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Wenn Steine weinen

Sandra Rippstein hat eine Traumstimme. Mit ihrer neusten CD Sweet Soul Music hat sie dafür ein Gefäss geschaffen, das ihre Vorzüge perfekt zur Geltung bringt. Und wenn die Dame schon Rippstein heisst, bietet sich der Vergleich an: Wie in der griechischen Sage Orpheus einst die Steine zum Weinen brachte kann Sandra Rippstein mit ihrem Organ und unterstützt durch The Rippettes mehr als nur unterhalten: sie kann berühren. Die neueste CD, die man über die Website der Künstlerin bestellen kann bietet zwar nur 38 Minuten Musik, aber diese sind rundum zu empfehlen.
 

Sandra Rippstein ist keine Unbekannte. Die Zofingerin hat bereits sechs Alben eingespielt mit unterschiedlichen Bandnamen als Begleitung versuchte sie sich mit einem Mix aus Gospel- Jazz- und Bluesklassikern von What a Wonderful World bis Mary Don’t You Weep. Auf dieser neuen CD, die mit dem Titel Sweet Soul Music vorliegt, engt sie ihren musikalischen Horizont ein, was dem Album nur gut tut, weil es konzentrierter und zielgerichteter daherkommt.

Wie der Titel schon dezent andeutet, geht es hier um die Soul-Klassiker der Machart eines Otis Redding, Etta James, Wilson Pickett oder Sam & Dave. Der Anspruch wird unterstrichen durch die augenzwinkernd feministische Bezeichnung The Rippettes für die Begleitband. Hinter dem Kollektiv im Stil der Begleitsängerinnen von Ray Charles, den Raylettes hat Rippstein aber keine Sängerknaben, sondern eine knackige Band hinter sich geschart, diesmal mit der folgenden Besetzung: Christoph Heule spielt alles, was Tasten hat, Beat Riggenbach bläst auf Sax und Harp dazu kommen Daniel Oswald am Bass und Steve Grant an den Trommeln.
So wie die Bezeichnung der Band und das Hippie-mässig aufgemotzte Cover der CD sind auch die gespielten Titel im besten Sinne retro: alles sind Cover-Versionen. Das Quintett hat sich dazu eine schöne Auswahl von Titeln ausgesucht. Sie interpretieren bis auf eine Ausnahme nicht die Reisser wie Soul Man, Fa-Fa-Fa-Fa-Fa-Fafa-Fa oder 6345789, sondern beschränken sich auf bekannte Titel, die man im Ohr hat, auf die sich in der Erinnerung aber schon etwas Staub gelegt hat.

Die CD eröffnet mit Sweet Soul Music von Arthur Conway, offensichtlich als programmatischem Eröffnungstitel. Authentisch gesungen verleiht Rippstein hier ihrer Liebe zu dieser Musik Ausdruck. Die Länge des Tracks mit 2:33 ist ein weiterer Hinweis auf die betonte Retro-qualität: das Original ist 2:18. Es folgt Let's Take a Walk, einem funky Tanzboden-Klassiker mit grossartigem Groove, bei dem die Band zeigen kann, was sie drauf hat. Wer hier stillsitzt, hat nicht begriffen, was gute Musik ist. Rippstein tanzt scheinbar schwerelos auf dem bocksoliden Untergrund, den ihr die Rippettes bereiten. 

Es folgt Coco Montoyas Beginner at the Blues, eine erste eindeutige Bluesnummer, aus der man John Mayall deutlich heraus hört. Beim folgenden Titel wird man sich fragen, ob man Retro auch übertreiben kann: Etta James’ Something's Got a Hold on Me steht auf dem Programm, und das langsame Intro wird gesprochen, dass es klingt wie eine Aufnahme aus den 40er Jahren. Aber keine Angst, als der Groove losgeht, lüftet sich der Schleier des Alters und der Rest dieses Powerhouse-Songs geht frisch weiter.

Jetzt ist man eingehört und denkt, es kann so weitergehen, aber weit gefehlt. Der nächste Titel ist ein Wagnis, ein wunderbarer Affront und eine zärtliche Hommage an die Frau, die dieser Art der Musik in den letzten fünf Jahren mehr gegeben hat als jemand sonst: Amy Winehouse. Sandra Rippstein covert Back to Black (von der gleichnamigen CD, nicht die Aufnahme von der Best of-Kompilation). Und es wäre interessant festzustellen, wie viele diesen Titel als Höhepunkt erleben, wieviele aber als Tiefpunkt. Rippstein klingt mit ihrer kräftigen Stimme nicht so verloren wie Winehouse, aber sie bringt das Lied glaubhaft rüber und schafft damit ein gelungenes Cover eines Signature-Songs. Respekt, Frau Rippstein, das braucht Mut, für mich zählt es zu den Höhepunkten.

Eingeleitet durch ein Harp-Solo folgt der Slow Blues Ghetto Child von Shemekia Copeland. Auch dieses Stück ist ein Highlight der CD. Gefühlvoll, soulig, authentisch bringt sie den Titel mit Hilfe der schön eingesetzten Harp von Beat Rickenbach und der makellosen Pianobegleitung Christoph Heules. I'm Coming Down with the Blues des wenig bekannten Pianisten Ivory Joe Hunter folgt als siebtes Stück: ein mitreissender synkopierter Blues, der erneut enorm in die Füsse fährt.

Dann scheint sich die Band gesagt zu haben: wenn man schonmal am Tanzen ist, machen wir hier gleich weiter. Es folgt In the Basement, ein Titel von Etta James, erneutmit Groove im Überfluss. Dieser Titel bringt diesen rohen Sound der 50er Jahre am besten zum Ausdruck. Die Sängerin tritt in Call-and-Response-Dialog mit den Background-Sängerinnen, ehe erwartbar das Saxophon seinen Auftritt hat. Ein weiteres Glanzlicht der CD.

Der als «Traditionel» ausgewiesene Titel Gospel Ship erinnert am meisten an Kirchensongs früherer Aufnahmen, unterhält aber und stellt nie einen Fremdkörper dar. Der stille Schlusstitel Too Little too Late beginnt a capella, nur mit Rippsteins starker und doch verletztlicher Stimme, ehe dann die Band gefühlvoll einsetzt.

Die CD ist von Anfang bis Schluss eine Freude und ein grosses Vergnügen. Sie kann hier bestellt und in Teilen angehört werden.


Sandra Rippstein CD Sweet Soul Music

Sandra Rippstein voc, Christoph Heule (Hammond, Piano, Wurlitzer, Clavinet), Beat Riggenback (tenor sax, Blues harp), Daniel Oswald (Bass), Steve Grant (Drums).

01       Sweet Soul Music
02        Let's Take a Walk
03        Beginner at the Blues
04        Something's Got a Hold on Me
05        Back to Black
06        Ghetto Child
07        I'm Coming Down with the Blues
08        In the Basement
09        Gospel Ship
10        Too Little too Late

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