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Freischlader satt
Die Henrik Freischlader Band um den Wuppertaler Gitarristen und Sänger hat eine grossartige Kompilation von Live-Mitschnitten veröffentlicht. Darauf sind zwei Konzerte aus den Jahren 2011 und 2012, die das Label «Cable Car Records» jetzt in Form eines 4-CD Digipacks auf den Markt bringt. Mit 266 Minuten Musik gibt es gehörig die Ohren voll mit dem bekannten Bluesrock des Quartetts mit seinem unglaublichen Vintage-Sound. Zeitloser, guter Rock und Bluesrock wird hier gespielt, ohne einen Blick auf die Uhr zu werfen. So gibt es zwei Tracks mit 23, bzw. 27 Minuten Spielzeit, in denen man tief in den Groove eindringt. Druckvoller Bluesrock, abwechselnd und interessant präsentiert, ein gelegentliches Zitat reichert das Set an, und auf allen Aufnahmen ist echte Live-Atmosphäre zu hören. Sehr viel besser kann man es wahrlich nicht machen.
Die hier veröffentlichten Aufnahmen stammen von einem Konzert der «House In The Woods-Tour» vom 08.11.2012, gespielt im Kulturzentrum «Faust» in Hannover und von einem der «Still Frame Replay-Tour» vom 21.05.2011 im «Kunst-Werk» in Arnsberg. Die letztere Aufnahme existiert auch als DVD mit dem Titel Show No 47. Hier kommt also noch Show Nr. 27 hinzu. Wieso diese Shows ausgewählt wurden, wird nicht diskutiert. Beide Aufnahmen sind mit derselben Band eingespielt, was neben Freischlader die anderen drei Köpfe der Band sind: Moritz Fuhrhop (Hammond/Keyboards), Theofilos Fotiadis (Bass) und Björn Krüger (Schlagzeug) sind ebenso integrale und unverzichtbare Teile des Bandsounds wie Sänger und Gitarrist Henrik Freischlader.Die Band hat sich zu Recht einen Namen gemacht hat als Fackelträger des 60er Jahre Bluesrock-Sounds à la Cream, Hendrix, Fleetwood Mac und anderen Bands der British Invasion.

Was gibt es zu hören auf diesen offenbar Live und ohne spätere Nachbesserungen eingespielten Konzerten? Gewaltige gigantische Vintage Gitarrensoli, mit Reife und Autorität gespielt und mit Freude ausgekostet. Dazu gibt es eine Hammond-Orgel, die sich als Partner und Gegengewicht zur Gitarre behauptet und eine Rhythmus-Section, die vorbildlich die Songs beieinander und am Laufen hält. Musik kann sehr einfach sein, wenn man sie so gut macht. Die Band zweigt sich in allen Spielarten kompetent: Seien es es Klassiker wie Foxy Lady oder Come Together, seien es Eigenkompositionen wie House in the Woods oder The Bridge, stets ist die Henrik Freischlader Band auf der Höhe der Ansprüche und der Herausforderung gewachsen.

Die meisten Songs sind schneller Bluesrock, Two Young Lovers und Breaking My Heart Again sind radiotaugliche Balladen, Power Rock at it's Best. Das beinahe eine halbe Stunde dauernde Bad Dreams ist eine psychedelische Reise in einen hypnotischen Groove, Foxy Lady die erwartete Hommage an Hendrix. Won't You Help Me und The Memory of Our Love sind Slow Blues-Titel, ebenso natürlich I’d rather Go Blind, aber vor allem auch die beiden Aufnahmen von I Loved Another Woman. Letztere sind reine Peter Green-Seligkeit, ein genaues Replika des Sounds und vor allem Feellings des grossen Briten. Atemberaubend, wie Freischlader das Timing und die Abgeklärtheit von Green nachempfindet und auf die Bühne bringt. Besonders gut gefiel auch der Slow Shuffle I’ve Got it Good, bei dem die Orgel zugunsten des Klaviers zurücksteht.

Alle Titel beginnen mit Sound, keine langen Intros, was auch etwas mit der digitalen Bearbeitung zu tun hat: Das Intro zum Titel Breaking My Heart Again ist noch am Schluss von I Loved Another Woman, erst mit dem Einsetzen des Brummbär-Basses beginnt der eigentliche Song. Etwas schwach ist der Gesang auf I’d Rather Go Blind, aber gegen Etta James, Koko Taylor oder Beth Hart ist es auch hart. Instrumental gibt es nichts auszusetzen, lediglich der Gesang hat mich nicht überzeugt.

Insgesamt eine Veröffentlichung, die das Live-Erlebnis authentisch in die Musikanlage bringt und viel Freude bereitet mit grosszügigen, ausufernden und opulent interpretierten Songs, gespielt von einer Band, die eben schon 26, bzw. 46 solcher Auftritte hinter sich hatte und perfekt eingespielt ihr Bestes gibt. Und das mit mehr als vier Stunden Spielzeit ist auch für wirklich Hungrige ausreichend Hörnahrung, um sich sattzuhören.
 
 
Henrik Freischlader Band – Live in Concerts (2013)
CD 1 (Show No. 47):
01: Intro (0:28)
02: The Blues (4:40)
03: Still Frame Replay (6:43)
04: Longer Days (4:53)
05: The Bridge (13:26)
06: I Loved Another Woman (7:41)
07: Come On My Love (5:04)
08: What's My Name (5:56)
09: Bad Dreams (Wolkenwinde) (27:07)
 
CD 2 (Show No. 47):
01: Intro (0:41)
02: I'd Rather Go Blind (9:16)
03: I've Got It Good (6:17)
04: Do Did Done (4:41)
05: The Wrong Way (6:33)
06: The Memory Of Our Love (13:41)
07: Breakout (13:23)
08: Crosstown Traffic (5:41)
09: Foxy Lady (12:15)
 
CD 3 (Show No. 27):
01: Intro (0:31)
02: 1999 (5:06)
03: Take The Blame (4:21)
04: Nowhere To Go (5:04)
05: I Loved Another Woman (6:03)
06: Breaking My Heart Again (6:52)
07: Longer Days (4:20)
08: The Bridge (15:47)
09: Two Young Lovers (6:11)
10: Mo's Gospel (2:21)
11: Sisters (4:46)
 
CD 4 (Show No. 27):
01: Breakout (23:42)
02: Hear Your Talking (3:59)
03: With The Flow (5:12)
04: House In The Woods (6:32)
05: Come Together (7:33)
06: Won't You Help Me (9:18)
 

 

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