. Barde Taliesin für Regi 2:13
8. Goalie Blues 2 0:51
9. Verliebt 1:14
10. Chlapf 0:46
11. Chont ned guet 0:53
12. Am Meer 1:25
13. Ueli wird gesund 0:46
14. Chrommi Gschichte 1:26
15. Blumen für Regi 1:02
16. Chalti Duschi 2:07
17. Ich nems ned gierig 0:54
18. Harvest 2:07
19. Verzaubert 1:34
20. Drohend 0:57
21. In Gefahr 1:49
22. Erwachen 1:21
23. Spielen 1:15
24. Der Traum 2:20
25. Lucerne is a Blues Town 4:14
 

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