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Der Bluesänger K.C. Douglas ist wohl auch unter Bluesfans nicht sehr bekannt. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass der Bekanntheitsgrad eines Musikers oder einer Musikerin oft wenig mit seiner oder ihrer musikalischen Qualität zu tun hat. Wir bei Bluesnews.ch haben natürlich ein breites Interesse an alles möglichen Leuten und so hörte ich mir K.C. Douglas an, denn dessen Album Big Road Blues, eingespielt 1961, wird von «Bear Family Records» als CD der Reihe Original Blues Classics verlegt und so leicht hörbar. Douglas ist ein richtig guter Bluesman der ersten Generation, der eine schöne klare Gesangsstimme hat und gut Gitarre spielt. Dabei erinnert er stilistisch am stärksten an Big Bill Broonzy. Die 11 Titel sind es sicher wert, sich etwas vertiefter mit ihnen auseinander zu setzen. Die Biographie des Mannes folgt nicht dem üblichen Pfad der Migration nach Norden, und so machte Douglas weder Detroit noch Chicago zu seiner Heimat, sondern die Gegend um San Francisco. Dort wurde er zum Lehrer von Seasick Steve, dessen Alben hier auch schon besprochen wurden.

Das Album Big Road Blues zeigt den aus Sharon, Mississippi stammenden K.C. Douglas (1913–1975, Vornamen nur als Initialen bekannt) in Hochform. Sein Stil ist der Solo-Bluesman, ein Mann, begleitet von seiner akustischen Gitarre, that’s it. Sein Stil entspricht seiner Herkunft, er spielt sehr ursprünglichen Delta-Blues, allerdings baut er nicht nur auf Authentizität, sondern auch auf Musikalität, und so sind die Gitarren-Begleitungen seiner hier gesungenen 11 Titel sehr präzise gespielt. Sein Gesang ist kein shouting, sondern sensibler Gesang mit feinem Timbre und Vibrato und vollkommen auf die Musik angepasst, wodurch die grosse Routine deutlich wird, mit der er spielt.

Douglas, der in den 1940er Jahren vom Delta an die Westküste «auswanderte», um dort in den Werften Arbeit zu finden, erlernte den Blues in erster Linie von Tommy Johnson (1896-1956), dessen Titel Canned Heat und Big Road Blues er auch im Repertoire hat. K. C. Douglas arbeitete - wie die Liner Notes der CD verdeutlichen - unterschiedliche und wechselnde Jobs, wie er sie eben finden konnte, und daneben versuchte er am Feierabend als Bluessänger über die Runden zu kommen. Seine Veröffentlichungen wie K.C.‘s Blues (der längste Song des Albums) erschienen alle auf kleinen Labels mit geringer Reichweite und so blieb er mehr eine lokale Bekanntheit. Erst mit dem Folk Blues der 1960er Jahre wurde er zu einem regelmässigen Performer der Coffeehouse-Szene, und auf Festivals erlebte er späten Ruhm.

Den Segnungen der Globalisierung und des Internets ist es zu verdanken, dass wir diese Musik flugs bestellen können und hören, was noch vor 20 Jahren erst möglich gewesen wäre, wenn jemand das Album aus Kalifornien mitgebracht hätte. Doch nicht nur die geographische Distanz ist beeindruckend, auch die zeitliche. In den 1960er-Jahren, als die viele Bluesman die elektrische Gitarre einsetzten, blieb Douglas seinem Stil treu und so spielte er auch auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 1961 noch wie ein Bluesman der 20er oder 30er Jahre. Entsprechend erinnert sein Stil an Big Bill Broonzy, denn er spielt kein Slide, sondern pickt seine Begleitungen. Auf sein Material ist ziemlich konventionell, bekannte Blues-Klassiker, die beim Publikum gut ankommen wie Bottle Up and Go oder Whiskey Headed Woman.

Seinen ursprünglichen und wie in einer Zeitkapsel gespeicherten Bluesstil gab er an einen achtjährigen weissen Jugendlichen wieder, dessen Grossvater eine Garage in Oakland betrieb, wo Douglas einen seiner gelegentlichen Jobs hatte. Der Junge hiess Steven Wold, aber er nennt sich heute Seasick Steve und dieser spielt bis heute auf der Grundlage der Musik, die ihm Douglas vorgespielt hatte (wenn auch oftmals mit Slide). Es ist sicherlich nicht unerlässlich, K.C. Douglas zu kennen und seine Musik zu hören, aber dieser Mann ist Zeugnis für die Reichhaltigkeit dieser Musik, dass der Blues auch mit über 50 Jahren Verspätung noch solche Entdeckungen zulässt.

K.C. Douglas Big Road Blues 
1. Big Road Blues 3:28
2. Howling Blues 2:55
3. Move To Kansas City 2:36
4. Buck Dance 3:07
5. Tore Your Playhouse Down 3:26
6. Bottle Up And Go 4:09
7. Whiskey Headed Woman 3:37
8. Catfish Blues 3:14
9. K.C.'s Blues 5:04
10. Canned Heat 3:55
11. Key To The Highway 4:11
 

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