Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
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Keine lahme Socke

Eric Clapton hat es sich vielleicht mit der Veröffentlichung seines Studioalbums Old Sock mit einigen Fans verdorben, aber dieser Live-Auftritt von der 2013er-Ausgabe der «Baloise-Session» in Basel zeigt einmal mehr, wieso Eric Clapton auch im gehobeneren Alter (er wird im März 70) relevant ist. Für Langzeit-Fans ist dieser Auftritt ein weiterer Live-Act von Eric Clapton, der mit einer bewährten Band von musikalischen Mitstreitern einen professionellen Gig hinlegt. Wie schon mehrfach bemerkt, hat Eric Clapton weder die Persönlichkeit noch die Bühnenpräsenz, um ein Publikum mit seiner Show zu begeistern, dafür tut er dies umso mehr mit einem soliden und  abwechslungsreichen Auftritt, in dem er vor allem seinen Freund J.J. Cale ehrt, indem er vier seiner Titel covert. Die DVD In Session : Event Halle Switzerland 2013 macht den Anschein eines Bootlegs, und für bloss €10.- kann man bei Amazon den Konzertauftritt kaufen, der allerdings auch schon auf SRF2 zu sehen war.

 
Die DVD In Session : Event Halle Switzerland 2013 kommt ohne Booklet daher, ohne Informationen und ohne irgendwelchen Schnickschnack. Dafür besticht der Preis von €10.-. Der Bootleg-Charakter wird auch dadurch gestärkt, dass das Photo auf dem Cover offensichtlich nicht aus dem aktuellen Konzert stammt: Frisur, Bühnenkleidung, ja selbst Brillengestell und Gitarren-Strap sind im Auftritt selbst deutlich anders.

Die Setlist beinhaltet zunächst fünf Titel aus der Feder  des kurz zuvor verstorbenen J.J. Cale, die Clapton hier zum Besten gibt, wobei dies natürlich auch gleich eine Probe ist für die ein halbes Jahr später erfolgte Veröffentlichung des Albums Call Me The Breeze, auf dem er diese Titel spielt. Bemerkenswert auch: Clapton kramte für das Konzert Titel des eher unbeliebten Albums Behind the Sun raus: Knock on Wood, der hier mit Unterstützung von Schlagzeuger Chris Stainton gespielt wird.

Clapton überlässt den Gesang einmal seinem getreuen Rhythmus-Gitarristen Andy Fairweather-Low und einmal Keyboarder Paul Carrack. Dazu ist zu sagen, dass Fairweather-Low in seinem Gesang dem Vorbild von Clapton nacheifert, und so singt er sehr ähnlich, nuschelt aber zu stark zwischen den geschlossenen Zähnen hervor. Der Titel Gin House ist denn auch eine der schwächeren Nummern auf dem Album.

Gut gefiel dafür Robert Johnsons Little Queen of Spades, das hier zu einem schönen Slow Blues wird. Als akustische Titel sind Layla, Nobody Knows You… und Driftin‘ Blues zu hören, in denen Eric Clapton die Strat ablegt und sich zwischendurch mal hinsetzt. Das Fender-Flagschiff ist bei diesem Auftritt das einzige Gitarrenmodell, das zum Einsatz kommt, Clapton liess für diesen Auftritt in Basel seine weiteren Modelle zuhause und nahm nur die Strats mit.

Der Auftritt zeigt das, was Eric Clapton am besten kann, und was er auch am liebsten tut: sich auf die Bühne stellen und Blues spielen. Selbstverständlich tritt dabei wenig Überraschendes hervor, aber seine Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit macht schliesslich auch einen grossen Teil seines Erfolgs aus. Mit In Session macht er Studio-Veröffentlichungen wie Old Sock vergessen, und er bindet seine Fans ein weiteres Mal an sich mit seinem Gitarrenspiel und seinen Blues-Interpretationen

Eric Clapton Baloise Session 2013

Eric Clapton                    Vocals, Guitar
Andy Fairweather-Low   Vocals, Guitar
Paul Carrack                   Vocals, Keyboard
Henry Spinetti                 Drums
Chris Stainton                 Keyboard
Dave Bronze                   Bass
Michelle John                Backing Vocals
Sharon White                Backing Vocals

1. Don't Go To Strangers J.J. Cale
2. Knock On Wood Eddie Flody/Steve Cropper
3. Hoochie Coochie Man WillieDixon
4. Got My Mojo Workin' McKinley Morganfield
5. After Midnight J.J. Cale
6. Call Me The Breeze J.J. Cale
7. Gin House Harry Burke
8. How Long Paul Carrack
9. Driftin' Blues Johnny Moore/Three Blazers
10. Nobody Knows You When You're Down And Out Jimmie Cox
11. Layla E.Clapton/Jim Gordon
12. Wonderful Tonight E. Clapton
13. Little Queen Of Spades Robert Johnson
14. Cocaine J.J. Cale
15. High Time We Went Joe Cocker/Chris Stainton

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