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Der Beginn des Alterswerks?

Das 21. Studioalbum von Eric Clapton ist vergangene Woche erschienen, es beinhaltet 12 Songs, wovon 10 Titel Cover von Klassikern unterschiedlichster Genres sind. Bluesnews.ch hat es sich schon angehört, und die CD ist eine angenehme Überraschung, denn sie bemüht sich nicht, ein grosses Werk zu sein und ist es vielleicht genau deshalb. Ganz im Stil von Paul McCartney mit dessen jüngstem musikalischen Rückblick Kisses on the Bottom geht Eric Clapton auf seiner neuesten CD durch seine persönliche musikalische Mottenkiste und spielt, was er schon immer mal spielen wollte: Jazz, Reggae, Country und ein klein wenig Blues. Die Aufnahmen, der schwachsinnige Titel Old Sock und das abscheuliche Cover der neuen CD strahlen eine Gleichgültigkeit und Indifferenz gegenüber den Erwartungen des Publikums aus, die für Claptons Verhältnisse wohltuend sind. Die neue CD ist eine Veröffentlichung, die dem Publikum Spass machen kann, aber hier stand der Spass der Band im Vordergrund.

2012 hatte Eric Clapton eine Tournee beendet und war in Los Angeles angekommen. Bis zur Geburtstagsparty von Jimmie Vaughan waren noch zwei Wochen Zeit, also  setzte sich Clapton ans Telephon und telefonierte einige Leute zusammen, ging dann mit diesen ins Studio und nahm diese Titel auf. Gastauftritte gibt es von J.J. Cale, Chaka Khan, Paul McCartney, Taj Mahal und Steve Winwood, dazu die Creme der Studio- und Sessionmusiker, die nunmal antanzen, wenn E.C. anruft. Heraus kam ein Studioalbum mit starkem Session-Charakter, nicht so angestrengt engagiert wie My Father’s Eyes oder Reptile.

Die beachtliche Bandliste beinhaltet neben dem Meister an der elektrischen, akustischen und 12-saitigen Gitarre, der Dobro und der Mandoline 26 weitere Musikerinnen und Musiker, dazu 7 «Guest Vocals» mit Claptons drei jüngeren Töchtern Julie, Ella und Sophie, die letztes Jahr 17, 19 und 21 Jahre alt waren. Und auch sonst gibt es ein Akkordeon, Orgeln und einer vierköpfigen Horn-Sektion. Entsprechend fett sind die Sounds, manche Titel haben etwas sehr fette Arrangements mit Streichern und viel Backup Gesang.

Die Musik der CD ist in keiner Weise bluesig, sie ist auch nicht ambitioniertes Neuland, mit dem Clapton seine Qualitäten als Songschreiber zeigen will. Es geht ihm um Spass mit Songs, die ihn seit Jahrzehnten begleiten und beschäftigen. Eric Clapton hat die Erfahrung und mit 67 Jahren auch den Status als Grandseigneur, um solche Retro-Titel einzuspielen wie Our Love is Here to Stay von George Gershwin oder All of Me von Gerald Marks und Seymour Simons.

Nur zwei Titel sind neu:  Gotta Get Over und Every Little Thing stammen aus der Feder von Doyle Bramhall II, alle weiteren Titel sind Covers von Liedern, die Eric Clapton  seit langem begleiten: der Country-Klassiker Born to Loose, den schon Johnny Cash in Folson Prison einspielte sowie Ray Charles auf seinem epochemachenden Album Modern Sounds for Country and Western. Von Claptons Reggae-Zeit stammt Peter Toshs Till Your Well Runs Dry und mit The Folks Who Live On the Hill kommt ein Titel des «Great American Song Book» von Jerome Kern und Oscar Hammerstein III, zwei Komponisten der grossen Ära des Broadway Musicals. Frühere Versionen hiervon stammen von Peggy Lee, Frank Sinatra oder Bing Crosby. Your One and only Man ist von Otis Redding, wird hier aber auch als Reggae-Song interpretiert. J.J. Cale und Taj Mahal brachten ihre eigenen Titel Further on Down the Road und Angel mit.

Bemerkenswert ist dasCover von Gary Moores 90er Jahre-Superhit Still got the Blues. Neben Goodnight Irene von Huddie Leadbetter (besser bekannt als Leadbelly) ist dies der einzige Bluestitel des Albums und eine Kooperation mit Steve Winwood. Clapton hatte 2011 den Song auf dem doch davon gibt es nur Bootleg-Aufnahmen.

Eric Clapton und Gary Moore waren keine Freunde, Die Google-Bildsuche nach den beiden Namen Clapton und Moore bringt kein einziges gemeinsames Bild hervor. Der Ire hat offensichtlich dem sieben Jahre älteren Engländer nachgeeifert, und mit der Trio-Formation BBM (mit Jack Bruce undGinger Baker) kam er Cream schon ziemlich nahe. Ginger Baker nannte Gary Moore danach «The Pampered Pompadour Of Pop» und liess in einem Interview kein gutes Haar an ihm. Und von Eric Clapton gibt es schlicht keine Aussagen zum Irischen Brachialblueser und Hard Rock-Gitarristen. Mit seinem Cover des grossen Hits von Gary Moore hält Clapton es ähnlich wie bei der Neuaufnahme von Leyla auf der Unplugged: mit der Überlegenheit des Alters blickt er zurück auf lange zurückliegende Gefühle, und das gilt auch für den Schmusesong Still got the Blues. Am Anfang spielt er akustisch zu Winwoods Hammondorgel, sein eigenes Gitarrensolo am Schluss ersäuft in einem Meer von Tonspuren. Hier wäre weniger wieder einmal mehr gewesen. Schade.

Dieses Album erinnert an die frühen 70er Jahre, als Clapton mit Veröffentlichungen wie 461 Ocean Boulevard oder Another Ticket eine neue Form der musikalischen Coolness zelebrierte. Dies tut er auch auf dem neuen Album, das ein stilistischer Gemischtwarenladen ist, aber immer mal wieder mit diesen einzigartigen Gitarrensoli veredelt, und seine Stimme klingt wirklich auf diesem Album, warm und einschmeichelnd. Alles ruhig und entspannt, freidlich und abgeklärt, so dass sich die im Titel gestellte Frage stellt: Ist Old Sock der Beginn eines Alterswerks von Eric Clapton?

Eric Clapton Old Sock (2013)

1.      Further on Down the Road (Featuring Taj Mahal)
2.      Angel (Featuring JJ Cale)
3.      The Folks Who Live On the Hill
4.      Gotta Get Over (Featuring Chaka Khan)
5.      Till Your Well Runs Dry
6.      All of Me (Featuring Paul McCartney)
7.      Born to Lose
8.      Still Got the Blues (Featuring Steve Winwood)
9.      Goodnight Irene
10.  Your One and Only Man
11.  Every Little Thing
12.  Our Love Is Here to Stay
 

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