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Der 1961 in Wales geborene, aber in Australien aufgewachsene Gwyn Ashton ist ein Mann, der gerne die Kontrolle über seine Projekte hat. Nun hat er am 22. Oktober 2012 sein jüngstes Album veröffentlicht, die CD Radiogram mit 10 Bluesrock-Titel, die Ashton auch noch zum grossen Teil selbst geschrieben hat. Auf Radiogram spielt Ashton Gitarren, Harmonika und den Bass selbst und nur für das Schlagzeug stützt er sich auf die Mitarbeit von «Killer» Kev Hickman, mit dem er seit 2009 zusammenarbeitet.

Gwyn Ashton ist ein alter Hase im Musikgeschäft. Nach erstem Ruhm in Australien zog er 1996 nach Europa um und er hat seither viele Auftritte mit bekannteren Musikern, betrieb aber dabei stets sein eigenes Ding. Seine Aufnahmen reichen bis weit in die 1990er Jahre zurück, und mit Radiogram bleibt er seinem Stil treu, einem harten, treibenden und gitarrenlastigen Rock bis Bluesrock, sehr in der Tradition Jimi Hendrix‘ und Creams, wobei eines seiner auffälligsten Stilelemente das tongleiche Singen und Gitarrenspielen ist bei Riffs. Seine Musik hat eine wilde, an die Sechziger Jahre erinnernden Vintage-Groove und schlägt ganz schön in ihren Bann.  For Your Love ist ein Paradebeispiel hierfür. Angel ist die vom Titel her erwartbare Liebesschnulze, ein Slow Blues, der mit deutlichen Riffs und ausgedehntem Solo etwas an Hendrix Little Wing erinnert. Das gesamte Album ist sehr stimmig gehalten, die Titel passen gut zueinander und gehen schön ineinander über, dabei ist jeder Titel hörbar ausgetüftelt bis ins Detail. Let Me In bringt einen äusserst fetzigen Lick und man hört Ashton an der Blues-Harp. Willie Dixons I Just Wanna Make Love to You wird in einer deutlich an Hendrix angelehnten Art interpretiert, ein wirklich fabelhaftes Gitarrensolo in der Mitte des Songs zeigt, was Ashton alles drauf hat. Bluz for Roy ist ein trauriger instrumentaler Slow Blues, wirklich schluchzend und mit 7:22 bleibt auch kein Auge trocken. So wie der Titel klingt, muss Ashton sich auf Roy Buchanan beziehen. Zu deutlich zitiert er hier den grossen Meister der Telecaster.

Der Gitarrenton von Ashton ist bemerkenswert. Ein verzerrter Singlecoil-Sound, wie es viele gibt, aber Ashton verzichtet auf den fetten Sound der Stevie Ray Vaughan-Machart, seine Gitarre wirkt im Vergleich hierzu älter, mehr 60er als 80er Jahre – eben Hendrix und nicht Vaughan. Die italienische Gitarrenfirma Liutart hat den Aussie-Waliser mit seiner eigenen Signature-Gitarre ausgerüstet, einer Art Strat, die seinen Singlecoil-Sound produziert: mit P90 am Hals, Lipstick in der Mitte und einem nicht gestaggerten Tele-Pickup an der Brücke, Bigsby-Vibrato und reverse headstock ist die Los Angeles das vielseitige Arbeitsinstrument mit eindeutigem Charakter, das Ashton für seine Art des Bluesrock braucht. Auf dem Plattencover liess er sich aber mit einer Strat abbilden.

Für das neue Album hat Ashton eine ansehnliche Auswahl an Gastmusikern verpflichtet: Don Airey (bekannt mit Deep Purple, Rainbow, Whitesnake, Black Sabbath), Kim Wilson ehemaliges Mitglied der Fabulous Thunderbirds, Robbie Blunt (Robert Plant, Bronco und Silverhead), Johnny Mastro (von LA’s Mama’s Boys), Mark Stanway (Magnum, Phil Lynott). Für die laid-back-Titel hat er sich Mo Birch (UB40, Go West und Culture Club) gesucht und zudem mit Henry Parker Licks ausgetauscht. Seine CD ist eine gelungene Verneigung vor der Musik, die ihn selbst stark geprägt haben dürfte. Durch die überragende Beherrschung des Instruments wird Radiogram wirklich zu einem Hörvergnügen für alle ausser akustisch ausgerichteten Blues-Puristen.

Gwyn Ashton – Radiogram

Gwyn Ashton Gitarren, Bass, Harmonika

«Killer» Kev Hickman Drums

1.     Little girl                                (4:17)
2.      Don't wanna fall                     (4:44)
3.      Let me in                              (4:02)
4.      Fortunate kind                       (3:43)
5.      I just wanna make love           (4:31)
6.      Dog eat dog                           (5:01)
7.     Angel                                     (7:08)           
8.     For your love                           (5:58)
9.      Comin' home                          (3:42)
10.   Bluz for Roy                            (7:22)

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