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Auf ihrer ersten Studio-CD aus 2010 zeigen die Schweizer Band Ginger mehr vom für sie typischen 60er-Jahre Bombast-Sound, der irgendwo zwischen psychadelischem Experimentalsound und Hard Rock anzusiedeln ist. Going Though Arlanda ist wie schon die früheren Albem wie Live eine Feier von Retromusik. Die Gitarren von Marc Walser und Micha Bütikofer Gitarre haben das unbedingte Diktat, Bass (Arie Bertogg) und Schlagzeug (Andy Rösch) liefern den soliden Boden und die treibende Energie der Band. In einer früheren Rezension drückte ich schon grosse Bewunderung für die Band aus, und auch auf der ersten Studioarbeit arbeiten sie mit hoher Präzision, spielen die Songs makellos und sauber ein. Der Sound hat sich weiterentwickelt, und bleibt dennoch den Grundwerten treu: auch Going Through Arlanda bietet «psychedelischen Bluesrock», wie die Band ihre Musik zu Recht beschreibt.

Durch die - im Vergleich zu Live-Alben - andere Stimmung im Studio klingen die Songs frischer, knackiger, dafür auch etwas klinischer. Die Verzerrung der übersteuerten Röhren ist noch perfekter, insbesondere der Raum-Effekt der CD ist eine Freude. Das Album ist vielseitig, ideenreich und bietet sogar indische Klänge und Was die Abteilung Blues angeht, so ist mit Crosstown Bar Blues immerhin ein lupenreiner Slow Blues auf der CD, der mit 9:03 auch eine schöne Länge hat. Besonders hervorzuheben ist hier Arie Bertogg und ihr wunderbarer Bass sowie Micha Bütikofers traumhaftes Trompetensolo gegen Schluss.

Die anderen Titel sind in der überwiegenden Anzahl psychedelischer Rock mit grossartigen Gitarrensoli, wobei diesmal Jimmy Page und der Zeppelin-Sound immer wieder anklingen. Micha Bütikofers auf vielen Titeln eingesetzte Trompete (auch die stets im rechten Abstand zum Mikro mit dem Effekt perfekter Räumlichkeit) ist ein Highlight der CD. Die Soli fliessen wie jene der Gitarren, dies ist eine kraftvolle, aber wenig angestrengte Tompete, so leicht und beschwingt kommt sie daher.Ginger Band.jpg

Die Titel laden auf Reisen ein, wie es Echoes von Pink Floyd tat oder wie es The Grateful Dead feierten. Beim Hören drängen sich Assoziationsketten auf: Etwa der erste Titel T-10 beginnt sperrig, aber beim Zuhören entwirren sich die Klangfäden, bis in der Mitte des mit 11 Minuten ausführlichen Songs alles in Klarheit aufgelöst hat und nur eine sphärische Gitarre und ihre arpeggierende Schwester gedankenverloren klimpern. Aus der Asche entsteht Neues und ein neues Klanggebäude erhebt sich. Bis die Trompete zum Schluss das neue Königreich ausruft. Das Schlagzeug hat sich mittlerweile in Trance gespielt und klingt wie Ginger Baker: Eine Wand aus Rhythmus, vor der die Band ihre Experimente vollführt. Am Schluss endet der Song in Liedermacher-Manier: Harmonie ist wieder hergestellt.

Die anderen Titel laden ebenso ein, sich in diesen Sound fallen zu lassen und nur noch Ohr zu sein. In Singer-Songwriter-Manier geht es weiter mit Who Are You, aber bald beginnt ein Rock-Gewitter, wie es Ginger lieben. Das sägende Solo klingt nach Jimmy Page oder Pete Townsend und ist wie deren Arbeit leicht und fliessend, aber doch HEAVY. Diese Grupper der Bluesrock-Titel mit unterschiedlichen musikalischen Schwerpunkten beinhalten auch Flesh and Skin und Rosie's. Raja ist ein indisch angehauchter Titel, was natürlich insbesondere das Sitar-Intro angeht. Die Harmonien klingen fremd, die Rhythm-Section bringt den Titel wieder nach Westen, ehe dann die Trompete einsetzt. Diese bietet ein wunderbares Solo, das mehr an ein Alt-Sax erinnert in der Flüssigkeit. Drive Baby, der letzte Titel hebt sich stilistisch ab, denn hier wird der träge Sound den die Band normalerweise zelebriert durch ein Punk-Feeling ersetzt. Auch dies Retro-Musik im besten Sinne, das klingt wie Britische Underground-Bands der 80er Jahre, Punk, Ska, Funk und bombastischer Rock verschmolzen zu einer wunderbaren Mischung. Dann schaltet die Band runter und es folgt der Teil für die «Deadheads»: Jerry Garcia hätte sein Freude gehabt!

Going Though Arlanda gibt es über die Website der Band zu beziehen. Der Studioerstling wurde inzwischen mit einer weiteren Veröffentlichung von 2011 ergänzt, dem Studioalbum Seahorse, das der Bluesnews-Redaktion noch nicht zu hören vergönnt war. Hoffen wir, dass uns dieser innovative Retro-Sound noch viele schöne Alben beschert.

Marc Walser (Gitarre, Stimme)
Arie Bertogg (Bass)
Andy Rösch (Schlagzeug)
Micha Bütikofer (Gitarre, Stimme, Trompete)

  1. T-10                              10:59
  2. Who Are You                  4:20
  3. Flesh and Skin                9:33
  4. Raja                                5:02
  5. Crosstown Bar Blues       9:03
  6. Rosie's                            3:14
  7. Drive Baby                       6:07

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