Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
Jazz 'n' More
Basler Veranstaltungskalender
Groove Now
 Keeping Stevie Alive

Wir wollen alle, dass der Blues am Leben bleibt: «Keeping The Blues Alive» als Motto. Das Schweizer Blues-Quartett Big Deal leistet mit dem Album Back in the Saddle - Texas Rhythm & Blues seine Teil dazu: Sie erhalten die Musik von Stevie Ray Vaughan & Double Trouble am Leben. Auf ihrer CD präsentieren sie sich als Coverband, aber sie zeigen auch weitere Varianten ihres Könnens. Die Musiker um Frontman Mike Mosher bieten tolle Musik und gute Stimmung.

 

 

Die vier erfahrenen Musiker von Big Deal bringen zusammen mehrere Jahrzehnte an Erfahrungen auf die Bühne. Dass Mike Mosher (g, voc), René Faust  (B3, keyb), Sam Köhler (dr) und Paul «Bolle» Spinnler (b) unter dem Namen Big Deal gemeinsam spielen, ist allerdings noch nicht so lange her. Die momentane Konstellation der Band besteht erst seit 2008, aber die mitgebrachte Erfahrung lässt das Quartett offensichtlich gut harmonieren, wie die auf dem Erstlingswerk Back in The Saddle - Texas Rhythm 'n Blues eindrücklich demonstrieren. Auf der Scheibe sind vorwiegend SRV-Coverversionen zu hören, aber es gibt auch Eigenkompositionen, mit denen die CD eröffnet. Da drei dieser Eigenkompositionen zu Beginn der CD zu finden sind (Songs 1-3) scheint es, als habe die Band zuerst ihre eigenen Songs eingespielt und den Tonträger dann mit den Covern bestückt, die sie bei ihren Live-Auftritten zuvor perfektioniert hatten. Bei allen Titeln aber behält die Band eine Leichtigkeit im Ausdruck, einen gewissen natürlichen Swing, der weitgehend erhalten bleibt.

Die Band bestreitet alle Songs bravourös, Mosher klingt an den Saiten tatsächlich wie SRV, (er spielt natürlich ebenfalls eine Strat und imitiert die Amp-Einstellungen getreulich). Die Rhythm-section ist solide und legt einen verlässlichen Teppich und dazu gibt es die meisterliche Tastenarbeit von René Faust, der mit der Hammond B3 verwachsen scheint und perfekt für die Grundstimmung in den Songs besorgt ist. Mike Mosher, der aus Wisconsin stammt und in Chicago und Kalifornien gelebt habe singt natürlich ohne Akzent. Sein Gesang ist dennoch nicht über alle Zweifel erhaben, denn bei manchen Songs sind die Strophen merklich nur der Füller zwischen Soli, hier fehlt das Herz, die Überzeugung. Auch im Gesang orientiert er sich grundsätzlich an SRV (sehr deutlich in Tin Pan Alley) und es bleibt sein Geheimnis, wieso er im Refrain auf Cold Shot die Silben so sonderbar abhackt.

Die CD enthält 12 Songs, davon sind acht Covers und von diesen wiederum sieben Stücke aus dem Repertoire von Stevie Ray Vaughan & Double Trouble: Cold Shot, Tin Pan Alley, Riviera Paradise, Crossfire, Buddy Guys Kompositionen Mary Had A Little Lamb und Let Me Love You Baby sowie das «Flagschiff» Pride And Joy. Manche dieser Covers sind getreue Wiedergaben des Originals, auch mit praktisch derselben Länge wie dieses: Tell Me hat bei Big Deal 2:56, bei SRV 2:49, Tin Pan Alley 7:41, das Originals SRV erstreckt sich auf In the Beginning über 7:42. Auch die anderen Songs sind deutlich die Arbeit einer Coverband, die nicht versucht, die Songs neu zu interpretieren sondern diese für perfekt hält und die daher versucht, das Original zu kopieren. Entsprechend wenig gibt es zu kritisieren, die Ähnlichkeit ist oft verblüffend, und es ist schön, dass es diese Musik live zu hören gibt. Es ist sicher eine gute Idee Big Deal für ein Fest als Band zu organisieren, da kommt ohne Zweifel Stimmung auf.

