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Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
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«Ain’t Nothing but the Real Thing, Babe»

Richard Koechli zeigt auf seiner neuesten Veröffentlichung, der Live-Kompilation Still Howlin‘, wieso er vollkommen zu Recht der aktuelle Preisträger des «Swiss Blues Award» ist. Die aktuelle CD-Veröffentlichung ist dicht gepackt mit 79 Minuten wunderbarer Musik der entspannten und dabei bewundernswert kompetenten Machart Richard Koechlis und seiner Begleitmusiker. Blues sind das Alpha und Omega seiner Musik, aber sie ist nicht begrenzt dadurch. Country- und Ragtime-Titel sind ebenso teil des Repertoires wie der elektrische Blues. Koechli selbst nennt es «Roots Music». Die Aufnahmen sind raue Live-Mitschnitte von vier Konzerten und dabei nicht die höchste Entwicklung von originalgetreuer Aufnahme. Das mag man bejammern, es macht aber nichts aus, denn wie ältere Chicago-Mitschnitte ist auch dies ein Tonzeugnis eines grossen Künstlers auf der Höhe seiner Kunst, live vor Publikum. Dabei erstarrt man nicht in Ehrfurcht, sondern erfreut zusehends sich an dieser perfekt gespielten Musik. Darauf deutet auch die hier gewählte Titelzeile hin: Koechli ist «the Real Thing».

Bei den vierzehn Titeln der Live-CD konzentriert sich Richard Koechli auf die Blues-Phase mit Ausflügen in «verwandte» Themen. Entsprechend fehlen die Stücke früherer Folkrock-Alben. Die Aufnahme, die er seiner Veröffentlichung an den Anfang stellt, ist die Eigenkomposition Easy Road, ein Chicago-Blues, der den Ton setzt für die gesamte Scheibe.

Key to the Highway trieft vor Blues, eine wunderbare Slide-Version von Big Bill Broonzys Achttakter. Zuvor sicherlich schon oft gespielt, aber noch nie auf CD veröffentlicht, ist dieser Titel würdig interpretiert. Besonders zu bemerken ist der authentisch klingende Gesang Koechlis. Diese Aufnahme macht auch erstmals die aufnahmetechnischen Unzulänglichkeiten deutlich: Daniel Lauks Harmonika-Solo kann sich gut durchsetzen, Koechlis Solo leidet in der Aufnahme etwas unter den Raummikrophonen, das an sich bissig angezerrt klingende Solo tönt leider etwas dumpf, die Aufnahme erzeugt aber eine sehr authentische Atmosphäre eines Bluesclubs.

Leave Your Toys at Home, hier solo interpretiert, ist eine selbst geschriebene Geschichte über die Liebe von Bluesmen zu ihren Autos. Ein Blues, aber auch ein uramerikanisches Sujet. Ein Boogie, an dem der im Song im Zentrum stehende John Lee Hooker seine Freude gehabt hätte. Before You Accuse Me kommt im ähnlichen Stil daher, und auch Elmore James‘ It Hurts Me Too. Rauer und harter Blues virtuos gespielt. So macht ein Slide Freude.

Leave Your Toys at Home und Blues-Police Song waren bereits auf Howlin‘ With The Bad Boys zu hören, die Live-Fassungen überzeugen auf ihre Art neu. Der Ragtime über die Blues-Polizei erinnert erneut mit Michael Dolmetschs Tastenarbeit an einen Wild-West-Saloon, dabei passt die Lo-Fi Aufnahme hervorragend. Weitere Titel, die hier erneut, aber als Live-Version zu hören sind, sind Won’t You Be My Savior, das Instrumental In The Spirit (das man verwechseln könnte mit einer Instrumentalversion von Sitting on top of the Wordl)und Howlin‘ With The Bad Boys.

Letzteres wird hier mit einer Gesamtlänge von 11:43 regelrecht zelebriert. Der dabei kontinuierlich durchgezogene (an Canned Heats On The Road Again erinnernde)Groove geht erst in die Füsse, dann in den ganzen Körper. Ein dickes Kompliment hier an Bassist Michael Haefliger und Drummer Fausto Medici. Als das im Titel angesprochene Heulen à la Wolf dann einsetzt, ist man hypnotisiert. Die Dialekt gesprochenen Passagen geben einen tollen Effekt. Irgendwann merkt man, dass das ja Dialekt ist und wird so eine weitere Umdrehung in den Strudel des Songs gezogen. Die nächste steht beim Orgelsolo in der zweiten Hälfte des Songs an. Dolmetsch bringt psychedelische Klänge mit einem Honky-Tonk-Rhythmus zusammen, dass es eine wahre Pracht ist.

Zwei neue Juwele in Koechlis veröffentlichtemRepertoire sind die als Slide-Song gespielte Version von Elisabeth Cottons unsterblichem Freight Train und Mystery Train. Der letzte Titel, ein Klassiker von «Little» Junior Parker, bekannter durch James Burton und Elvis Presley, wird hier zum Country-Blues Crossover. Grossartig wie die bluesige Slide-Gitarre den Country-Rhythmus umspielt. Es erinnert etwas an Junior Wells‘ Aufnahme dieses Titels. Diese einzigartige Virtuosität und Differenziertheit ist das Slide-Spiel, für das Koechli bekannt und geschätzt ist, und das ihm 2013 im zweiten Anlauf den «Swiss Blues Award» einbrachte.

Und dann ist da noch die Aufnahme von After Midnight, J.J. Cales unsterblichem Song. Koechli spielt den Titel relaxt, entspannt oder wie einer seiner früherer Album-Titel hiess, laid-back. Dass er seine Fassung hier veröffentlicht, ist erfreulich und ein Zeichen seines Selbstbewusstseins als der herausragende Instrumentalist, der er ist. Wie um dies erneut unter Beweis zu stellen ist sein Solo in After Midnight pures Gold. Orgelsolo und Schlagzeugsolo bringen die Stimmung höher, die Gitarre behält den Titel am Zügel.

Dabei will Koechli auf dieser CD niemandem etwas beweisen, er selbst macht vielmehr den Eindruck, als wolle er etwas zurückgeben, mit diesen Aufnahmen. Als wolle er den Bluesfans die Gelegenheit geben, ihn im aktuellen Stand seiner Reife zu erleben. Auch wenn Koechli auf seinem Begleittext der CD die Etikettierung «Bluesman» ablehnt, so wandelt er doch in den Fusstapfen der Riesen vor ihm. Und was mehr als nur erfreulich ist, er füllt diese auch aus.

Richard Koechli Still Howlin‘ (2013)
Richard Koechli    (g, voc)
Michael Dolmetsch (keyb, org, p)
Fausto Medici (d, perc)
Daniel Lauk (harmonica)
Heini Heitz (g)
Michael Haefliger (el-b)

01. Easy Road                             6:20
02. Won't You Be My Savior        4:21
03. You Got To Move                   5:31
04. After Midnight                        8:03
05. In The Spirit (instrumental)    4:51
06. Key To The Highway              5:34
07. Leave Your Toys At Home      5:34
08. Blues-Police Song                  3:01
09. Before You Accuse Me           4:26
10. Freight Train                           3:46
11. It Hurts Me Too                       5:43
12. Blues Stay Away From Me     4:31
13. Mystery Train                          5:11
14. Howlin' With The Bad Boys   11:43


 
 

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