Ein Wort vielleicht noch zu Riviera Paradise, SRVs Meisterwerk von In Step und eine Vorahnung, von was noch hätte kommen können, wenn nicht ... . Dies ist ein Song von dem es nicht viele Covers gibt (auf der Redaktion war nur eine weitere Version bekannt: von Stanley Jordan auf dem Tribute-Album Crossfire und entsprechend ist diese zu begrüssen. Das Cover ist sehr werksgetreu, wenn auch anderthalb Minuten länger, aber es zeigt sich auch, dass SRV eben neben seiner Eigenschaft als grossartiger Gitarrist auch ein musikalisches Genie war, das diese Läufe stets neu generierte. Diese Einschätzung bleibt Big Deal freilich verwehrt, es ist ein konzertantes Nachspielen des Originals.

Das achte Cover ist der Titel Please Call Home von Gregg Allman und gespielt von den Allman Brothers. Der Song sticht auf der CD heraus, denn es ist eine Power Ballade des Southern Rock und kein Bluesstück. In gewisser Weise ist dieser Song aber herausragend und wenn sich Big Deal einmal für ein Coveralbum von Songs der Alman Brothers entscheiden sollten, wäre dies ein viel versprechender erster Hinweis.

Was die eigenen vier Songs angeht, so sind diese eine angenehme Überraschung. Das Eröffnungsstück Time Machine ist, wie der CD-Titel vorgibt, Texas Rhythm 'n Blues, fetziger Shuffle mit einer tollen Hammond-Orgel-Stimme. Auch das folgende Stück Hipshakin Woman mit schönem Orgelsolo. Danach folgt der langsame Inflation Blues, eines von drei Stücken mit einer Länge über sieben Minuten. Der Titel scheint eine Eigenkomposition zu sein, zumindest ist er weder mit B.B. Kings gleichnamigen Titel Inflation identisch, noch mit Lonnie Brooks Inflation. Der Slow Blues ist schön gespielt, lässt prächtig Zeit für die vier Musiker und ist sicher auch bei Live-Auftritten eine tolle Sache. Und dann ist da noch zu guter Letzt der Titelsong In The Saddle, ein Country-Rock-Song, bei dem Schlagzeuger Sam Köhler endlich zeigen darf, was er kann. Er treibt den Song mit seinem Country-Beat voran und der Song entwickelt die Dynamik eines Freight Trains. Ein wunderbarer Song, vielleicht nicht Blues im engsten Sinne, aber eine tolle Aufnahme.

Die CD von Big Deal verspricht vieles für zukünftige Hörproben, die Band muss sich entscheiden, in welchem Mass sie Coverband bleibenwill und wie sehr sie die eigenen Kompositionen forcieren will. Die Hörproben voin selbst geschriebenem auf Back in the Saddle machen auf jeden Fall Appetit auf mehr.

 

 

Big Deal Back in the Saddle

Mike Mosher g & voc
René Faust Hammond B3, keyb, back.voc.
Sam Köhler dr.
Paul Spinnler b

1 Time Machine : 3.56
2 Hipshakin Woman : 5.03
3 Inflation Blues : 7.27
4 Tell Me : 2.55
5 Cold Shot : 3.46
6 In The Saddle : 3.54
7 Tin Pan Alley : 7.42
8 Please Call Home : 3.10
9 Riviera Paradise : 7.06
10 Mary Had A Little Lamb : 2.50
11 Pride And Joy : 3.54
12 Crossfire : 3.31
13 Let Me Love You Baby : 2.24

 

 

Bewertung insgesamt (0)

0 von 5 Sternen
Kommentar hinzufügen
  • Keine Kommentare gefunden

Kürzlich angehört

TajMahalKebMoTajMoCDCover
Comments0
Das Ganze noch besser als die Teile

Im Blues sind Kooperationen und Gastauftritte bei Live-Konzerten oder…

JohnLeeHookerWhiskyAndWimmenCDCover
Comments0
John Lee Hooker’s Finest

Er prägte die Entwicklung des Blues, Jazz und Rock wie nur wenige andere Künstler. Er…

Lohmann1000DancesCDCover
Comments0
Nostalgisches modern präsentiert

Gesellschaftstänze gibt es seit vielen Jahrhunderten. Während langer Zeit war ihre…

JimmyDawkinsWestSideChicagoBluesDVDONstage
Comments0
Tiefer Einblick in den West Side Blues

Blues ist Leiden, Blues muss weh tun! Mehr als andere Bluesmen stand Jimmy…

GreggAllmanSouthernBloodCDCover
Comments0
Greggs Goodbye

Gregg Allman hat sein letztes Sololabum veröffentlicht, nach seinem Tod am 27. Mai  ist nun Southern…

Facebook Button

Diese Auszeichnungen haben wir erhalten:

SwissBluesAward2014 winner 150x160px

GermanBluesAward 2015 bluensnews.ch

 

 

bluesnews ist Mitglied dieser Organisationen: